Jimi: Das Portemonnaie für Leute, die keine Portemonnaies haben wollen

Portemonnaies, Brieftaschen oder Geldbörsen, egal wie man es nennt, ich hege seit Jahren eine tiefe Abneigung gegen sie. Ich kann sie nicht cool in der Gesäßtasche tragen, so kann ich nicht sitzen, was auch an meinem mangelndem Sitzfleisch liegen kann. Und wenn man abends mal weggehen will, dann weiß ich nie wohin damit: Hab ichs hinten, wirds mir geklaut, vorne siehts bescheuert aus, und abgesehen davon stört es mich. Genau für solche Leute wie mich gibts jetzt die Lösung, und sie nennt sich Jimi.

The Jimi Wallet ist kein normales Portemonnaie, sondern eine kleine nette Box aus Plastik, die ein Fach für Geldscheine hat und eines für ein bis zwei Karten, zum Beispiel EC-Karte und Führerschein. Drückt man auf die eine Seite der Box, dann geht sie auf, und ebenso kann man sie auch einfach wieder zusammen klappen. Angeblich hält der Verschluss 1 Million Mal Auf- und zu durch. Das wären (bei 20 Mal täglich Öffnen und Schließen) mehr als 100 Jahre. Kleingeld: Nein. Personalausweis: Nein. Kundenkarten: Nein. Passt gut in eine der Vordertaschen, wo es schwer ist, etwas zu entwenden, und außerdem stört die kleine Box da nicht. Für abends weggehen ideal, denn mehr braucht man nicht. Auch für nachmittags mal in die Stadt gehen. Oder… eigentlich kann man sich fast immer einschränken, denn muss man immer 10 verschiedene Treue- und Bonuskarten, Kreditkarten, Quittungen der letzten Einkäufe etc. dabei haben?

Nette Idee. Hätte ich gerne schon früher gehabt.

Geschäftsidee: Die Tochter in Second Life aufspüren

Noch ist Second Life etwas für die Early Adaptors. In spätestens 10 Jahren werden die Kids aber ihre Zeit in der virtuellen Realität verbringen, und da Gefühle dort genau so real sein können wie in der richtigen Welt, nützt es nichts mehr, mit dem Schwert ums Haus zu laufen, um die eigene Tochter vor bösen Jungs zu beschützen. Stubenarrest nützt da wenig. Computerverbot vielleicht, aber wie soll das funktionieren, wenn der Computer und das Internet für die Erfüllung der Schulpflichten unerlässlich sind?

Meine Idee: Aufpasser für virtuelle Welten. Ich eröffne eine Agentur für Eltern, die wissen wollen, was ihre Kinder in der virtuellen Welt so tun. Das kann man auch erweitern: Ehefrauen werden Detektive anheuern müssen, die sich in der virtuellen Realität auskennen, um die Untreue ihres Partners aufdecken zu lassen.

Schwachsinn? Wir werden sehen :-)

Web 2.0: Das Buch

Ich hatte darauf verwiesen, dass ich in der nächsten Zeit hier wenig werde schreiben können, was unter anderem daran liegt, dass ich gerade an den letzten Zeilen eines Buches schreibe. Das Buch wird voraussichtlich im Oktober 2006 bei Hanser erscheinen.

Alte Druckkunst

Da ich mich momentan zwischen zwei Jobs bewege (eigentlich der einzig wirklich erholsame Urlaub, wenn man sich keine Gedanken macht, was die Kollegen im Büro gerade treiben), konnte ich die Zeit heute für einen Bummel durch die Hamburger Innenstadt nutzen. In der Thalia-Buchhandlung an den Großen Bleichen gibt es eine Ausstellung des Museums der Arbeit, bei der gezeigt wird, wie auf alten Druckmaschinen gedruckt wurde. Abgesehen davon, dass man sich dort kostenlos ein Lesezeichen mit den Namen der Liebsten drucken lassen kann, fiel mir auf, dass auf den Schubladen der Setzkästen die Namen der heutigen Schrifttypen standen; der Schriftsetzer erzählte mir auf Nachfrage, dass Futura und Bodoni keine Erfindungen der Computerzeit seien, sondern schon ziemlich viele Jahre auf den Buckel hätten. Böse Wissenslücke.

Die Futura stammt aus dem Jahr 1928, Bodoni ist gar aus dem 18. Jahrhundert. Dass die Größe in pt angegeben wird, hat auch nichts mit Pixel zu tun (wie ich bisher dachte), sondern mit einer alten Maßeinheit. Warum denken Computernerds wie ich immer, dass es so etwas vor der Erfindung des Computers nicht gegeben hätte?

Der freundliche Schriftsetzer hat mir auch gleich noch ein paar andere Fragen beantwortet, zum Beispiel Zeichenabstände, was Microsoft Word alles nicht kann, und so weiter. Bis zum 26. August kann man die Damen und Herren des Museums dort besuchen.

Das letzte Mal

Das powerbook_blog bezeichnet so einen Tag wie heute als Das letzte Mal-Tag, und nachdem er so einen Tag Ende Juli hatte, so hatte ich ihn heute. Das letzte Mal das Büro aufgeschlossen, das letzte Mal mit den Kollegen zusammen Mittag gegessen und danach einen Espresso getrunken, das letzte Mal eine Bionade aus dem Kühlschrank gezogen, das letzte Mal… und dann ein komisches Gefühl im Magen, wenn man das Gebäude zum letzten Mal verlässt und sich dann erinnert, wie es damals war, als man das erste Mal dort ankam.

Gerade an der Tür…

…klingelte ein Vorwerk-Vertreter und fragte mich, ob meine Eltern da wären.

Ich bin 34 Jahre alt, habe bereits einige graue Haare und hätte eigentlich gedacht, dass ich alt genug wäre, um einen Vorwerk-Staubsauger zu kaufen. Anscheinend gehöre ich aber leider nicht zur Zielgruppe.

Meine Oma hatte sich jedes Jahr einen neuen Vorwerk aufschwatzen lassen, so dass meine Ma das alte Modell “erbte”. Und diese Staubsauger konnten Jahrzehnte ohne Probleme überleben, nichts konnte einen Vorwerk Kobold zerstören. Ich bin also der Marke Vorwerk durchaus positiv gegenüber eingestellt. Und genau jetzt benötigten wir auch einen Staubsauger. Schade.

Moleskine: Ideenbegräbnis erster Klasse

Ich bin ein Fan der sündhaft teuren Moleskine-Notizbücher, auch wenn ich die Sinnhaftigkeit manchmal hinterfrage. Dies hat auch das Magazin der Süddeutschen getan. Denn der wahre Zweck, so der Autor Tobias Kniebe angesichts der Ergebnisse einer Selbstversuch-Langzeitstudie, bestünde in der Pflege des Gefühls, seine Aphorismen, Bonmots und Ideen an einem wertvollen Ort geborgen zu haben, der ihrer einzigartigen Qualität entspricht. Ist es dann vollgeschrieben, wandert es ins Regal (ästhetisch ansprechender als Ringblöcke mit teilweise losen Blättern), wo es nie wieder angeschaut würde (hier kann ich dem Autor wiedersprechen, ab und zu sehe ich dort nach). Kniebes Schlußfolgerung: Das Moleskine schützt die Welt genau vor jenem Tiefsinn, mit dem man sonst seine Mitmenschen nerven müsste, und es schließt gerade die peinlichsten Geistesblitze sicher weg: Ein kleiner Giftschrank mit pietätvollen schwarzen Deckeln, ein Ideenbegräbnis erster Klasse.

Womit Herr Kniebe auf jeden Fall Recht hat: Wenn man eine Idee über einen längeren Zeitraum verfolgt, so kann sie sich über mehrere Moleskines hinwegstrecken, und das macht das Wiederauffinden und Weiterverarbeiten der Idee nicht einfacher…

Lust und Unlust des Programmierens

Ich glaube, es gibt zwei Arten von Problemen beim Erstellen eines Programmes:

  • Der erste Fall macht das Programmieren so spannend, er erinnert an das Lego-Spielen als Kind: Es gibt ein Problem, und man “bastelt” am Algorithmus, um das Problem zu lösen.
  • Der zweite Fall ist der Krampf schlechthin: Man weiss, wie der Algorithmus funktionieren sollte, aber die Programmiersprache der Wahl ist zickig und akzeptiert die Parameter nicht so wie sie übergeben werden und so weiter. Ungefähr so als ob man was mit Fischer-Technik bauen wollte, und dann passen die Teile nicht zusammen.

Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass man ein Anführungszeichen in RealBasic mit einem Anführungszeichen quoted? Ich nicht, und es hat mich mehr als 1 Stunde gekostet dies herauszufinden. Und warum ist das Benutzerhandbuch einer 400 Dollar-Software so schlecht, dass man alles in Foren nachlesen muss?

Was ist aus Paul Hardcastle geworden?

Es ist zu heiss als dass ich schlafen könnte, und angeregt durch eine Chart-Seite, habe ich angefangen, meine Musik in iTunes etwas zu sortieren. Ich habe Playlisten für verschiedene Jahre erstellt, angefangen bei 1983 (obwohl ich schon früher Platten gekauft hatte).

Viele Fragen haben sich aufgetan. Zum Beispiel was aus Paul Hardcastle (”NananaNineteen”) geworden ist. Oder aus Harold Faltermeyer. Was war an Moonlight Shadow so toll (ich sehe mich noch im Freibad aufhorchen, als auf dem Handtuch nebenan ein Ghettoblaster stand, aus dem das Lied von einer Kassette dudelte)? Was macht Jennifer Rush (”Destiny”), der Traum meiner Pubertät, heute (wer sich seine Erinnerung verderben möchte, der mag eventuell Jennifer Rushs Homepage besuchen)? Warum finden sich in meiner Single-Sammlung Peinlichkeiten wie “Woodpeckers from Space” von den Video Kids?

Wo ist die Zeit hingegangen?