Braun Atelier – Hifi aus den 80ern


 

Ich habe noch keinen Minimalismus-Bericht für den September abgegeben, aber eine Anschaffung aus dem September ist oben zu sehen, verschiedene Komponenten einer Braun Atelier-Anlage. Hintergrund ist, dass ich manchmal gerne in Ruhe etwas auf den Kopfhörern hören möchte, das aber nicht möglich ist, wenn gerade ein Film geschaut wird, da dafür derselbe Verstärker genutzt wird. Ich wollte aber nicht wieder viel Geld für eine neue Anlage ausgeben, zumal heutige Geräte alles können, aber nicht das, was ich brauche. Unser NAD c700 zum Beispiel ist wirklich toll, allerdings hat er keinen Kopfhörerausgang. Ja, man könnte die Airpods da anschließen, aber wie oben schon gesagt, wenn da eh ein Film drauf geschaut wird, nützt mir das nix. Also habe ich mich auf die Suche nach etwas Gebrauchtem gemacht.

Die Braun Atelier-Anlage ist mir deswegen ins Auge gefallen, weil auch sie ein Klassiker ist. Ich weiß nicht, wie viel Einfluss Dieter Rams auf das Design dieser Anlage hatte, sie sieht auch sehr nach 80er Jahre aus und nicht so zeitlos wie vieles andere aus seiner Hand. Allerdings passt die Anlage ganz genau auf ein Vitsoe 606 Holztablar mit der 36er Tiefe. In den 80ern sah man diese Anlage nur in Filmen bei Wohlbetuchten, die Eltern meiner Freunde hatten keine solche Anlage. Es gab sie in schwarz und in einem hellgrau, das damals sehr untypisch war für Stereoanlagen. Das Besondere war, dass man keine Kabel sah, weil diese hinten durch Klappen abgedeckt wurden. Auch der Ständer und der Kabelschlauch auf dem Foto unten zeigen die Schlichtheit, die durch dieses Konzept ausgestrahlt werden soll.

Ein weiteres durchdachtes Detail ist, dass die Funktionen, die man häufig benötigt, sofort erreichbar sind, besondere Funktionen wie zum Beispiel Dolby beim Kassettendeck sind versteckt.

Die Suche nach einer gebrauchten Anlage gestaltete sich schwierig. Da vielen Verkäufern bewusst ist, dass ihre Eltern ein Vermögen für die Anlage ausgegeben hatten, versuchen sie nicht selten vierstellige Summen dafür zu bekommen. Das funktioniert nicht, zumindest nicht bei mir.

Ich habe daher erst einmal “klein” angefangen mit dem Receiver R1, dem Kassettenrekorder C2 (beides auf dem Foto oben) sowie einem Plattenspieler P2 (nicht auf dem Foto). Der Braun P2 ist ein Halbautomat ohne Quartzlaufwerk und gilt als Anfängermodell zwischen dem P1 und P3. Um ein Gefühl zu geben, was die Komponenten damals gekostet hatten:

  • R1: 1.250 DM (1981, heute ca. 1.430 Euro)
  • C2: 1.300 DM (1982, heute ca. 1.400 Euro)
  • P2: 800 DM (1982, heute ca. 860 Euro)

Mit der Anlage bekam ich ein paar Lautsprecher, leider nicht original Braun, aber sehr gute CANTON GLE60, die leider sehr zerkratzt waren. Bei der Anlage kratzten die Potis. Eine Rückklappe fehlte. Der Klang ist allerdings super, bis auf ein Brummen im Ruhezustand. Die Anlage war komplett überholt worden. Die Komponenten sind übrigens superschwer, ich konnte sie kaum alleine tragen. Und das, was man ganz oben auf dem Foto sieht, hätte ich niemals angehoben bekommen.

Wenig später bekam ich den Plattenspieler P4 angeboten, Vollautomat mit ein paar witzigen Features, zum Beispiel dass man die Nadel bewegen kann ohne den Deckel hochzunehmen. Der Plattenspieler wurde von 1984 bis 1990 verkauft und kostete bis zu 1.550 DM, heute ca. 1.400 Euro. Den P2 bin ich innerhalb von zwei Tagen losgeworden.

Und dann gab es noch einen günstigen CD4, Neupreis über 2.000 DM aus dem Jahr 1986, den ich gebraucht gekommen habe. Der CD-Player ist auch heute noch oberste Kategorie. Sowohl beim P4 wie auch beim CD4 sieht man übrigens, dass der Einschaltknopf nicht mehr grün ist, sondern schwarz mit einem grünen Ring.

Meine Anlage, wie sie auf dem Bild ganz oben zu sehen ist, hätte nach heutigen Maßstäben nach Inflation etc also knappe 6.000 Euro gekostet. Verrückt, oder? Bezahlt habe ich nun mit Kaufen und Verkaufen von Komponenten 780 Euro. Viel Geld für eine alte Anlage, aber vom Klang her muss sie sich nicht hinter dem NAD c700 verstecken. Sie kann nicht streamen, aber dafür ist sie sofort nach dem Einschalten bereit (anders als der NAD, den ich nie auf Standby habe). Schwierig ist es übrigens auch noch, alte Handbücher zu bekommen. Es gibt sie nicht zum Download, stattdessen werden sie teuer auf eBay oder als Kopie angeboten.

Momentan suche ich noch einen Braun A2, einen Verstärker, um den R1 zu ersetzen. Der R1 hat keinen CD-Eingang, den A2 gibt es in zwei Varianten, einmal mit zwei Phono-Optionen auf der Vorderseite, einmal mit Phono- und CD-Option. Genau diese Variante suche ich.

Warum kaufen wir Bücher? Ein Plädoyer für öffentliche Bibliotheken


 

Bitte nicht falsch verstehen. Ich liebe Bücher. Ich liebe es, Bücher zu lesen. Ich habe Tausende von Büchern gelesen, und das ist keine Übertreibung. Die Frage ist nicht, warum man Bücher liest, sondern warum man sie kauft. Zugegebenermaßen eine seltsame Frage von einem Buchautor, der damit auch noch etwas Geld verdient, wenn auch nicht viel.

Vor mehr als zehn Jahren hatte ich einen Artikel gelesen, in dem es hieß, dass die Anzahl der Bücher in Ihrem Haus mit der Intelligenz der Kinder korreliert. Damals hatten wir etwa 1.000 Bücher im Haus. Und wir kauften noch mehr Bücher. Jedes Buch, das ich interessant fand, kaufte ich, denn wenn ich das Buch kaufe, so theoretisch der Gedanke, lese ich es und lerne. Leider interessiere ich mich für sehr viele Themen. So habe ich viele Bücher gekauft, die ungelesen im Regal gelandet sind. Man lernt nicht allein dadurch, dass man ein Buch gekauft hat. Und obwohl man argumentieren könnte, dass zumindest die Besucher von der riesigen Anzahl von Büchern in unserer Bibliothek beeindruckt sein könnten, ist das wahrscheinlich der unwichtigste Grund, warum man Bücher kaufen möchte. Auch wenn es einen Zusammenhang zwischen Büchern und der Intelligenz von Kindern zu geben scheint, reicht es nicht aus, Bücher zu haben.

Schlimmer noch, all die ungelesenen Bücher gaben mir jedes Mal ein schlechtes Gewissen, wenn ich sie sah. “Oh ja, das wollte ich lesen. Ich sollte es so bald wie möglich lesen, aber jetzt habe ich keine Zeit.” Diese ungelesenen Bücher waren zum Zeugen meiner Impulskäufe geworden. Ich empfand sie als Ballast. All diese Erinnerungen daran, was man tun sollte oder bereits getan haben sollte, umgeben einen. Oberflächlich betrachtet ist man vielleicht stolz, wenn ein Besucher über die Anzahl der Bücher staunt, die man besitzt, aber in Wirklichkeit fühlt man sich schuldig, weil man nur so tut, als ob. Die Dinge, die man besitzt, besitzen einen selbst, dieser Spruch aus Fight Club gilt auch hier.

Auf der anderen Seite, ist eine eigene Bibliothek, so klein sie auch sein mag, nicht auch ein Ort der Entdeckungen? Ein Ort, in dem man ein Buch findet, das man vor einiger Zeit gekauft hatte, weil es einen interessierte, und das einen nun inspirieren konnte? Ist es nicht sogar vollkommen ok, eine Bibliothek voller Bücher zu haben, die man noch nicht gelesen hat?

Aber, alle diese Bücher waren Geld. Einige dieser Bücher waren ein paar Jahre nach dem Kauf wertlos, ich habe auf einem Gebrauchtbuchmarkt keinen Cent für sie bekommen. Sie waren relevant, als ich sie gekauft hatte, aber sie sind es nicht mehr, zum Beispiel Bücher über bestimmte Technologien oder Bücher von Politikern usw. Als ich den größten Teil dieser Büchersammlung kaufte, hatte ich viel weniger Geld als jetzt. Das hat meinem Bankkonto geschadet. Ich hätte diese Buchkäufe als eine Investition in meine Zukunft betrachten können. Aber die meisten davon haben sich nicht ausgezahlt (einige Bücher allerdings schon).

Heute, mit digitalen Büchern, ist es noch schlimmer. Vielleicht sehen wir die ungelesenen Bücher nicht jeden Tag, weil sie irgendwo auf unserer Festplatte liegen. Aber von Zeit zu Zeit erinnern wir uns an sie.

Als ich ein Kind und ein Teenager war, hatte ich eine andere Beziehung zu Büchern. Wir hatten kein Geld, um viele Bücher zu kaufen. Aber ich hatte einen Bibliotheksausweis. Und ich verbrachte einen Großteil meiner Zeit in der Bibliothek. Dort gab es Bücher, Schallplatten, Kassetten, Musiknoten und Videos. Ich bin mir nicht sicher, wann und warum ich diese Verbindung zur Bibliothek verloren hatte. Vor kurzem habe ich die öffentliche Bibliothek wiederentdeckt:

  • Wir müssen wieder zu bewussten Entscheidungen zurückkehren. Nicht jeder Wunsch, den man hat, nicht jedes Buch, das man sieht, muss am nächsten Tag im Briefkasten sein.
  • In Hamburg zahle ich 40 € pro Jahr für einen Bibliotheks-Ausweis und kann so viele Bücher ausleihen, wie ich will (vielleicht nicht auf einmal, aber ist man wirklich in der Lage, 10 Bücher innerhalb von 4 Wochen zu lesen?) Man bekommt in einer Bibliothek nicht alles, was man lesen will, aber ich immerhin mindestens 95 % der Bücher, die ich lesen will. Man kann auch einen Antrag auf Erwerb eines Buches stellen. Aber man muss Geduld haben. Es kann sein, dass jemand anderes das Buch, das man lesen will, gerade ausgeliehen hat. Aber warum sollte ein Buch so wichtig sein, dass man es sofort benötigt?
  • Unsere Bibliothek bietet auch digitale Bücher und Zeitschriften an, ohne dass zusätzliche Kosten anfallen. Das ist sehr praktisch, und manchmal kann man sogar sofort etwas lesen.
  • Wenn man Kinder hat: Wir haben in der Vergangenheit viele Bücher für unsere Kinder gekauft (Bücher können doch nicht schlecht sein, oder?). Einige Bücher will man vielleicht immer noch kaufen, weil sie über mehrere Jahre hinweg häufig gelesen werden (Die Raupe Nimmersatt ist auch nach 100-maligem Lesen noch ein Lieblingsbuch). Aber viele andere Bücher sind nicht so wichtig. Für die Kinder zahle ich 3 € pro Jahr, und ich könnte ihnen wahrscheinlich sogar keine Karte besorgen und nur meine Karte benutzen. Aber ich wollte, dass sie eine Bibliothek selbst erleben mit ihrer eigenen Karte. Als wir das erste Mal in die Bibliothek gingen, war das für sie wie ein Paradies. Wir verbrachten Stunden in der Bibliothek. Und das tun wir auch heute noch.
  • Welche der Bücher, die Ihr gelesen habt, würden Ihr wieder kaufen? Mit welchen Büchern verbindet Ihr eine wichtige Erinnerung?

Letzten Endes geht es um bewusste Entscheidungen. Wir können alles kaufen, was wir wollen, und bekommen es am nächsten Tag geliefert, mit Amazon Kindle oder PDFs sogar noch im selben Moment. Alles ist nur einen Klick entfernt. Aber auch Bücher können Unordnung schaffen, wenn sie ohne wirklichen Bedarf gekauft werden. Der Bedarf kann natürlich sein, einen Ort zu haben, indem man alte Käufe wiederfindet. Eine öffentliche Bibliothek aber hilft, langsamer zu werden und weniger Geld auszugeben. Und wenn man sich in ein Buch verliebt und es immer wieder lesen will, kann man es immer noch kaufen.

Dieter Rams, Vitsoe, das 606-Regalsystem und SDR+


 

Vor 10 Jahren hatte ich ein 606-Regal gekauft, das legendäre Regal von Dieter Rams, das er 1960 entwickelt hatte. Daher übrigens auch der Name, die ersten beiden Ziffern eines Rams-Möbelstücks zeigen das Entstehungsjahr. Seit dem Kauf des Regals und der Beschäftigung mit der Arbeit von Rams bin ich ein großer Fan, auch weil ich seinen Wahlspruch “Weniger, aber besser” sowie seinen frühen Fokus auf Nachhaltigkeit (bereits in den 1970er Jahren dachte er über die Auswirkungen unseres Verbrauchs nach) bewundere. Seine 10 Thesen zu gutem Design (auch als Buch erhältlich) sind heute noch aktuell. Kein Wunder, dass auch Apple öfter Dieter Rams “zitierte”, sei es beim iPod, bei dem iMac und anderen Produkten.

Doch zurück zum 606. Dadurch, dass das Regal seit über 60 Jahren produziert wird, mit leichten Anpassungen, kann es jederzeit erweitert, Teile ausgetauscht oder ergänzt werden. Das Design ist zeitlos, es ist funktional, und es ist je nach Lebenssituation konfigurierbar. Und das hatte ich auch über die Jahre getan. Ähnlich wie bei USM-Möbeln, die es auch schon seit Jahrzehnten gibt, steigert sich der Wert des 606 auch mit der Zeit. Nur mit dem Unterschied, dass ich bei USM-Möbeln in der Wohnung den Eindruck hätte, dass ich in einer Rechtsanwaltskanzlei wohne 🙂

Allerdings ist das mit der Erweiterbarkeit nur die halbe Wahrheit. Denn 1995 hatte die Firma SDR+ (System Dieter Rams, das Plus stand für Erweiterung) die Lizenz für den Vertrieb der Rams-Regale in Europa, musste sie aber zum Jahreswechsel 2012/2013 an Vitsoe abgeben. Warum die Lizenz für die Rams-Möbel überhaupt zu SDR+ kam, keine Ahnung. Der Grund für die Vergabe der Exklusivlizenz an Vitsoe: Rams war anscheinend nicht glücklich mit der Farbwahl mancher SDR+ Regale, denn sein von Beginn an in “Lichtgrau” gehaltenes Regal gab es nun auch komplett in “Reinweiß” und anderen Farben. Aus dem Lichtgrau wurde dann 2001 Grauweiß (RAL 9002). Das Grauweiß beiße sich nicht mit anderen Farben und sei daher neutraler als das Reinweiß. Angeblich sei auch der Tisch 621 in Grauweiß gehalten, aber wie man auf dem folgenden Foto sehen kann, sieht das nicht unbedingt gleich aus:

(Übrigens ist es besser, das Metalltablar nach unten zu packen und das Holztablar nach oben, anders als auf dem Foto.) Allerdings, hält man den Tisch dann genau an das 606, dann ist es tatsächlich dieselbe Farbe. Es scheint, dass das Material das Licht anders reflektiert. Auch die Tablare scheinen früher Lichtgrau gewesen zu sein, wie man auf dem folgenden Foto sieht:

Auch ist die Aufhängung etwas anders, was bei alten Tablaren sehr nerven kann, denn wenn in dem E-Profil eine Schraube ist, dann kann ich diese alten Tablare dort nicht einhängen.

Die neuen Tablare:

An unserer Wand hängt ein SDR+. Nicht das von dem Foto oben. Auf Fotos ist der Unterschied eh kaum zu erkennen, siehe zum Beispiel mit einem SDR+ 606, einem Vitsoe 606 und dem 621 Tisch:

Mit etwas weniger Licht sieht man den Unterschied deutlicher:

Und wenn man bei eBay oder sonstwo nach dem 606 sucht, dann sollte man sehr vorsichtig sein, denn die Verkäufer wissen meistens nicht, was sie haben, Vitsoe oder SDR+, weiß oder lichtgrau. Die Version von SDR+ ist nicht mehr neu käuflich zu erwerben, mit etwas Glück findet man noch etwas irgendwo im Netz, aber eher selten. Woher ich das weiß? Einer meiner Söhne ist auf ein Metalltablar des 606 gestiegen, und leider war es dann doch zu viel, so dass das E-Profil, an dem die Tablare hängen, gebrochen und von der Wand gerissen ist. Das soll nicht heißen, dass das 606 unsicher sei. Wer auf einem 90 cm-Tablar einige Kunstbände hat, auf das dann noch ein Kind von mehr als 10 Kilo steigt, dann kann es halt mal schnell so aussehen:

Zum Glück ist dem kleinen Vandalen nichts passiert, so ein E-Profil kann man auch locker nachkaufen, nur das verbogene Tablar, nun ja… das gibt es eben nicht mehr. Entweder kauft man ein lichtgraues von Vitsoe und lässt es umlackieren, was ein Vermögen kostet, oder man muss eben anderweitig eines finden. Was wie gesagt eben nicht so einfach ist. Und so sind diejenigen, die zwischen den 1990ern und Anfang der 2010er Jahre ein Rams-Regal gekauft haben, nicht ganz so nachhaltig unterwegs. Buchstützen von Vitsoe? Passen leider nicht zum SDR+ Regal.

Würde ich dennoch wieder ein 606 kaufen? Ja. Denn am Ende des Tages gibt man mehr Geld aus, wenn man was Günstiges kauft, als wenn man gleich etwas Gutes, aber dafür eben auch etwas Teureres kauft. Und die Flexibilität, die man mit diesem Regal hat, ist unübertroffen. Und wer einmal etwas bei Vitsoe gekauft hat, wird kaum woanders einen so guten Service finden. Alles ist durchdacht, alle sind superfreundlich, und selbst für den Aufbau ist alles vorhanden, sogar die passenden Bohrer.

Heute noch erhältlich sind von Rams Möbeln bei Vitsoe neben dem 606 der Sessel 620 und und der Tisch 621, beide aus dem Jahr 1962. Bei anderen Möbeln ist das nicht der Fall, zum Beispiel

  • der Schreibtisch 57/570,
  • der Stuhl 601,
  • die Garderobe 610,
  • das Liegenprogramm 680,
  • das Schiebetürsystem 690
  • das Korpusprogamm 710
  • das Satztischprogramm 010
  • sowie die Garderobe 030 von 2003.

Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe war bis vor Kurzem das Büro von Dieter Rams zu sehen, das er als Professor an der Hochschule für bildende Künste Hamburg hatte. Dort sind Hocker zu sehen, für die ich die Nummer nicht kenne. Auch gab es viele Objekte von ihm im Bereich Design zu sehen, leider wurde dieser Bereich extrem dezimiert, so dass sich ein Besuch nicht mehr lohnt. Wer mehr über Dieter Rams erfahren möchte: Bei Kickstarter hatte ich den Film über Rams von Gary Hustwitt mitfinanziert, leider war ich zu knauserig, um ein Paket mit Erwähnung im Abspann zu bezahlen. Dafür habe ich aber den Regisseur Hustwit im Hamburger Savoy-Kino die Hände schütteln können. Eigentlich hatte er dort keine Aufführung des Films geplant, aber irgendjemand hatte sich so sehr dafür eingesetzt, dass es auch in Hamburg ein Screening gab.

Ansonsten existieren einige Bücher von und über Rams und sein Werk, zum Beispiel das Werkverzeichnis, das Buch “So wenig Design wie möglich”, “Weniger, aber besser” und “Less and more: The Design Ethos of Dieter Rams”.

Andrea Mastroni


 

Die Serie der Berliner Philharmoniker über die Goldenen 20er begann mit einer Symphonie von Weill und Oedipus Rex von Strawinsky. Und hier war der Bass Andrea Mastroni zu sehen und zu hören. Tatsächlich hatte ich ihn schon mal in Hamburg live gesehen, und zwar in der von mir nicht wirklich gemochten neuen Inszenierung der Zauberflöte:

Der Bass hat eigentlich Klarinette gelernt und scheint ein Faible für Gothic-artige Ästhetik zu haben:

Sehr zu empfehlen ist sein Album Melancholia, aus dem auch das folgende Stück stammt:

 

Live Aid 1985: Der 5. Mann von Queen


Diesen Ausschnitt von Live Aid vom 13. Juli 1985 habe ich bestimmt mehr als 100 Mal gesehen. Und nicht ein einziges Mal wahrgenommen, dass darin ab und zu der 5. Mann von Queen zu sehen war.

Queen und 5. Mann? Sein Name ist Spike Edney, und er ist heute noch mit dem Rest von Queen auf Tour. Angeblich war er sogar auf Adam Lambert aufmerksam geworden und hatte Roger Taylor den entscheidenden Tipp gegeben.

Natürlich hatte ich mich schon 1985 gefragt, wer den Synthesizer auf Radio Gaga spielt und den Vocoder bedient. Irgendjemand hinter der Bühne halt. Aber wenn man genau hinschaut, dann sieht man Spike Edney mehrere Male bei diesem Auftritt:

In all den Jahren war mir Spike Edney nie aufgefallen, ich dachte immer, das wäre nur ein Bühnenmixer, und die Instrumente vor ihm waren vielleicht von dem vorherigen oder den nächsten Act. Aber die Film-Crew hatte auch alles dafür getan, ihn so wenig wie möglich auf die Mattscheibe zu kriegen. Schließlich war er nur da, um den Sound zu ergänzen. Ein paar Monate zuvor, bei Live in Rio, wurde er prominenter eingebunden:

Erst später bei anderen Aufzeichnungen wird klar, dass er auch Background gesungen hat, was erklärt, warum es immer nach mehr als “nur” Mercury und Taylor und manchmal May geklungen hatte. Heute steht Spike Edney zum Teil ganz normal mit auf der Bühne, zum Beispiel hier bei ’39 im Hintergrund mit dem Mini-Keyboard:

Das bedeutet nicht, dass man ihn tatsächlich als 5. Mitglied sehen muss, denn so viele Touren gab es nach Live Aid nicht mehr, und nur da war er dabei. Allerdings war er bei Roger Taylors Soloprojekt “The Cross” festes Mitglied.

Der Live Aid-Auftritt von Queen gilt als einer der besten des Festivals und von Queen selbst. Es fühlt sich an, als würde man nach all den Jahren plötzlich einen Geist sehen können, der immer dar war und Queen zu dem Sound verholfen hatte, den sie ohne ihn nicht hätten haben können. Ein seltsames Gefühl.

Cold Song – Purcell/King Arthur – 6 Versionen


Der Cold Song heißt eigentlich What Power art thou und ist eine Arie aus dem 3. Akt der Oper King Arthur von Henry Purcell. Das erste Mal wahrgenommen habe ich die Arie von Klaus Nomi, der sie kurz vor seinem Tod live aufnahm:

Eigentlich wird die Arie ein paar Oktaven tiefer gesungen, zum Beispiel so:

Es gibt auch eine wunderschöne Aufnahme mit deutschem Text von Nanette Scriba, wobei diese Aufzeichnung etwas verzerrt ist:

Eine etwas neuere Aufnahme stammt aus Deutschland von der Staatsoper Berlin, sehr langsam gespielt:

Eine Interpretation mit einer Kinderstimme:

Und zum Schluss eine etwas freiere Interpretation mit Steampunk-Charakter:

Zugabe (ich finde diese Version nicht so schön, aber es ist eben eine eigenwillige Interpretation der Sängerin):

Weder schwarz noch weiß – Oder was die Zauberflöte heute noch zu sagen vermag


Vorab: Ich war ein großer Verehrer der Achim Freyer-Inszenierung der Zauberflöte an der Hamburgischen Staatsoper, die bei ihrer Premiere 1982 neben Applaus auch Buhrufe bekam. Diese Inszenierung war aufgrund ihrer Verspieltheit nach über 30 Jahren gefühlt immer noch modern, und ich habe sie bestimmt ein Dutzend Mal gesehen. Die Interpretation, dass Tamino alles geträumt haben könnte und sich deswegen zum Schluß selbst beobachten kann, fand ich zwar stets eigenwillig, aber die Bilder Freyers waren einfach wunderschön.

Die Zauberflöte hat für die Hamburgische Staatsoper vielleicht eine besondere Bedeutung, schließlich war sie das erste Stück, das 1955 nach dem Wiederaufbau des Opernhauses gegeben wurde. Zudem existiert eine DVD mit einer von Peter Ustinov in den 60er Jahren in Hamburg inszenierten Aufführung, die wahrscheinlich die Brücke zwischen der Wiedereröffnung und der Freyer-Inszenierung bildete.

Und auch für mich hat die Zauberflöte eine besondere Bedeutung. Jedes Mal, wenn ich mich mit ihr beschäftige, entdecke ich etwas Neues darin. Und sobald ich die Möglichkeit habe, eine Inszenierung zu sehen, versuche ich alles dafür zu tun, diese Möglichkeit Realität werden zu lassen. Ich habe schon einige Inszenierungen gesehen, von einer ganz klassischen in der Semper-Oper über eine wunderbare Produktion der HfMT bis zu einer John Dew-Inszenierung in Bielefeld, wo er den Tempel Sarastros in ein Computerlabor verwandelte.

Buhrufe wie die Freyer-Produktion bekam 34 Jahre später auch die neue Inszenierung von Jette Steckel. Wahrscheinlich hätte jede neue Inszenierung zu Buhrufen geführt, denn schließlich hatte man die alte Inszenierung liebgewonnen, sie war ein steter Begleiter durch viele Jahre. Jette Steckel hatte es also nicht einfach. Und ich habe zwei Jahre gebraucht, um mich in die neue Inszenierung zu wagen. Die Licht-Installationen sind faszinierend und stimmten mich zunächst mehr als versöhnlich, doch gleich zu Beginn fand ich das verkürzte Libretto verstörend. Kein Wunder, dass die Staatsoper in drei Stunden fertig sein wollte (am Ende war es sogar eine Viertelstunde weniger), und das trotz Pause. Am Text wurde einiges gekürzt, und wenn ich mich richtig erinnere, dann auch an der ersten Arie (“Zu Hilfe”).

Kein Schwarz oder Weiß, kein eindeutiges Gut oder Böse

Und so stehen die Musik und die visuelle Inszenierung im Vordergrund, denn vom Text blieb nicht viel übrig. Stattdessen wurde ein wenig neuer Text hinzugefügt, der zur Anbiederung an das junge Publikum passte. Natürlich darf eine Inszenierung attraktiv für neue Operngänger sein. Vielleicht verlässt man sich aber auch zu sehr darauf, dass der Inhalt vorher in der Schule ausgiebig besprochen wurde.

Denn das Faszinierende an der Zauberflöte, neben der Musik natürlich, der Wechsel von Gut zu Böse und umgekehrt, der kam so nicht heraus. Steht zunächst die Königin der Nacht als die arme, des Kindes beraubte Mutter da, so entpuppt sich später Sarastro als der gute Protagonist, wenngleich nicht ganz, denn auch bei ihm ist nicht alles gut (“Zur Liebe will ich dich nicht zwingen, doch geb ich dir die Freiheit nicht”). In der Einführung zur gestrigen Vorstellung brachte der Herr, der sich nicht vorstellte, auch noch das Beispiel der Gewalt, die er an Monostatos ausführen ließ. Und auch er verwies auf diese nicht eindeutige Polarisierung.

Im Film von Kenneth Branagh, der übrigens auch phänomenal ist, geht die Interpretation sogar so weit, dass Sarastro ein Verhältnis mit der Königin der Nacht hatte, sie aber verließ. Er will sie zum Schluß retten, schafft es aber nicht.

Das Leben ist nicht schwarz oder weiß, und manches ist anders, als man es zunächst vermutet. Doch egal wie ist es ist, man muss an sich selbst arbeiten, um ein besserer Mensch zu werden. So würde ich in zwei Sätzen die Kernbotschaft der Zauberflöte formulieren, und wir sehen dies in allen Charakteren der Zauberflöte. Schaut man sich die Vereinfachung mancher heutigen politischen Problemlösungsansätze an, so wird deutlich, wie relevant die Zauberflöte noch heute sein kann. Es ist nicht einfach, es ist komplex. Und da helfen keine einfachen Antworten. Gerade diese Relevanz zur heutigen Zeit hat Jette Steckel versäumt aufzuzeigen.

Dass die Botschaft, an sich zu arbeiten, aus dem Gedankengut der Freimaurer stammen, liegt nahe, denn sowohl Mozart als auch Schikaneder, der das Libretto lieferte, waren Freimaurer. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass man, wenn man aus dem Foyer der Staatsoper zur Straße schaut, in einem bestimmten Winkel den Eingang einer der über 40 Freimaurer-Logen in Hamburg sieht. Doch von all dem blieb nicht viel übrig in dieser Inszenierung.

Lebenswege und -Richtungen

Die rot leuchtenden Pfeile, die die Protagonisten mit sich herumschleppten, waren stattdessen das vorherrschende Motiv. Wege, die man nimmt, manche sind falsch, manche sind richtig. Und die Lebenswege von Pamina und Tamino, die sich erst am Ende wieder treffen und anscheinend zusammen bleiben, sind eine tolle Idee, wenn man das Leben als Reihe von Prüfungen und einem Labyrinth von falschen und richtigen Entscheidungen versteht. Und doch, wenn wir uns an das Grundmotiv erinnern, kann etwas komplett falsch oder richtig sein? Papageno, der die Prüfungen nicht bestand, einen “falschen” Weg beschritt, dafür aber seine Traumfrau kennen lernte, was ihm wahrscheinlich reichte. Die Pfeile sind somit eine wirklich gute Idee, die eine weitere Facette zur Interpretation hinzufügen. Dafür wurde ihr nur leider etwas anderes Wesentliches genommen.

Ein Zitat aus der “alten” Zauberflöten-Inszenierung meine ich übrigens entdeckt zu haben, nämlich die Hand, die Pamina leitet und umarmt (siehe Foto), nur dieses Mal ist sie aus Licht geformt. Sollte es tatsächlich ein Zitat sein, so ist es eine wunderschöne Idee.

Die neue Aufführung wird nicht meine neue Lieblingsaufführung werden. Und zwar allein wegen der Kürzung des Textes. Ein bisschen kürzen und anpassen, klar, der Schikaneder-Text ist nicht wirklich zeitgemäß.

Es ist schade, dass so radikal und meiner Meinung nach unnötig Inhalt entfernt wurde. Das Spiel mit dem Licht ist faszinierend, viele wirklich tolle Ideen stecken in dieser Inszenierung. Aber wie in der Zauberflöte selbst: Kein eindeutiges “gut” oder “schlecht”.

Übrigens werden anscheinend keine Solisten mehr aus dem Tölzer Knabenchor eingeflogen. Die Jungs gestern stammten aus einem Dortmunder Chor; leider war der Erste Knabe viel zu laut, so dass die anderen beiden Knaben untergingen. Ich habe mich aber schon immer gefragt, ob es in Hamburg keine Kinder gibt, die diesen Part übernehmen können. Auf der DVD der Ustinov-Inszenierung sangen noch Solisten eines Hamburger Chors. Was für die Kids und für die Umwelt sicherlich besser ist, wenn lokale Solisten auf die Bühne kommen.