Braun Atelier – Hifi aus den 80ern


 

Ich habe noch keinen Minimalismus-Bericht für den September abgegeben, aber eine Anschaffung aus dem September ist oben zu sehen, verschiedene Komponenten einer Braun Atelier-Anlage. Hintergrund ist, dass ich manchmal gerne in Ruhe etwas auf den Kopfhörern hören möchte, das aber nicht möglich ist, wenn gerade ein Film geschaut wird, da dafür derselbe Verstärker genutzt wird. Ich wollte aber nicht wieder viel Geld für eine neue Anlage ausgeben, zumal heutige Geräte alles können, aber nicht das, was ich brauche. Unser NAD c700 zum Beispiel ist wirklich toll, allerdings hat er keinen Kopfhörerausgang. Ja, man könnte die Airpods da anschließen, aber wie oben schon gesagt, wenn da eh ein Film drauf geschaut wird, nützt mir das nix. Also habe ich mich auf die Suche nach etwas Gebrauchtem gemacht.

Die Braun Atelier-Anlage ist mir deswegen ins Auge gefallen, weil auch sie ein Klassiker ist. Ich weiß nicht, wie viel Einfluss Dieter Rams auf das Design dieser Anlage hatte, sie sieht auch sehr nach 80er Jahre aus und nicht so zeitlos wie vieles andere aus seiner Hand. Allerdings passt die Anlage ganz genau auf ein Vitsoe 606 Holztablar mit der 36er Tiefe. In den 80ern sah man diese Anlage nur in Filmen bei Wohlbetuchten, die Eltern meiner Freunde hatten keine solche Anlage. Es gab sie in schwarz und in einem hellgrau, das damals sehr untypisch war für Stereoanlagen. Das Besondere war, dass man keine Kabel sah, weil diese hinten durch Klappen abgedeckt wurden. Auch der Ständer und der Kabelschlauch auf dem Foto unten zeigen die Schlichtheit, die durch dieses Konzept ausgestrahlt werden soll.

Ein weiteres durchdachtes Detail ist, dass die Funktionen, die man häufig benötigt, sofort erreichbar sind, besondere Funktionen wie zum Beispiel Dolby beim Kassettendeck sind versteckt.

Die Suche nach einer gebrauchten Anlage gestaltete sich schwierig. Da vielen Verkäufern bewusst ist, dass ihre Eltern ein Vermögen für die Anlage ausgegeben hatten, versuchen sie nicht selten vierstellige Summen dafür zu bekommen. Das funktioniert nicht, zumindest nicht bei mir.

Ich habe daher erst einmal “klein” angefangen mit dem Receiver R1, dem Kassettenrekorder C2 (beides auf dem Foto oben) sowie einem Plattenspieler P2 (nicht auf dem Foto). Der Braun P2 ist ein Halbautomat ohne Quartzlaufwerk und gilt als Anfängermodell zwischen dem P1 und P3. Um ein Gefühl zu geben, was die Komponenten damals gekostet hatten:

  • R1: 1.250 DM (1981, heute ca. 1.430 Euro)
  • C2: 1.300 DM (1982, heute ca. 1.400 Euro)
  • P2: 800 DM (1982, heute ca. 860 Euro)

Mit der Anlage bekam ich ein paar Lautsprecher, leider nicht original Braun, aber sehr gute CANTON GLE60, die leider sehr zerkratzt waren. Bei der Anlage kratzten die Potis. Eine Rückklappe fehlte. Der Klang ist allerdings super, bis auf ein Brummen im Ruhezustand. Die Anlage war komplett überholt worden. Die Komponenten sind übrigens superschwer, ich konnte sie kaum alleine tragen. Und das, was man ganz oben auf dem Foto sieht, hätte ich niemals angehoben bekommen.

Wenig später bekam ich den Plattenspieler P4 angeboten, Vollautomat mit ein paar witzigen Features, zum Beispiel dass man die Nadel bewegen kann ohne den Deckel hochzunehmen. Der Plattenspieler wurde von 1984 bis 1990 verkauft und kostete bis zu 1.550 DM, heute ca. 1.400 Euro. Den P2 bin ich innerhalb von zwei Tagen losgeworden.

Und dann gab es noch einen günstigen CD4, Neupreis über 2.000 DM aus dem Jahr 1986, den ich gebraucht gekommen habe. Der CD-Player ist auch heute noch oberste Kategorie. Sowohl beim P4 wie auch beim CD4 sieht man übrigens, dass der Einschaltknopf nicht mehr grün ist, sondern schwarz mit einem grünen Ring.

Meine Anlage, wie sie auf dem Bild ganz oben zu sehen ist, hätte nach heutigen Maßstäben nach Inflation etc also knappe 6.000 Euro gekostet. Verrückt, oder? Bezahlt habe ich nun mit Kaufen und Verkaufen von Komponenten 780 Euro. Viel Geld für eine alte Anlage, aber vom Klang her muss sie sich nicht hinter dem NAD c700 verstecken. Sie kann nicht streamen, aber dafür ist sie sofort nach dem Einschalten bereit (anders als der NAD, den ich nie auf Standby habe). Schwierig ist es übrigens auch noch, alte Handbücher zu bekommen. Es gibt sie nicht zum Download, stattdessen werden sie teuer auf eBay oder als Kopie angeboten.

Momentan suche ich noch einen Braun A2, einen Verstärker, um den R1 zu ersetzen. Der R1 hat keinen CD-Eingang, den A2 gibt es in zwei Varianten, einmal mit zwei Phono-Optionen auf der Vorderseite, einmal mit Phono- und CD-Option. Genau diese Variante suche ich.

1 Jahr lang nichts kaufen: Juli-Bericht


Der Juli lief ok. Ich war sehr stolz auf mich, dass ich einer Versuchung standhalten konnte und einen Impulskauf nicht getätigt habe, auch wenn es preislich eine gute Gelegenheit war. Mehr als eine Woche habe ich darüber nachgedacht, und es dann zwar doch getan, aber sehr überlegt. Es geht um ein neues Handy, wobei ich ein Flagschiffmodel gegen einige Nummern kleiner getauscht habe. Für mein 1 Jahr altes Telefon habe ich mehr Geld bekommen, als ich für das neue Gerät bezahlt habe. Warum habe ich das getan? Weil ich mit dem Riesenhandy einfach viel Ballast hatte. Und mit einem kleinen Telefon ist es zwar nicht ganz so angenehmn zu schreiben und zu lesen, aber ich versuche eh weniger am Handy zu hängen. Ich hatte versucht, ein gebrauchtes Modell zu finden, war aber nicht erfolgreich. Anscheinend sind kleine Handys doch begehrt. Anstatt 240 Gramm schleppe ich nur noch 140 Gramm mit mir rum (ja, das merkt man), und meine Taschen beulen nicht mehr so aus. Meine Kosten pro Nutzung für das alte Handy liegen bei unter 1 Euro pro Tag, das finde ich fair.

Dann haben wir noch eine Erweiterung für unser Rams-Regal gekauft. Auch hier war es schwer, etwas Gebrauchtes zu finden. Meine Präferenz war, noch mehr auszumisten und dadurch weniger Stauraum zu benötigen, aber so haben wir nun einen Kompromiss gefunden. Dies ist auch ein guter Beweis dafür, dass die Dinge, die wir besitzen, nicht nur ihren eigenen Preis haben, sondern auch Folgekosten. Das Vitsoe 606 ist einigermaßen wertstabil, d.h. die Kosten pro Nutzung sind minimal.

Ansonsten habe ich vieles vereinfacht. Abos beendet. Geschaut, ob ich nicht mit Alternativen leben kann. Netflix ist gekündigt, denn das haben wir eh kaum genutzt. Mein geliebtes Headspace werde ich auch kündigen, denn Apple bietet Meditationen an (wenngleich ich die Musik dabei wirklich schrecklich finde). Ich habe mich von Altlasten getrennt und zum Beispiel meine Domains alle zu einem Hoster gepackt, der günstiger ist. Hinzugekommen sind wieder ein paar gebrauchte Schallplatten, die ich mir weiterhin als Luxus gönnen werde. Aber hier habe ich mir eine monatliche Obergrenze gesetzt, damit es nicht ausufert.