Wird mein Content gelesen? Sichtbarkeit von Elementen messen!

Im September 2017 hatte ich noch darüber geschrieben, dass die Scrolltiefe ein besserer Indikator dafür wäre, ob ein Inhalt gelesen wurde als die reine Sitzungsdauer, die eh Quatsch ist. Einen Monat später veröffentlichte Google dann eine neue Funktion im Google Tag Manager, einen Trigger für die Sichtbarkeit von Elementen (in der deutschen Version der Release Notes fehlte der Hinweis). Damit lassen sich einige Nachteile des Scrolltiefen-Ansatzes kompensieren, vor allem die Einschränkung, dass nicht jede Seite gleich lang ist und “75% gelesen” nicht immer bedeuten muss, dass der Inhalt auch bis zum Ende gelesen wurde (75% wurde deswegen gewählt, weil viele Seiten einen immensen Footer haben und die Nutzer daher nicht zu 100% runterscrollen). Eine Seite bei mir hat so viele Kommentare, dass sie mehr als die Hälfte des Inhalts ausmachen.

Was bedeutet die Sichtbarkeit von Elementen?

Ganz einfach erklärt bedeutet dieses Feature, dass ein Trigger ausgelöst wird, wenn ein Element der Seite auf dem Bildschirm des Benutzers sichtbar wird. Das Element muss nur eindeutig benannt werden können, so dass lediglich dieses eine Element mit diesem Namen den Trigger auslösen kann. Auf meiner Seite möchte ich zum Beispiel wissen, wie viele Nutzer so weit runtergescrollt haben, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit den jeweiligen Text zuende gelesen haben. Wahrscheinlich ist das der Fall, wenn die Nutzer den Hinweis auf die ähnlichen Artikel sehen, die in meinem Blog durch das Plugin YARPP erstellt werden. In den meisten Browsern ist es möglich, ein Element mit der Maus zu markieren und dann mit einem Rechtsklick/CTRL-Klick darauf das Element zu untersuchen, so dass wir dann genau sehen können, wie dieses Element heißt.

Element untersuchen im Browser

Im Tag Manager kann nun dieser Trigger eingerichtet werden, das sieht zum Beispiel so aus:

Sichtbarkeit von Elementen im Google Tag Manager einpflegen

Dazu wird dann noch ein Event eingerichtet, und schon haben wir ein Tracking auf Basis von der Sichtbarkeit eines Elements.

Macht das wirklich einen Unterschied aus?

Ja. Bei meinem Artikel über ein Jahr Erfahrung mit Scalable Capital haben knapp 30% mindestens 75% des Inhalts gelesen, aber knapp 70% haben das YARPP-Element gesehen. Die Seite besteht zu knapp 80% aus Kommentaren (es ist schon erschreckend genug, dass bei dem kurzen Artikel nur 70% das Element gesehen haben). Bei anderen Artikeln fällt die neue Messung der Sichtbarkeit von Elementen im Google Tag Manager nicht so dramatisch aus; so ist der Artikel über meine schlechten Erfahrungen mit dem Vorwerk Thermomix anscheinend zu lang für den Thermomix-Interessenten: 26,1% sehen die YARPP-Empfehlungen, 22,3% scrollen zu 75% runter.

Kann ich die Scrolltiefe jetzt abschalten?

Nein. Natürlich kannst Du tun, was Du willst, aber da die Sitzungsdauer durch das Auslösen von Events genauer wird, wollen wir nicht nur die Zeit derjenigen messen, die es bis zu dem definierten Element geschafft haben, sondern auch die Zeit derjenigen, die vorher, zum Beispiel bei 25% abgesprungen sind. Auch wenn es also auf den ersten Blick so aussieht als ob wir uns 4 Events sparen könnten, sollten wir zur Verbesserung der Datenqualität diese Events drin lassen.

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4 Comments

  1. Hallo Tom,

    schöner Beitrag mal wieder. 🙂

    Ich habe eine Frage: Wir tracken nun die Scrolltiefe sowie ein paar klickbare Elemente wie Buttons im Content etc. Wir lassen allerdings nur die klickbaren Elemente in die Berechnung der Absprungrate bzw. Verweildauer ODER einen Besuch ab mind. 30 Sekunden einfließen. So wird zwar die Scrolltiefe getrackt, fließt aber nicht in die Berechnung der Absprungrate bzw. Verweildauer mit ein.

    Ist das gängige Praxis oder machen wir das grad als einer der wenigen so bzw. gibt es bessere Lösungen? Unser Hintergedanke war, dass wenn wir die Scrolltiefe für die Berechnung der Absprungrate/Verweildauer nehmen, dass wir ein verfälschtes Ergebnis erhalten würden, da einige User einfach schnell runter und hochscrollen bzw. der Above the fold-Teil wahrscheinlich schon 25% einnimmt und dann gleich ab Beginn ein Signal für die Absprungrate abgefeuert werden würde.

    Was ist deine Meinung darüber? Außerdem noch die Frage, ob GTM starken Einfluss auf die Performance einer Website hat?

    Freue mich auf eine Antwort.

    LG Sandro

  2. Hey Sandro,

    was mich interessiert ist die Aussage, dass einige Nutzer “einfach schnell runter und hochscrollen”; habt Ihr das einmal gemessen? Das wäre superspannend zu wissen, wie viel Prozent der Nutzer das bei Dir ausmacht, auch segmentiert nach Mobile und Desktop.

    Ich berechne die Absprungrate extra, also unabhängig von der Scrolltiefe. Ich bin bei Deinem Ansatz etwas unschlüssig, denn bei einer kurzen Seite benötigt man ja vielleicht nicht mal 30 Sekunden; oder hast Du nur lange Seiten? In dem Element Visibility-Trigger gibts auch die Möglichkeit zu sagen, dass dieser erst nach x Sekunden feuern soll. Aber woher weiß man, wann x gut ist? 🙂

    Der GTM hat, wenn er richtig implementiert ist und keine wilden Skripte im Container sind, keinen Einfluss auf die Performance einer Seite. Googles PageSpeed Insights meckert zwar, aber wenn man das über die API abfragt, dann kann man Tracking-Skripte exkludieren. Ich würde also davon ausgehen, dass meine Ex-Kollegen das Vorhandensein von Tracking-Skripten nicht in die Seitenladezeit einbeziehen.

    LG

    Tom

  3. Hallo Tom,

    es ist bisher noch eine wage Vermutung besser gesagt.

    Unsere Hauptseiten, auf der die Besucher über die Suchmaschinen zu 99% landen, sind meist solang, dass man länger als 2 Minuten Lesezeit braucht. Daher haben wir uns für 30 Sekunden bzw. das Tracking auf ein klickbares Element entschieden um die Absprungrate zu messen.

    Wie genaue bemisst du denn die Absprungrate/Verweildauer?

    LG Sandro


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