Wie genau sind die Daten von keywordtool.io?

Nachdem der Google AdWords Keyword Planner nur noch für Konten mit ausreichend Budget granulare Daten ausspuckt, ist die Suche nach Alternativen groß. Rand Fishkin glaubt, dass Google Trends die Rettung sei, hat aber anscheinend nicht verstanden, dass Google Trends normalisierte, indexierte sowie Keyword-erweiterte Daten und keine absolute Zahlen liefert. In einem Punkt aber hat er Recht, auch der Keyword Planner liefert nicht wirklich genaue Daten, wie ich in diesem Artikel festgestellt hatte.

Natürlich ist das eine unbefriedigende Situation. Kein Wunder, dass Alternativen wie keywordtool.io beliebt sind. Doch wie genau sind deren Daten? Denn ich habe keinen Hinweis darauf gefunden, woher sie die Daten haben, und das macht mich zunächst einmal sehr misstrauisch. Woher sollten sie die Daten haben, wenn nicht über die API? Und hier ist der Zugriff limitiert. Auf Initiative meines geschätzten Kollegen Christian habe ich mich dann etwas genauer damit beschäftigt. Zum einen hat er nachgefragt, woher keywordtool.io die Daten hat (darauf gab es keine zufriedenstellende Antwort). Zum andern hat er einen Test-Account besorgt 🙂 Ein erster Vor-Test brachte enttäuschende Ergebnisse, die Zahlen waren komplett anders als die von AdWords. Allerdings war sich der Kollege nicht mehr sicher, ob er die gleichen Einstellungen gewählt hatte wie ich in AdWords, so dass ich den Test dann noch mal alleine durchgeführt habe.

Beim ersten Keyword-Set aus dem Pädagogik-Bereich war die Überraschung nach dem Vor-Test groß: Bis auf wenige Ausnahmen hatten alle Keywords das exakt gleiche Suchvolumen. Die wenigen Ausnahmen bestanden darin, dass keywordtool.io keine Zahlen ausspuckte, der Keyword Planner jedoch schon. Hier handelte es sich aber um lediglich 2 von knapp 600 Keywords. Auch beim zweiten Keyword-Set zum Thema Akne ergab sich dasselbe Bild. Die Suchvolumina passten ganz genau bis auf wenige Ausnahmen. Interessanterweise handelte es sich bei beiden Keyword Sets eher um Themengebiete, die nicht unbedingt durch hohes Suchvolumen auffielen, zum Teil reden wir hier von 20 Suchanfragen pro Monat. Es ist also sehr wahrscheinlich, dass die Google AdWords API hier direkt angezapft wird, anders sind diese genauen Zahlen nicht zu erklären. Das würde auch erklären, warum man nur 10 Sets à maximal 700 Keywords abfragen kann (mehr als 700 Keywords gehen beim Keyword Planner auch nicht, dafür aber mehr als 10 am Tag). Somit wäre keywordtool.io eine gute Alternative… wenn nicht…

Das dritte Keyword Set zeigte dann ein anderes Bild, die Abweichungen sind dramatisch. Anders als bei den bisherigen Keywords reden wir hier von High Volume Keywords wie <gebrauchtwagen>. Leider ist aber kein Muster zu erkennen, wie man schön auf dem Plot sehen kann, bis auf das Muster, dass keywordtool.io immer höher und nie niedriger liegt. Keywords mit hohem Suchvolumen können genau so gut daneben liegen wie Keywords mit geringem Suchvolumen. Es ist auch nicht so, dass es immer die gleiche Abweichung wäre, wir reden von Keywords, wo die Zahlen genau passen, und Keywords, die eine Abweichung vom 16-fachen des von Google berichteten Volumens haben. Es existiert auch keine Reihenfolge in irgendeiner Weise. Die Abweichungen sind komplett zufällig. Und sie sind viel zu groß, als dass man sie ignorieren könnte.

Natürlich wird das viele nicht davon abhalten, keywordtool.io dennoch zu nutzen, schließlich sagt man sich dann gerne “Joa, passt ja meistens” oder “Ist doch besser als nix”. Ob es wirklich besser ist, das stelle ich mal in Frage. Ich würde auf Basis solcher Abweichungen keine Entscheidungen treffen wollen. Da ist dann eher der Keyword Planner die bessere Option, auch wenn er nur gestaffelte Werte abliefert, sofern man nicht ausreichend Budget mitbringt.

Die Daten des dritten Sets stehen übrigens hier in einem R Notebook zur Verfügung.

Filed under: Data Science

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