Shiftphone: Das “faire” Smartphone aus Deutschland

Wir alle verdammen Kinderarbeit und Ausbeutung generell, aber wenn wir uns ein Handy kaufen, dann schauen wir auch gerne mal weg. Wir erheben den Zeigefinger, aber handeln wir auch dementsprechend? Vor kurzem benötigte ich schnell ein neues Handy, und irgendwie dachte ich mir, dass das eine gute Gelegenheit wäre, mal nach fairen Telefonen zu schauen.

Das Fairphone: Cool, aber nicht schnell zu haben

Vom Fairphone hat sicherlich jeder schon mal gehört. Toll daran finde ich, das es so modular gebaut ist, dass man Komponenten einfach austauschen kann. 529€. Das liegt dann wohl ungefähr in der Preisklasse der meisten Smartphones denke ich, wobei ich lange schon keines mehr gekauft habe. Aber für ein Zweittelefon war mir das zu viel. Schlimmer noch: 1 Woche Wartezeit. Damit war das erst mal vom Tisch. Toll finde ich es immer noch. Vielleicht später mal.

Das Shiftphone: Aus Deutschland, schnell geliefert und günstiger Preis

Wenn man nach “Alternative Fairphone” googlet, dann landet man schnell beim Shiftphone. Kleine deutsche Firma, Handy nicht ganz so modular gebaut, aber mit vielen YouTube-Videos, wie man Komponenten austauschen kann. Allerdings, wenn man ehrlich ist, hier ist mehr Basteltalent gefragt als beim Fairphone. Fair ist hier vor allem die Bezahlung und die Behandlung der Arbeiter, außerdem wird kein Coltan verwendet. Man darf das Telefon öffnen und rooten, ohne dass die Gewährleistung verfällt. Interessant der selbstveröffentlichte Bericht und der Vergleich zum Fairphone. Der Familienbetrieb um das Shiftphone vermeidet den Begriff “fair” und sprechen eher von dem “Shift”, der stattfinden muss.

Das 5.3 gibt es für 299€, darin enthalten sind 22€ Gerätepfand, wenn man das Gerät zurück gibt. Lieferzeit 2-3 Tage, tatsächlich war es am übernächsten Tag da. Sehr gut. Die Ausstattung ist ok: Dual-SIM, Gorilla-Glas, Android 5.1 ist antiquiert, der Akku etwas unterproportioniert, die Kamera mit 8 MP auch eher naja. LTE fehlt. Anscheinend kann das WLAN kein 5GHz (leider finde ich dazu keine Spezifikation). Aber hey, das Telefon ist echt günstig, obwohl die Arbeiter in China keinen Hungerlohn verdienen. Wer für den Preis und gleichzeitig faire Bedingungen ein Oberklasse-Modell erwartet, der lebt in einer Fantasiewelt.

Das Gerät kommt in einem schönen, wertigen Karton, die Schrift der Beschreibung dazu ist sehr klein und für mich ohne Lesebrille nicht lesbar. Der Karton spielt übrigens eine wichtige Rolle, denn wenn man das Handy mal zurückgeben will, dann geht das nur mit dem Karton. In der Packung ist ein Aufladekabel, aber kein Stromstecker, denn davon habe man ja eh genug. Das Smartphone kam nur mit weniger als 15% Akkuladung an, und das Aufladen ging eher sehr langsam vonstatten. Shiftphone empfiehlt ein Ladegerät mit IQ-Technologie.

Das Telefon liegt gut in der Hand und ist für meine Zwecke vollkommen ausreichend. Ich empfinde es auch nicht als langsam. Die Inbetriebnahme dagegen war etwas schwerer als ich dachte, was einfach daran lag, dass sich das Shiftphone nicht mit dem WLAN verbinden wollte. Ich musste das Google WIFI neu starten, dann funktionierte es.

Fazit

Nach einer Woche Gebrauch bin ich immer noch zufrieden. Ja, es ist nicht so komfortabel wie mein Arbeits-iPhone oder mein früheres Oneplus Two, das ich dem Tochterherz geliehen habe. Der Fingerabdruck-Scanner fehlt. Die Kamera ist halt suboptimal im Vergleich zum iPhone. Aber wie oben schon geschrieben: Für den Preis ist das Faire an diesem Smartphone schon unglaublich. Die Erfahrung mit dem Shiftphone ist bisher positiv. Schade ist lediglich, dass die technischen Spezifikationen nicht komplett sind. Aber wer nachhaltiger handeln will, der kann das tun für wenig Geld. Solange wir selbst nicht bereit sind etwas zu ändern, warum sollten es die Konzerne tun?

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