Scalable Capital und der Brexit

Anderthalb Monate sind entweder eine sehr lange oder eine sehr kurze Zeit für Anleger, ganz abhängig davon, ob sie jeden Tag traden oder ab und zu mal kaufen und sich dann 10 Jahre schlafen legen. Und wie gut die Algos von Scalable Capital funktionieren, das werden wir erst nach einer längeren Phase der Auf und Abs wissen. Aber der gewählte Brexit mit seinen Kurseinbrüchen ist ein guter Anlass einmal zu schauen, wie der RoboAdvisor damit klar gekommen ist.

Ich hatte den Machern von Scalable Capital schon am Freitag nach der Wahl Twitter-Kudos dafür geschickt, dass sie die Daten im Interface mehrmals täglich aktualisiert und nicht nur wie sonst die Daten des Vortags angezeigt haben. Transparenz schafft Vertrauen, denn natürlich möchte man wissen, was der Algo mit dieser Situation jetzt macht. Und tatsächlich, am Tag nach dem Referendum ging es bei mir nicht ganz so tief runter, um genau zu sein, es ging gar nicht runter, sondern rauf. Vergleiche ich mein Portfolio mit dem Dax, so lag der Dax an “meinem ersten Tag” (an dem alle Anlagen vom Algo gekauft waren) bei 9890€, heute liegt er gerade aktuell bei 9.500€, gestern schloss er mit 9268€ ab, und mit diesem gestrigen Minus muss verglichen werden. Dem gegenüber steht bei mir im Scalable Capital-Interface eine “zweitgewichtete Rendite” von 1,39% und eine “einfache Rendite” von 1,37%. Natürlich ist der Vergleich etwas unfair, schließlich wäre die Alternative kein reines DAX-Portfolio, aber auch der Dow Jones und die Euro Stoxx haben sich nach unten entwickelt. Aber generell hat der Algo hier gewonnen.

Aber wie genau hat er das gemacht? So die Aussage in der Mail von letzter Woche:

Unser dynamisches Risikomanagement hatte bereits in den letzten Monaten die Kundenportfolios in konservativere Anlagen umgeschichtet, sodass die Auswirkungen der heutigen Kurseinbrüche deutlich gemindert werden. Insbesondere die derzeit auf Staats- und Unternehmensanleihen fokussierte Positionierung trägt zur Stabilisierung bei.

Was die Mail verschweigt ist, welche Signale dazu geführt haben, dass umgeschichtet worden ist. Aber das wird wahrscheinlich geheim bleiben, eben so wie die Coca Cola-Formel.

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2 Comments

  1. Hallo Tom,

    bin auch Kunde bei SC und wollte mal im Internet schauen was andere User so berichten 🙂

    Bezüglich deiner Suche nach einem “faireren” Vergleichs-Benchmark, SC selbst benutzt dazu eine Mischung aus MSCI World (genauer gesagt den iShares Core MSCI World ETF) und Euro-Tagesgeld (per 1-Tages EONIA Satz).
    Steht alles in den Vertragsbedinungen, Abschnitt C 4 bis 6.
    ( https://de.scalable.capital/app/api/pdf/static?type=scalable_terms_and_conditions )

    Diese beiden Anlagen stellen nun, je nach Portfolio VaR-Level, in unterschiedlichen Gewichtungsverhältnissen die Benchmark dar, mit denen sie (zumindest selbst) die Performance ihrer aktiven Assetallocation-Strategie vergleichen.
    Da der Tagesgeld-Zinssatz ja schon seit längerem, nun sagen wir mal, “vernachlässigbar” ist, kannst du dir ja relativ leicht die Rendite des Benchmarks im Kopf ausrechnen, indem man einfach die (für dein jeweiliges VaR-Level zutreffende) prozentual anteilig gewichtete Performance des MSCI World anschaut.

    Aber natürlich ist auch dieser Benchmark noch nicht unbedingt der wirklich “passendste”. Da das Aktienportfolio von SC auch Emerging Markets umfassen kann, bietet sich als Index ja eher der MSCI ACWI an, genauso wie auch (da das SC-Portfolio ja auch einen wesentlichen Anteil an Anleihen umfassen kann) statt Euro Tagesgeld lieber sowas wie der Barclays Euro Aggregate Bond Index (oder gleich Global Aggregate, da auch amerikanische Anleihen vertreten sind) eine bessere Vergleichsgrundlage liefert.

    Was die “geheimen Formeln des Algos” angeht, nunja, direkt den vollständigen Sourcecode veröffentlichen werden sie sicher nicht können, aber im Whitepaper ( https://de.scalable.capital/wp-content/static/Whitepaper_ScalableCapital_DE.pdf ) ab Kapitel 4 bekommt man schon etwas tiefere Einblicke in die Theorie-Hintergründe ihrer verwendeten Modelle. Setzt allerdings auch schon etwas voraus, dass man mit den angewandten Begriffen etwas anfangen kann, für weniger mathematisch veranlagte Betrachter bleibt das wohl trotzdem nur eine Blackbox, der man nun entweder vertrauen muss oder eben nicht.

    Mein Tipp, falls du technische Spezialfragen hast, ruhig einfach mal eine Mail ans Unternehmen schreiben. Hatte ich auch vor ein paar Monaten gemacht und bekam von den Geschäftsführern prompte und tiefgründige Antworten. Irgendwann, falls der Anbieter mal zu groß werden sollte dass sich der Chef nicht mehr persönlich um Einen kümmert, gibts dann nur noch die Standardformulare von der Servicehotline, also versuchs lieber früher als später 😀

    Bezüglich der Asset-Allocation, in der Tat wurde kurz vor dem Brexit eigentlich nicht viel mehr umgeschichtet, es ist also nicht so als ob sie da irgendwas speziell “vorausgesehen” hätten, sondern man war eigentlich schon die ganze Zeit davor hauptsächlich in Anleihen investiert, denn bereits seit Mitte 2015 waren die Aktienmärkte eher in einer volatileren Seitwärts/Abwärtsphase.
    Das allein, ist ja auch keine Kunst – eine statische Anleihen-lastige Allocation, um die Aktienvolatilität im gewünschten Verhältnis einzugrenzen, kann ja auch jeder selbst bauen. Die Kunst besteht eher darin, dann später wieder in guten Phasen auch relativ zeitnah entsprechend zurückzuschichten in Aktien rein um die Rendite mitzunehmen. Da wird sich erst langfristig, dass heißt über mehrere Marktzyklen hinweg betrachtet, wirklich sagen lassen welchen Mehrwert SC beitragen kann. Ihr Anspruch besteht ja auch nicht darin, dir die “höchste” Rendite überhaupt zu bringen (es wäre auch ziemlich unseriös, sowas behaupten zu können), sondern einfach nur die best-möglichste die eben unter Berücksichtigung deiner gewünschten Verlustgrenze zu erreichen ist. Das kann also heißen, dass dein SC-Portfolio in Börsen-Booms der reinen Aktienanlage durchaus hinterherhinkt, bzw ist zwangsläufig so weil deren raison d’être vor allem in der Downside-Protection (und erst danach in der Upside-Participation) liegt. Das sollte man halt vorher wissen bzw verstanden haben, um nicht fälschlicherweise auch mal “enttäuscht” zu werden, denn es geht nicht darum, dass wenn die Börse um +20% steigt, Scalable Capital dir noch dazu +40% Mehrrendite darüber oder so verschafft – sondern eher dass, wenn die Börse mal um -40% fällt, du mit Scalable stattdessen dann davon nur -20% Verlust (oder noch weniger, je nach deinem Level) mitmachen musst.

    Liebe Grüße, und wünschen wir uns beide dass das auch langfristig alles so funktioniert 😉
    -Christoph

  2. […] bisherige Leistung genauer anzuschauen. Über erste Erfahrungen mit Scalable Capital sowie die Situation rund um den Brexit hatte ich schon berichtet. Seitdem habe ich zwar ab und zu mal reingeschaut, aber keinen Anlass zu […]


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