Mehr als nur Pageviews: Events

Pageviews oder Seitenaufrufe waren viele Jahre die Hauptwährung in der Webanalyse. Im Prinzip sind sie aber relativ sinnfrei, denn wir wissen ja nicht, ob ein Nutzer die Inhalte auf der Seite tatsächlich gelesen hat oder nicht. Auch wissen wir zum Beispiel bei der letzten Seite, die ein Nutzer besucht, nicht, wie lange er auf dieser Seite gewesen ist (siehe Details hier).

JavaScript ermöglicht das Auslösen von Events bzw. Ereignissen, zum Beispiel durch eine Nutzeraktion, aber auch automatisiert, nachdem eine Seite ausgeliefert wurde. Dadurch ist ein granulareres Messen der Interaktion von Nutzern mit einer Seite möglich.

Natürlich lädt dies auf den ersten Blick dazu ein, einfach einmal alles zu tracken; allerdings “schießt” jedes Event einen Hit an Google Analytics, von denen aber nur bis zu 10.000.000 pro Monat kostenlos sind. Außerdem werden nur 500 Events pro Session gezählt. Daher ist es umso wichtiger, dass man sich genau überlegt, welche Events wirklich wichtig sind zur Messung der Zielerreichung. Auch bedeutet das Sammeln von Daten nicht, dass diese auch sinnvoll ausgewertet werden können. Bei der Scroll-Tiefe zum Beispiel kann ein Wert von 75% für zwei Seiten unterschiedliche Bedeutungen haben, je nachdem wie unterschiedlich lang die beiden Seiten sind.

Der Ablauf

Ein Nutzer kommt auf eine Seite und löst zunächst einen Page View aus. Zwar können auch mit dem Pageview Events ausgelöst werden, die Nützlichkeit ist in diesem Fall aber fraglich. In unserem Beispiel werden Events durch Nutzerinteraktionen mit der Seite ausgelöst, zum Beispiel

  • wenn ein Nutzer herunter scrollt
  • wenn ein Element auf der Seite sichtbar ist
  • wenn ein Video auf der Seite gestartet, pausiert oder bis zum Schluß geschaut wird.

Tracking Plan

Events haben 4 Felder, Kategorie, Aktion, Label und Wert. Um Events sinnvoll auswerten zu können, ist eine einheitliche Benennung der einzelnen Felder notwendig. In einem Tracking Plan wird die Benennung festgelegt; zu diesem Zeitpunkt muss schon klar sein, warum und wie man das Auftreten von Events lösen will.

Event Tracking Plan
Event Tracking Plan

Implementierung von Events im Google Tag Manager

Erst dann werden die Tags erstellt. Für den Page YARPP Visible Event Tag sieht das zum Beispiel so aus:

Lediglich der Wert wird durch eine Variable gefüllt (erkennbar an den {{}} Klammern). Dieses Event wird ausgelöst, wenn auf dem Bildschirm des Nutzers der Bereich “Ähnliche Beiträge” oder “Mehr lesen” erscheint, der Inhalt vom Nutzer also anscheinend zuende gelesen wurde. Dieses Event ist wichtig, da das Ziel dieser Seite ist, dass die Inhalte auch gelesen werden (ansonsten lohnt es sich nicht, ein Skript zur Veranstaltung zur Verfügung zu stellen). Die Scroll-Tiefe ist in diesem Fall nicht unbedingt notwendig, aber wir nehmen sie trotzdem mit.

Eine häufige Stolperfalle ist Non-Interaction Hit. Diese ist in diesem Beispiel auf false gesetzt. Man könnte dies wie eine doppelte Verneinung verstehen: Keine-Interaktion: Falsch, also ist es eine Interaktion. Dahinter verbirgt sich ein entscheidender Faktor für die Berechnung der Bounce Rate: Stünde hier True, so würden Nutzer, die auf eine Seite gelangen und das Element Visibility Event auslösen, immer noch als Bounce gezählt werden, wenn sie keinen weiteren Pageview auslösen. In der oben beschriebenen Konfiguration aber sind sie keine Bouncer.

Was macht man nun damit?

Schaut man sich die Ergebnisse des Events an, so wird die oben beschriebene Einschränkung des KPIs Scroll-Tiefe deutlich:

In den ersten Zeilen der Daten sehen wir Hits für das Sichtbarkeits-Event, bei denen die Scrolltiefe bei 0% liegt. Wie kann es sein, dass ein Nutzer die “Ähnlichen Artikel” gesehen hat, wenn er noch nicht mal herunter gescrollt hat? Die Antwort ist ganz einfach: Unter dem Artikel befinden sich so viele Kommentare, dass der Nutzer nur so wenig herunter scrollen muss bis er das Element sieht, dass der Trigger für die 25% Scrolltiefe noch nicht ausgelöst ist! Gleichzeitig sieht man in den anderen Zeilen für eine Seite unterschiedliche Scrolltiefen, was daran liegt, dass diese auf unterschiedlichen Geräteklassen ausgeliefert wurden.

Nächster Abschnitt: Implementierung testen