Laufen mit Künstlicher Intelligenz: LifeBEAM Vi

Mitte letzten Jahres hatte ich die Kickstarter-Kampagne von LifeBEAM unterstützt, diese Woche kam der LifeBEAM Vi an: “The first true artificial intelligence Personal Trainer”, der angeblich erste echte Personal Trainer, der auf Künstlicher Intelligenz basiert. LifeBEAM hat bisher vor allem Helme für Kampfpiloten hergestellt, die mit speziellen Sensoren die Vitalparameter messen können; etwas Erfahrung mit Sensoren ist der Firma also schon einmal zuzutrauen. Und das Messen des Pulses über das Ohr funktioniert definitiv besser als mit einer Uhr am Handgelenk, der Fitbit Blaze hat mich hier schon oft enttäuscht. KI ist “the next big thing”, warum also nicht wie in Her einen Assistenten haben, der meine Fitness verbessert?

Von “Her” sind wir zwar noch weit entfernt, eine “Her” aber für nur ein Gebiet (domain-specific), in diesem Fall Sport beziehungsweise noch eingeschränkter Laufen, ist realistisch. Her-like ist zudem, dass LifeBEAM das Interface mit Stimme sehr minimalistisch gehalten hat, damit die eigene Phantasie damit spielen kann, wie Vi für einen selbst aussieht (“your imagination can play with what Vi looks like for YOU“).

Tolle Verpackung, nicht so tolles Handbuch

$219 hat der Spaß inklusive Versand gekostet, dazu kamen dann noch mal knapp 50€ Zoll, was ich zwar für eine Frechheit halte, aber anscheinend auch nicht diskutierbar ist. Ich war auch einfach zu gespannt. Auf ein Unboxing-Video verzichte ich, davon existieren genug im Netz. Die Verpackung ist toll, es fühlt sich alles sehr wertig an, nur bei der Dokumentation wurde gespart. Zwar gibt es ein kleines Handbüchlein, aber da steht zum Beispiel nicht drin, welche Sprachbefehle existieren, auch andere Fragen kann man sich nur durch das Durchwühlen der Foren-Beiträge erfahren. Die Support-Seite hingegen ist eher dürftig.

Einrichten des LifeBEAM Vi

Der LifeBEAM ViToll ist, dass der LifeBEAM Vi nicht mit leerer Batterie geliefert wird, man kann also gleich loslegen. Schade dagegen ist, dass man nirgendwo sehen kann, wie voll die Batterie ist. Auch das angeblich mögliche Laden innerhalb von 45 Minuten funktioniert nicht.

Der/die/das Vi kann kein Deutsch sprechen und versteht auch kein Deutsch, die dazu gehörende App existiert auch nur auf Englisch. Aber wenigstens kann man die Einheiten auf das metrische System umstellen, so dass man während des Laufens keine Meilen umrechnen muss.

Suboptimal bei der Einrichtung ist, dass man die Kopfhörer drin hat, um “sie” zu hören, dann aber auf ein blaues Licht achten soll, das man ja nur sehen kann, wenn man die Kopfhörer eben nicht drin hat. Der Klang ist übrigens super. Zumindest wenn man nicht läuft.

Der erste Lauf

Auswertung in der LifeBEAM Vi AppZunächst einmal: Man spürt diesen Bügel überhaupt nicht. Er ist eh superleicht. Dadurch, dass man verschiedene Pinöpsel für unterschiedliche Ohrgrößen mitgeliefert bekommt und zusätzlich einen kleinen Haken, der den Hörer im Ohr halten soll, hält der In-Ear-Kopfhörer bei mir sehr gut, was eher selten der Fall ist. Man muss nur sehr genau darauf achten, dass das kleine grüne Licht, der Herzfrequenzmesser, nicht zu sehen ist, denn dann misst er den Puls nicht.

Für den ersten Lauf wollte ich einfach 5 Kilometer laufen, App gestartet, Verbindung wurde sofort gefunden, und los geht’s. Der LifeBEAM Vi redet erst einmal ganz schön viel, dabei läuft eine Spotify-Playlist, wobei ich nicht verstanden habe, welche das ist. Die Running-Funktion von Spotify hat nicht funktioniert. Die Musik wird etwas leiser, wenn Vi spricht, aber war zum Teil noch zu laut, so dass ich Vi nicht immer verstanden habe.

Was ich glaube, was sie gesagt hat, ist, dass sie 2 Stunden Training mit einem verbringen muss, bis sie genug Daten zusammen hat, um Vorschläge unterbreiten zu können. Im Forum beschweren sich einige Nutzer, dass nach 2 Stunden nix passiert ist. In dem Fall lag es aber wohl daran, dass das Coaching anscheinend momentan nur auf dem iPhone funktioniert. Der Sound wirkte beim Laufen übrigens nicht mehr ganz so toll, was aber auch daran liegen kann, dass ich die Stöpsel kurz vorher noch mal ausgewechselt hatte.

Erstes Coaching

Das, was der LifeBEAM Vi sagt, ist auf jeden Fall schon mal persönlicher als das, was mir Runkeeper sagt. Die Stimme ist natürlicher, und es ist weniger vorhersehbar. Schön war auch, dass sie mir nach 2 Kilometern sagte, dass meine Schritte zu groß sind, und einen coolen Beat “auflegte”, mit dem ich eine andere Schrittlänge probieren konnte. Sie lobte mich nach 2/3 des Laufs, dass ich die Geschwindigkeit gut halten könne. Das wirkte schon mal sehr viel individueller als Runkeeper.

Was ich nicht verstanden hatte war, wie ich es hinbekomme, dass sie mir meine Herzfrequenz sagt. Erst habe ich es ganz klassisch mit “Vi, what is my Heart Rate?” probiert, aber sie hatte nicht reagiert. Dann habe ich mal auf den rechten Kopfhörer gedrückt, weil ich meinte, mich dunkel zu erinnern, dass das funktioniert. Tatsächlich muss man dann nur “Heart Rate” sagen, und wenn an der Elbe nicht ganz so viel Wind entgegen pustet, dann versteht sie es auch. Witzig nur, dass sie mir 20 Sekunden später erklärt, wie ich sie nach der Herzfrequenz fragen kann. Dass mein Puls relativ hoch war, dazu hat sie nix gesagt. Auch die Frage nach “Distance” hat sie nicht verstanden; ich hätte manchmal schon gerne gewusst, wie viel ich noch vor mir habe.

You’ll never run alone

Herzfrequenz versus Geschwindigkeit in der LifeBEAM Vi AppKurz vor dem Ende des Laufs sagte sie mir, dass ich es gleich geschafft hätte. Es kam mir danach noch wie eine Ewigkeit vor, aber das kann auch am Elbberg gelegen haben, der mir jedes Mal in die Quere kommt (daher auch der hohe Puls bei gleichzeitig geringer Geschwindigkeit in dem Screenshot).

Als es dann vorbei war, war es schön, jemanden zu haben, der einem Feedback gibt, wenngleich es auch nur eine Zusammenfassung war. Insgesamt war es eine gute Erfahrung, jemanden zu haben, der zu einem spricht, denn manchmal ist mir schon langweilig beim Laufen. Manche denken beim Laufen über Probleme nach, ich dagegen versuche den Kopf frei zu bekommen. Dabei hat der LifeBEAM Vi gut geholfen.

Nächste Schritte

Mir fehlen also noch anderthalb Stunden, bis der LifeBEAM Vi coachen kann; darüber werde ich dann berichten. Bis dahin kann ich auch berichten, welche anderen Sprachbefehle der Vi funktionieren und wie schnell die Batterie tatsächlich hält und lädt. Insgesamt ist der Eindruck erst einmal positiv, auch wenn die hohen Erwartungen, die die initialen Videos weckten, nicht komplett erfüllt wurden.

Update: Das Video, das ich hier eingebunden hatte, wurde von LifeBeam auf privat gestellt. Hintergrund ist wahrscheinlich, dass in dem Video ein Mann auf einem Laufband gezeigt wurde. Aber damit kann Vi gar nicht umgehen 🙁

 

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