Erfahrungen mit tado: Nicht gut, aber Alternativen noch schlechter

Zuletzt aktualisiert am 3.2.2019!

Gleich vorab: Ich wünschte, ich könnte mich den Begeisterungsstürmen für tado anschließen, schließlich habe ich tado ausgesucht, weil ich wirklich glaube, dass das System mein Heizungs-Problem lösen kann. Bisher aber sind meine Erfahrungen mit tado mittelprächtig, und das liegt am System selbst und auch an der Hotline sowie den suboptimalen Hilfetexten. Ich hoffe, dass dieser Bericht helfen kann, eigene schlechte Erfahrungen mit tado zu verhindern beziehungsweise genau nachzudenken, was man da eigentlich tut. Ich werde diesen Artikel fortlaufend aktualisieren. Gekauft wurde das System Ende November 2017.

Inhalt

Das Problem: Kaminofen versus Heizungssteuerung

Kommen wir zunächst zu meinem Heiz-Problem. In erster Linie geht es mir nämlich nicht um das Sparen von Heizkosten, wobei das natürlich ein toller Nebeneffekt wäre, sondern darum, dass die alte Heizungssteuerung einen fundamentalen Denkfehler hatte. Eingebaut wurde alles neu während einer Komplettsanierung 2013 in einem Pre-Gründerzeit-Altbau von 1855. Gastherme, Rohre, Heizungen, Thermostat, alles neu. Der Fehler lag von Anfang an darin, dass der Klempner kein wirkliches Ohr für unsere Fragen hatte, vor allem, ob es Sinn ergibt, ein Thermostat für die Gesamtsteuerung der Heizung in das Wohnzimmer zu packen, wenn 3 Meter weiter ein Kaminofen steht. Meine Anfänger-Logik: Wenn der Kamin an ist, dann denkt das Thermostat, dass es ja superwarm ist und schaltet die Therme aus. Wohnzimmer warm, Rest der Wohnung kalt. Naja, man befindet sich ja eh meistens im Wohnzimmer, ist doch egal. Und im Schlafzimmer soll man eh kalt schlafen. Während einer Sanierung hat man 1.000 Probleme, und man vertraut jedem Handwerker, der überhaupt auf der Baustelle erscheint. Das war ein Fehler.

4 Jahre später. Nachwuchs. Etwas mager auf die Welt gekommen. Die Hebamme sagt, dass die alte Regel mit 18 Grad Zimmerthemperatur hier nicht gilt, den Kindern fehlt der wärmende Speck. Also Heizung an. Puh. Da war ja was. Und siehe da, selbst wenn der Ofen nicht an ist, bekomme ich die Temperatur nicht so hin wie ich sie brauche. Denn das Wohnzimmer ist zum Süden ausgerichtet. Und auch wenn es heißt, dass es immer regnet in Hamburch, nee, auch hier scheint mal die Sonne, und dann brauche ich die Heizung nicht hochdrehen, es ist auch so warm im Wohnzimmer. Der Trick wäre nun, dass ich einfach die Heizung im Wohnzimmer runterdrehe, das Thermostat hochdrehe, so dass die Therme an ist und das Kinderzimmer versorgt. Aber so richtig nach Steuerung hört sich das nicht an. Eher nach Energieverschwendung, zumal die Heizung zum Teil nicht mal eingeschaltet sein muss hier.

Eine kurze Affäre mit Max!

Nächste Idee: Ich versuche es mit einem Smart Thermostat, in diesem Fall von Max!. Der nette Verkäufer von conrad empfiehlt mir dieses System, da es günstig ist. Am besten ein Wandthermometer plus die zwei smarten Heizungsthermostate, fertig ist die Laube. Das Wandthermostat soll verhindern, dass die Temperaturfühler an der Heizung von 21 Grad ausgehen, die es in der Mitte des Zimmers gar nicht mehr gibt. Zunächst glaubte, nein, hoffte ich, dass das die Lösung ist. Aber das war sie nicht. Das System war unberechenbar und heizte zum Teil hoch auf 24 Grad, obwohl es auf 19 Grad runterreguliert wurde. Und es löste mein Problem nicht. Denn wenn man doch mal den Ofen anmachen wollte im Wohnzimmer, nun ja. Dann war die Therme halt aus. So hoch konnte ich sie gar nicht stellen, dass sie auch noch das Kinderzimmer geheizt hätte. Schnell bei eBay verkauft, der Käufer meldete sich übrigens nach einem Jahr, dass ein Thermostat defekt sei; zum Glück hatte ich den Bon noch.

Die Erfahrungen der Crowd mit tado

In den folgenden Tagen lernte ich mehr über Heizungssysteme als ich jemals wollte. Unsere Therme ist eine Remeha Tzerra 28c, die über das OpenTherm-Protokoll kommunizieren kann. Bis ich genau nachgesehen hatte, war ich davon ausgegangen, dass unser Thermostat im Wohnzimmer per Funk mit der Therme kommunizierte, aber das iSense-Thermostat war tatsächlich mit einem Kabel vom Wohnzimmer mit der Therme in der Küche verbunden. Schade aber auch, sonst hätte man das Thermostat ja einfach woanders hinhängen können, wo es nicht der Hitze des Ofens ausgesetzt gewesen wäre. Eine Funkversion hätte mindestens 300 Euro gekostet. Aber ungenau wäre das immer noch gewesen.

Mein nächster Schritt war ein Aufruf bei Facebook, wer denn Erfahrung mit Smart Heating hätte. Die Resonanz war beeindruckend. tado war die Hauptempfehlung, gefolgt von elgato (fällt flach weil hier im Haushalt nicht alle ein Apple-Gerät besitzen), Max! (da gab es auch böses Contra), Coqon, Loxone (weil man da mehrere Smart Home-Geschichten auf einmal mit lösen kann anstatt für alles eine App zu haben), innogy, hydraulischer Ausgleich sowie Einwände, dass das kompletter Schwachsinn sei, überhaupt sein Heim mit sowas vollstopfen zu wollen. Manche hatten sich leider nicht die Mühe gemacht, den Thread überhaupt komplett zu lesen und kamen mit Allgemeinplätzen. Aber gut. Insgesamt eine tolle Ausbeute. Da einige Freunde gute Erfahrungen mit tado gemacht hatten, schaute ich mir dieses System genauer an.

Erste unangenehme Erfahrungen mit tado: Die Verkaufs-Hotline

Meine Recherche zeigte, dass tado tatsächlich die Lösung für mein Problem sein könnte, denn anscheinend kann hier ein Heizungsthermostat direkt bei der Therme mehr Power verlangen. Im MediaMarkt sah ich am späten Samstag Nachmittag das komplette Set, und da es noch nicht 18 Uhr war, dachte ich, dass ich das Angebot der tollen Hotline ja ausprobieren könnte. Kann das Smart Thermostat von tado mit der Remeha Tzerra 28c umgehen? Im Netz nur widersprüchliche Infos. Auf der deutschen Seite wurde Remeha gar nicht aufgeführt, auf der niederländischen Seite schon. Schade. Es ging niemand dran. Auch keine automatische Nachricht. Also habe ich das Set im Laden stehen lassen.

Am Montag rief ich dann gleich morgens bei tado an. Und diesen Anruf werde ich so schnell nicht vergessen. Bevor ich meinen ersten Satz überhaupt zuende bringen konnte, wurde ich schon unterbrochen. “Haben Sie ein Thermostat oder…” und so weiter. Keine Chance, mein Problem zu schildern. Auch als ich den Herrn darauf aufmerksam machte, dass ich gerne erst mal ausreden möchte, wurde ich sehr unhöflich in die Schranken gewiesen. Irgendwann konnte ich dann doch mein Problem schildern, und nun musste der forsche Telefonverkäufer doch einsehen, dass es vielleicht besser gewesen wäre, mich erst reden zu lassen. Nein, er könne nicht garantieren, dass das mit meiner Remeha-Therme funktioniere. OpenTherm ginge auch bei anderen, und in 95% aller Fälle blablabla. Ja. Steht auch auf der Webseite. Ich hätte mir den Anruf sparen können und gleich im MediaMarkt kaufen. Da kaufe ich zwar ungern, denn die vielzitierte Beratung fokussiert sich ja auf die Geräte, die gerade palettenweise im Lager stehen, aber die extra Marge und vielleicht auch den Sales-Bonus gönne ich tado in diesem Fall nicht.

4 Tage später wurde das Paket losgeschickt, zusammen mit einer Mail inklusive Rechnung mit Zahlungsziel am gleichen Tag. Auch nett. Ware noch nicht da, aber bitte sofort bezahlen. Anruf bei der Hotline zwecklos. Aber dem Social Team von tado, das auf twitter geantwortet hat, hier ein fetter Dank, denn sie haben das Problem kurzfristig und kompetent gelöst. Natürlich habe ich 14 Tage Zahlungsziel. Dass das Produkt erst 4 Tage später hier ankam ignoriere ich jetzt mal. Aber die Interaktion mit dem Social Team war bis dahin meine einzige gute Erfahrung mit tado. Auch bei späteren Nachfragen erwies sich das Social Media Team von tado immer als schnell, ehrlich und lösungsorientiert. Danke dafür noch mal an dieser Stelle!

Erfahrungen mit tado: Die Installation

tado Installationsanleitung
tado Installationsanleitung So soll es aussehen

Ganz einfach sei die Installation, und in weiten Teilen unterschreibe ich das auch. Apple-like. So kannte das Setup auch meine Konstellation von iSense und Remeha Tzerra 28c. Warum wusste das nur nicht der arrogante Typ von der Hotline? Schade nur, dass diese supereinfache Installation dazu führt, dass man davon ausgeht, dass wirklich jeder Schritt so einfach ist. Wenn alles schon für Doofe gemacht zu sein scheint, dann kann man es nicht glauben, wenn es mal nicht so ist. Und dann hakt es manchmal doch.

So soll man einfach nur den blauen Papierstreifen aus dem Batteriefach rausziehen, wenn man das Thermostat umdreht. Bei mir sah das  allesganz anders aus. Ich sah keinen blauen Streifen. Wer hätte auch gedacht, dass ich dazu das Case erst öffnen muss? Stand da glaube ich nirgends. Aber irgendwann kam sogar ich darauf. Nur steht auch nirgendwo, wie man das Case öffnet. Natürlich will man so ein teures neues Gerät nicht gleich zerstören.

figcaption>tado Thermostat So sah es bei mir aus: Wo ist der blaue Papierstreifen zur Aktivierung?

Einige Punkte werden auch so selbstverständlich formuliert, dass man zum Beispiel tatsächlich auf die Idee kommt im Karton zu schauen, wo der Phasenprüfer ist. Denn wenn von “dem Phasenprüfer” gesprochen wird, dann gehe ich davon aus, dass der mitgeliefert ist, ansonsten hieß es ja “ein Phasenprüfer”. Ist er aber nicht oder er fehlte bei mir (anscheinend ist der nur in der Version 2 dabei gewesen?). Man wird auch nirgends vor der Installation darauf hingewiesen, dass man diesen benötigt. Schade eigentlich. Mitten in der Installation merkt man dann, dass man abbrechen kann, denn anscheinend ist die Installation ansonsten lebensgefährlich (ich hab das dann anders gelöst, denn die iSense kann nur dann ohne Batterie leben, wenn sie Strom von der Therme bekommt, und mit abgeklemmter Sicherung konnte die Therme auch nix weitergeben. Dies ist aber kein Tipp, bitte nicht nachmachen!). Oder man dachte sich, wenn man schon auf der Packung erwähnt, dass ein Phasenprüfer benötigt wird, dann kaufen manche das Produkt nicht, weil sie gar nicht wissen, was ein Phasenprüfer ist. Besser sie merken erst während der Installation, dass sie einen brauchen, denn dann haben sie schon gekauft und sind so weit mit der Installation, dass sie das Gerät nicht mehr zurückschicken werden. Um 22 Uhr, als ich mit der Installation anfing, hätte ich auf jeden Fall keinen Phasenprüfer mehr bekommen können. Abgesehen davon ist der “Lügenstift”, wie er auch genannt wird, kein ausreichendes Hilfsmittel. Aber das ist ein anderes Thema.

Nach dem alles einigermaßen angebracht war (um 22:30 fehlte mir leider noch etwas in der Wand, woran ich das Smart Thermostat hätte befestigen können, aber Gaffa-Tape ist Dein Freund), war die positive Überraschung zunächst, dass ich es anscheinend tatsächlich geschafft hatte, nichts zerstört zu haben, das Thermostat konnte tatsächlich die Therme steuern. Nur das Warmwasser war abgeschaltet. Und da ist auch schon wieder ein Kritikpunkt: So richtig erklärt wird das mit der Warmwassersteuerung nicht. Und das zieht sich über alle Hilfetext hin, alles ist einfach nur oberflächlich behandelt. Die Hilfe-Funktion ist keine Hilfe, denn die Inhalte dort sind so allgemein, dass man auch genau so gut auf sie verzichten könnte. Während der Installation ist die ganze Zeit ein gelber Reiter mit einem Telefonsymbol rechts im Fenster zu sehen, aber klickt man darauf, findet man keine Hilfetexte, die zu dem jeweiligen Stand der Installation passen. Kaum ein Text hat ausreichend Tiefe. Das zieht sich auch durch andere Bereiche der tado-Welt, siehe weiter unten.

Ebenso verstehe ich nicht, warum ich nicht sagen kann, dass das Thermostat nun im Wohnzimmer ist, wo auch noch zwei Smart Heizkörperthermostate sind? Wäre doch toll, wenn die sich synchronisierten? Aber nun steht da einfach nur “Heizung” und “Wohnzimmer”, und die zeigen unterschiedliche Temperaturen an (was kein Wunder ist, denn von den Heizungen am Fenster zum Thermostat an der Wand sind es wieder drei Meter, und da geht etwas an Temperatur verloren). Ein Anruf bei tado, dieses Mal bei einem sehr hilfsbereiten Mitarbeiter, bringt die Lösung: Er könne das zusammenfassen, aber eigentlich ist es auch egal. Auch die Tatsache, dass die Heizung auf 20° eingestellt ist, das Kinderzimmer auf 21° sei kein Problem, das Heizungsthermostat darf dennoch bei der Heizung eine höhere Temperatur abfragen. Sehr nett. Das mit dem Warmwasser wurde nicht so wirklich erklärt. Und während der Wartezeit in der Hotline-Warteschleife habe ich dann auch die Abdeckplatte gefunden, die im Shop nicht zu finden ist (sie findet sich unter diesem Link hier; der besserwisserische Verkäufer bei meinem ersten Telefonat wusste doch alles besser, warum hatte er diese Platte nicht gleich mitempfohlen?). Unten im Video sieht man übrigens, wie das in gut aussieht.

Noch ein Kritikpunkt, den ich bei meinen Erfahrungen mit tado gemacht habe: Das Einrasten der Heizkörperthermostate bei der Installation funktioniert nur so suboptimal, bei manchen Thermostaten benötigte ich mehrere Versuche.

tados Ortsabhängige Steuerung

Neben der Lösung, die uns tado für uns individuelles Heizproblem bietet, fand ich von Anfang an auch die ortsabhängige Steuerung für sehr genial. Anstatt eines strikten Zeitplans würde nun die Heizung dann arbeiten, wenn wirklich jemand zuhause ist. Klingt doch erst mal gut, oder?

Erfahrungen mit tado: Ortsabhängige Steuerung Schaltet die ortsabhängige Steuerung die Heizung runter, ändert sich der Hintergrund von gelb auf grün.


Das Handy oder die tado-App selbst hatte ab und zu Probleme damit, mich korrekt zu orten, denn selbst als ich in einer Nebenstraße parkte war ich immer noch außerhalb der Ringe. Google Maps zeigte meinen korrekten Standort, in den Einstellungen der tado-App gehörte die Nebenstraße definitiv zur Home-Zone. Erst kurz vor der Haustür schaltete sich der Hintergrund von grün auf gelb. Wäre ich S-Bahn gefahren (in Hamburg führt die S-Bahn z.T. unterirdisch und die U-Bahn z.T. oberirdisch), dann hätte ich das verstanden. Aber ich fuhr mit einem DriveNow und war ganz gespannt, wann das System umschaltet. Aber in der Regel funktioniert dieses Feature ganz gut.

Wichtig: Bei manchen Android-Derivaten scheint ein Energiesparmodus aktiviert zu werden, der es Apps verbietet, im Hintergrundmodus den Ort abzufragen. Und so kann es dann passieren, dass man zwar nicht zuhause ist, die tado-App das aber nicht mitbekommen hat und die Heizung fröhlich weiter arbeitet. Ab und zu mal ein Blick auf die App lohnt sich also.

Kann man wirklich Geld mit tado sparen?

Ich bezweifle stark, dass die in der Werbung damals versprochenen >30% Ersparnis an Heizkosten wirklich drin sind. Die Energiespargarantie bezog sich allerdings nicht auf die 30%, sondern einfach nur für den Fall, dass man “nicht genug gespart” hat. Dieses Angebot sehe ich heute nicht mehr. Ich konnte schon nach ein paar Wochen sagen, dass sich die Anschaffung nicht so schnell amortisieren wird. Wir geben im Jahr weniger als 750€ für Gas aus, selbst wenn tado ein Drittel davon einsparen würde, dann müssten mehr als 2 Jahre ins Land gehen, um das Smart Thermostat und die mittlerweile 10 Smarte Heizhörperthermostate wieder raus zu haben. Und hier ist noch nicht eingerechnet, dass ein Teil des Gases für Warmwasser draufgeht, und da werde ich nicht in den Einstellungen rumpfuschen. Ich will nicht morgens um 4 unter der Dusche stehen, weil ich einen frühen Flieger habe, und dann noch mal zum Handy laufen müssen, um das Warmwasser einzuschalten. Vor allem nicht, solange man nachts von zwei kleinen neuen Erdbürgern wachgehalten wird und dann vielleicht auch mal warmes Wasser zum Händewaschen braucht nach dem Wickeln (wer hätte gedacht, dass kleine Jungs so weit… aber lassen wir das). Ich hab also um die 1.000€ ausgegeben für die Versmarthomung unserer Heizung, ich bräuchte also um die 4 Jahre, bis ich mit tado schwarze Zahlen schreibe.

Interessant auch, dass mir die App für den ersten Monat der Installation, November 2017, bereits eine Ersparnis von 11% bescheinigte. Ich hatte das Smart Thermostat und 4 Heizkörper-Thermostate für zwei Räume am 27.11. installiert, es gab also nur 4 Tage und nur einen Teil der Räume, in denen das tado-System installiert war, und trotzdem will man 11% gespart haben? Das würde mich extrem wundern.

Ersparnis mit tado?
Ersparnis mit tado?

Schauen wir uns einmal einen Monatsbericht für einen ganzen Monat an. Im Dezember 2017 soll ich 22.8% an Energie eingespart haben. Das wäre natürlich super. Natürlich weiß tado aber nicht, was ich im Vormonat oder im Dezember 2016 an Energie verbraucht habe. Es wird einfach nur geschätzt, dass ich im Vergleich “zum Verbrauch mit einer temperatur- und zeitgesteuerten Standardregelung mit Nachtabsenkung nach DIN V 18599-10” so viel Energie eingespart habe.

Es ist nicht so, dass es vorher keinen Zeitplan gegeben hätte. Die Heizung wurde tagsüber eh schon runtergeregelt, ebenso nachts. Entspricht das der DIN-Norm? Ich weiß es nicht. Aber ich vermute, dass hier sehr optimistisch gerechnet wird. Denn wie viel weiter kann tado runterregeln, dass tatsächlich eine Ersparnis zustande kommt?

Es ist ehrlich gesagt sogar unwahrscheinlich, dass ich nun Geld spare, aber das liegt nicht an tado. Durch den Nachwuchs sind wir ja eher mehr zuhause und haben sogar ein Zimmer stärker beheizt. Es ist sogar so, dass ich dadurch, dass ich die Heizung genauer steuern kann, sogar eher bereit bin, die Heizung höher zu stellen, wenn mir kalt ist. Schließlich muss ich dafür nicht mehr aufstehen 🙂

Was auf jeden Fall nicht zuverlässig funktioniert, ist die automatische Erkennung, dass ein Fenster geöffnet wurde, so dass die Heizung ausgeschaltet wird. Manchmal funzt es, manchmal nicht, manchmal funktioniert es zuerst und dann schaltet sich die Heizung doch wieder ein. Und dann versucht sie natürlich gegen die Kälte anzuheizen, was natürlich komplette Geldverschwendung ist, im wahrsten Sinne Geld zum Fenster herauswerfen. Das ist natürlich schade, dass das nicht funktioniert.

tado-Batterien bereits nach 4 Monaten leer

Ja, richtig gelesen. Nach 4 Monaten kam eine Push-Mitteilung wie auch eine E-Mail von tado, dass in zwei Thermostaten die Batterie leer ist. Die restlichen Batterien machten kurz darauf schlapp. Zitat aus der E-Mail:

Das ist deutlich früher als die erwartete Batterielebensdauer. Wir sind uns des Problems bewusst und arbeiten an der Lösung. Deine Geräte werden aktualisiert, um die Batterielebensdauer zu verlängern. Bitte entschuldige die Umstände.

tado Probleme Verbindung

Das ist natürlich extrem unschön. Die Frage ist, wann wird das gelöst? Bekomme ich das überhaupt mit, wenn die Thermostate aktualisiert werden? Es dauert übrigens mehr als nur ein paar Minuten, bis in der App vermerkt ist, dass die Batterie gewechselt wurde; in einem Fall hat es fast 30 Minuten gedauert. Da bekommt man zwischendurch Zeifel an sich selbst, ob man tatsächlich beim richtigen Thermostat die Batterien ausgetauscht hat.

Übrigens kann eine leere Batterie auch der Grund dafür sein, dass ein Raum angeblich keine Verbindung hat. Die beiden Räume auf dem Screenshot links haben beide jeweils 2 Smarte Thermostate, und einer von ihnen hat eine Verbindung, der andere nicht, anscheinend weil die Batterie leer ist. Die App ist hier erst mal nicht wirklich hilfreich, denn der ganze Raum ist jetzt nicht mehr steuerbar. Premium ist wirklich etwas anderes, würde ich mal sagen.

Und nach einem Jahr fing das Smarte Thermostat dann an zu spinnen. Siehe hier mein erstes Content-Video auf YouTube 🙂

Manchmal blinkte auch nur kurz was auf, wenn ich auf den Knopf drückte. Das Problem? Wieder eine schwache Batterie! Diese waren zwar gerade erst ausgewechselt worden (und zwar nicht mit Billig-Batterien), aber ohne Vorwarnung reagierte das Gerät nicht mehr richtig. Das Blinken der Thermostate, das man via App auslösen kann, funktioniert in manchen Räumen gar nicht. Wieder eine zu schwache Batterie!

Ist das wirklich so smart mit der tado-Steuerung über die Cloud?

Erfahrungen mit tado: So siehts aus, wenn die Verbindung mit dem Server nicht funktioniert :(

Ein großer Kritikpunkt meinerseits: Warum muss alles in der Cloud sein? Alle Einstellungen werden an tado übertragen, wenn der eigene Internetzugang ausfällt, dann ist Schluss mit dem intelligenten Heizen. Und es muss nicht mal der eigene Internetzugang sein, denn auch tado selbst kann Probleme mit dem Server oder dem Rechenzentrum haben (jaja, da gibt es Redudanzen, aber ich weiß aus eigener Erfahrung, dass sich sowas immer gut anhört und im Ernstfall auch mal schief gehen kann). Auf dem Foto links sieht man wie es in der App aussieht, wenn mal gerade keine Verbindung möglich ist. Angeblich lag es in diesem Fall an meiner Internetverbindung, bei der Internet Bridge blinkte die Cloud-LED (die Bridge versucht die tado-Server zu erreichen). Tatsächlich konnte ich über den gleichen Internetanschluss die tado-Support-Seiten ansteuern, so dass es wohl weniger an meinem Internetanschluss lag. Die tado-Server liefen laut Status-Seite normal. Angeblich können die Geräte bei einem Internetausfall dann noch manuell gesteuert werden. Aber die erste Woche meiner Erfahrungen mit tado war auf jeden Fall eher gemischt, denn tado scheint nicht ehrlich zu sein, was die Verfügbarkeit ihrer Server betrifft.

Ob es tado in zwei Jahren noch gibt? Ich weiß es nicht, ich hoffe es, denn ansonsten habe ich einfach nur viel Geld für nicht mehr benutzbaren Elektroschrott ausgegeben. Die Synchronisierung ist abhängig von tado-Servern. Meine Hoffnung wäre dann, dass eines der etablierten Energie-Unternehmen die Chance erkennt und die Innovation kauft.

Fraglich ist für mich vor allem, wie lange tado überhaupt seine Cloud noch kostenlos anbietet; irgendwann wird man wohl auch hieraus einen Abo-Dienst machen. Ansonsten verstehe ich das Business-Modell nicht: Wie kann man einen kostenlosen Sync-Server betreiben, wenn man nur einmalige Einnahmen durch den Verkauf der Hardware hat? Das ergibt überhaupt keinen Sinn. Ich befürchte sogar, dass tado plant, irgendwann ein Abo drauf zu machen, denn wenn man erste die Investition in die teuren Thermostate getätigt hat, dann sind 9,90€ im Monat ja auch nicht mehr so schlimm. Oder? Aus diesem Grund empfehle ich tado schon mal nicht! Update Februar 2019: Genau das ist passiert. Kostet zwar nur 2,99€ im Monat, aber es war abzusehen, dass eine kostenlose Cloud nicht funktionieren kann.

Nepper, Schlepper, Bauernfänger, tado

Meiner Meinung nach werden tado-Nutzer zu zahlungspflichtigen Updates gelockt, die ihnen nix bringen. So wird das kostenpflichtige Upgrade der tado-App auf Version V3+ für knapp 20€ empfohlen, doch wenn man ganz genau hinschaut, dann bringt einem dieses Update teilweise nicht wirklich etwas. Das hat netterweise auch der Support zugegeben (der Social Media Support, von dem ich echt begeistert bin).   Denn natürlich konnte tado auch schon vorher automatisch erkennen, wenn man das Haus verlässt und auch wenn ein Fenster geöffnet ist (naja), nur dass solche Einstellungen nun angeblich automatisch vorgenommen werden.

Der Raumluft-Konfort-Skill dagegen klingt ganz nützlich, aber so wirklich mehr Informationen bringt er einem nicht. Ich habe (nur für dieses Blog) das Update trotzdem gemacht, aber es waren 20€, die ich mir auch gut hätte sparen können. Mit IFTTT kann man mehr anstellen, da man hier sogar Warnungen bekommt.

Fazit Erfahrungen mit tado

Die App

Die App fühlt sich gut an. Das Wissen, jetzt wirklich die Temperaturen in jedem Zimmer steuern zu können, entspricht dem, was ich von der heutigen vernetzten Welt erwarte, und tado hat das gut umgesetzt. Die Version V3+ nehme ich hingegen etwas als Geldmacherei wahr.

Lohnt es sich?

Bei einem Preis von 70-80€ pro Heizkörperthermostat überlegt man sich schon genauer, ob man wirklich alle 12 Heizkörper in der Wohnung damit ausstattet. Dann bin ich bei einem Preis von über 1.000€ insgesamt, und dann braucht tado wie oben geschrieben mehr als 4 Jahre, um das Geld wieder reinzuholen. Bis dahin gibt es wahrscheinlich schon wieder bessere Systeme. tado selbst hat schon die Version V3+ rausgebracht. Und auch wenn alle Komponenten wertig aussehen (meine Frau findet sie auf jeden Fall schicker als die Komponenten von Max!), sie fühlen sich nicht unbedingt wertiger an. Anschauen ja, anfassen nicht unbedingt. Da fühlt es sich eher nach billigem Plastik an.

Features

Mein Heizproblem wurde gelöst. Auch die ortsabhängige Steuerung funktioniert. Dass die Fenster-offen-Erkennung nicht zuverlässig ist, ist natürlich extrem schade.

Der Support

Liebe tado-Führung: Schult bitte Eure Verkaufskollegen am Telefon, dass man den Kunden nicht über den Mund fahren sollte, wenn diese noch nicht einmal den ersten Satz zur Hälfte aussprechen konnten. An Unfreundlichkeit war das kaum zu überbieten. Und wie schon gesagt: die Hilfe-Seiten sind wirklich suboptimal. Würde tado nicht nur Marketing-Blabla in den Hilfe-Teil der Seite schreiben, dann könnten sie eventuell auch den Support entlasten. Aber so ist es kein Wunder, dass man da anrufen muss. Dass die Installation an einer Remeha-Therme funktioniert, hätte man doch auch auf die Seite schreiben können. Hätte mir einen ziemlich doofen Anruf erspart und tado einen Blogartikel, der die Freundlichkeit der tado-Mitarbeiter kritisiert. Die Hilfe und die Verkaufstexte sind ungenau, nicht tiefgehend genug und zum Teil irreführend.

Letzte Worte

Meine Erfahrungen mit tado sind also generell eher durchwachsen. Meine größten Kritikpunkte sind die Abhängigkeit von der Cloud, die mangelhafte Kommunikation (das Social Media Team ist eine Ausnahme), die fehlende Zuverlässigkeit, ein offenes Fenster zu erkennen,die kurze Batterie-Laufzeut sowie die zum Teil unfreundliche Behandlung am Telefon. Alternativen sehe ich allerdings keine.

Übrigens, die Telefonnummer der Support-Hotline lautet 089 412 09569 🙂

6 Antworten auf „Erfahrungen mit tado: Nicht gut, aber Alternativen noch schlechter“

  1. Oh Mann, tausend Dank für Deinen Artikel. Ich wollte auch schon den Bestellknopf drücken – aber jetzt?? Sorry, dass Du da als Beta-Tester vorgeritten bist. Ich habe ohnehin insgesamt das Gefühl, dass die tolle Smarthome Welt nur in den Reklamespots schön ist. Das echte -smarte- Leben scheint mir mehr ein Hindernislauf zu sein. X-Standards (WLAN, Buetooth, Dect). Nö, ich lasse noch etwas Zeit ins Land gehen…..So lange ich noch zwei gesunde Hände habe, kann ich den Heizungsregler auch noch mit der Hand bedienen.

  2. Hallo Tom,
    ich habe ähnliche Probleme, mit meiner Heizsituation und dem tado Vertrieb, bei mir per Mail. Sie beantworten meine Fragen nicht, und gehen immer nur auf die Frage ob man ein Raumthermostat hätte. In meinem speziellen Fall ist dieses in die Therme selbst eingebaut – eine Besonderheit bei Vaillantthermen mit Aussenthemperturführung. Scheinbar eine Überforderung. Nach Deinem tollen Bericht habe ich mich kurz vor Kauf nun dagegen entschieden. Danke!!!!!!!! Danke !!!!!!!! Danke !!!!!!!!! Dir und Deiner Familie schöne warme Weihnachten und einen guten Rutsch.

  3. Danke für den Erfahrungsbericht. Leider habe ich den auch zu spät gelesen. Bei mir verhindert das Extension Kit, dass ich einen Komfort Heizwert von >18 Grad einstellen kann an der Therme. Ist doch etwas kalt im Winter… Der Support ist leider weder entgegen kommend noch hilfreich…

  4. Danke für die ausführliche Informationen.
    Ich habe auch seit mehr als einem Jahr 5 Heizkörper und ein Raumthermostat in Verwendung.
    Mein Problem sind ebenfalls die Batterielebensdauer!!!
    alle 3 Wochen tausche ich Markenbatterien beim Raumthermostat !!
    Ohne dem steht die Heizung!!!
    Bin am überlegen ob ich die Stromversorgung nicht umbauen werde!

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