Eigene High-Performance-Cloud für 261€

Ich habe in den letzten Wochen viel Zeit damit verbracht, unterschiedliche NAS-Konfigurationen zu testen. Kurzgefasst: Es lohnt sich nicht, eine NAS von QNAP oder Synology zu kaufen. Von meinen WD-Ausflügen will ich schon gar nicht mehr erzählen. Für alle diese Kaufsysteme gilt: Die Performance ist unterirdisch, die Sicherheit bedenklich, und überteuert sind diese Systeme auch. Die in diesem Artikel beschriebene Open Source-Lösung kann für sehr viel weniger Geld mehr Sicherheit und Geschwindigkeit bringen. Warum überhaupt eine eigene Cloud, das erklärt dieser Artikel sehr gut.

nextcloudPi

nextcloudPi ist ein wunderbares Projekt, das eine einfache Installation von nextcloud auf einem Single Board Computer ermöglicht, inklusive Memory-Cache (Redis) und SSL-Zertifikat. Single Board Computer sind kleine Mini-Computer wie der Raspberry Pi, die ab 30€ kosten und dennoch beachtliche Dinge leisten können. Die Installation von nextcloudPi ist wie gesagt einfach, aber noch nicht auf dem Stand, den ein DAU unfallfrei hinbekommen würde. Man kann schon ohne Kommandozeile das ganze System installieren und konfigurieren. Nur manche Begriffe wie dnsmasq sind eben nicht selbsterklärend. Vergleicht man diese Installationsroutine aber mit den Installationsanweisungen von Seafile, dann ist nextcloudPi ein Musterbeispiel dafür, wie man aus etwas Kompliziertem etwas Einfaches machen kann. Seafile ist ein kryptisches Monster, was die Installation betrifft, und das schreibe ich als Informatiker.

An nextcloud gefällt mir, dass anders als bei owncloud kein Geld für die Mobile App verlangt wird und das System irgendwie moderner, flüssiger wirkt. Die App ermöglicht auch, dass Fotos von meinem Handy direkt in meiner Cloud landen und nicht bei Google & Co. Ein Selbstläufer ist es aber in der Regel nicht, da eine bestimmte PHP-Konfiguration benötigt wird, und so einen Memory-Cache installiert man halt auch nicht jeden Tag. All das übernimmt die Installations-Routine von nextcloudPi. Entwickelt wird das von nachoparker:

Odroid XU4 anstatt Raspberry Pi

Der Raspberry Pi hatte sich überraschenderweise sehr gut geschlagen mit der nextcloud-Installation, besser als nextcloud auf der synology oder auf der QNAP. Der Raspberry 3 B+ hat nur einen großen Nachteil, USB (wo die Festplatte dran hängt) und Ethernet hängen am gleichen Bus, und da der Raspberry eh nur mit 100 MBit-Ethernet ausgestattet ist, wird das Schreiben und Lesen nicht gerade schneller, wenn die Festplatte da auch noch dran hängt. 1 GB Arbeitsspeicher ist auch nicht besonders viel.

Nach viel Recherche fiel meine Wahl auf den Odroid XU4 mit 2 GB RAM und 8 (!) Kernen, nachdem ich lange mit dem RockPro64 geliebäugelt hatte (4 GB RAM!). Der XU4 kostet um die 100€, mit Netzteil, Flashspeicher etc zahlt man etwas mehr als 120€. Bei dem RockPro64 gab es zu viele Foreneinträge, welches Betriebssystem welche Probleme macht.

Die Einkaufsliste

Wahrscheinlich kann man die Komponenten irgendwo günstiger kaufen, aber da es bei mir schnell gehen musste, habe ich die folgenden Komponenten genommen:

  • Odroid XU4-Set mit 16 GB eMMC-Modul, Adapter, Case und Netzteil für 123€ (Affiliate-Link)
  • SSD zu USB 3-Adapter für 9€ (Affiliate-Link)
  • SanDisk SSD 1 TB für 129€ (Affiliate-Link); natürlich kann man auch eine bestehende Festplatte nehmen, dann bitte den passenden Adapter besorgen
  • Benötigt wird außerdem ein dynamischer DNS-Dienst, der bei wechselnder eigener IP-Adresse zuhause die Erreichbarkeit von außen unter der gleichen Subdomain ermöglicht; ich habe gute Erfahrungen mit no-ip.com gemacht.

In dem Odroid-Paket ist bereits ein MicroSD-Adapter für die eMMC-Karte enthalten, es wird dann noch ein Adapter für die MicroSD-Karte benötigt, um die eMMC-Karte flashen zu können. Den habe ich nicht in meiner Kostenübersicht einbezogen. Eine eMMC-Karte ist ein extrem schneller Speicher, Fingernagel-groß, der direkt auf den Single Board Computer gesteckt wird.

Die Installation

Zunächst muss das passende System von der nextcloudPi-Seite heruntergeladen werden. Ich wollte Armbian nehmen, da damit schließlich auch andere Sachen möglich gewesen wären, aber damit habe ich die SSD nicht am USB 3.0-Anschluss zum Laufen bekommen. Mit dem Image für das Odroid-Board war das kein Problem. Mit Etcher wird dieses Image dann auf die eMMC geflasht, das dauert ca. 5 Minuten. Und dann kann man die eMMC-Karte auf den Odroid stecken, Ethernet anschließen, den Strom einstöpseln und den kleinen Computer booten. Ich hatte auf das Anschließen eines Monitors verzichtet und einfach im Netz geschaut, welche IP-Adresse der Rechner bekommt. Übrigens keine so schlaue Idee von mir, denn irgendwann will man schon noch per SSH auf den Rechner zugreifen können.

Mit https://<IP>:4443/wizard kommt man auf die Installations-Oberfläche, die durch die Installation führt. Irgendwann wird man aufgefordert, sein USB-Laufwerk einzustöpseln, das dann automatisch gemountet und optional auch formatiert wird. Insgesamt ist man nach maximal 30 Minuten fertig, inklusive Auspacken und Zusammenstöpseln.

Der fertig installierte Odroid XU4 mit angeschlossener SSD; links oben ist der Adapter zu sehen sowie links das Gehäuse.

Die Geschwindigkeit ist der Hammer. Egal ob zuhause im Netzwerk oder draußen, das Ding ist schnell, gefühlt sogar schneller als Dropbox oder Google Drive. Aber was noch wichtiger ist, ich habe meine Daten zuhause (natürlich muss ich dann noch irgendwas aufsetzen, damit ich irgendwo ein verschlüsseltes Backup meiner privaten Cloud in der Cloud habe). Man kann sich natürlich fragen, ob Dropbox oder Google Drive dann nicht doch viel günstiger sind, wenn sie nur 10€ pro Monat für ein TeraByte kosten. Ich brauche mehr als 2 Jahre, um die Kosten reinzuholen. Aber, noch mal, ich habe meine Daten jetzt zuhause und nicht irgendwo. Und schneller ist es halt auch.

Die Konfiguration

Noch ein paar Worte zur Konfiguration. Natürlich aktiviert man 2-Faktor-Autorisierung. Außerdem würde ich dringend dazu raten, im nextcloudPi-Konfigurationspanel dnsmasq zu aktivieren und den DNS-Server des eigenen Rechners auf die IP des Odroid einzustellen. Dadurch können in den Logdateien die einzelnen Rechner im Netzwerk voneinander unterschieden werden.

Als Nutzer legt man für sich selbst einen Standard-Nutzer an, der nicht Admin ist.

Ich habe die Festplatte nicht verschlüsselt. Verschlüsselung drückt die Perfomance und benötigt auch mehr Plattenplatz, aber ich habe mir vor allem darum Sorgen gemacht, dass ich die Schlüssel verliere. Vielleicht hole ich das aber auch irgendwann noch mal nach. Nur geht das dann nur mit neuen Dateien, nicht mit einem bestehenden Set.

Übrigens, auch wenn die Zugangs-URL eine Domain ist, wird im eigenen Heimnetzwerk auch nur lokal kommuniziert. Es wird also nicht der Umweg über das Internet gegangen, auch wenn das vielleicht so aussieht.

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