Die Lüge der Shared Economy

Einen herausragenden Text über die Shared Economy hat Tilman Baumgärtel für die ZEIT-Ausgabe 27/2014 abgeliefert. Darin schreibt er, dass das Schwärmen “von einer nachhaltigeren, partizipativeren Wirtschaft” den Unternehmen gegenüber steht, die sich ausgerechnet an dieser so sozialeren Teile-was-Du-hast-Wirtschaft bereichern wollen. Zum einen unterlaufen laut Baumgärtel Unternehmen wie Uber angeblich Arbeitsstandards und Rechtsvorschriften. Zum andern sind diese Unternehmen nun die Mittelsmänner, durch deren Ausschalten sie angeblich günstiger seien. Ob Uber für einen Taxifahrer wirklich besser ist, da er nun ja nicht mehr die Funkzentrale bezahlen muss, sei fraglich. Baumgärtel sieht außerdem die Gefahr eines neuen Prekariats aus Tagelöhnern, die nur von Arbeitsbörsen leben können: “So entsteht eine Schattenwirtschaft, die wenig mit dem ursprünglichen Ziel der Sharing-Economy zu tun hat, ungenutzte Ressourcen durch gleichberechtigten Tausch zwischen Anbietern produktiv zu machen.” Und da jeder sozusagen selbständig sei, könne man sich auch nicht mehr organisieren für bessere Bedingungen.

Baumgärtel sieht zudem die Gefahr, dass nur diejenigen von der Shared Economy profitieren, die bereits schon mehr haben. Bei AirBnB zum Beispiel verdienen diejenigen, die bereits eine coole Wohnung haben. Meine Erfahrungen hier sind tatsächlich etwas anders, oft genug habe ich erlebt, dass zum Beispiel Pärchen eine von den zwei vorhandenen Wohnungen ab und zu untervermieten oder dass Studenten ein Zimmer frei räumen. Ich habe sogar schon erlebt, dass ein Pariser extra bei einem Kumpel übernachtet hat, nur weil er das Geld aus der Untervermietung seiner Wohnung brauchte. Recht hat der Autor allerdings, wenn er darauf hinweist, dass selbst kostenlose Portale wie Couchsurfing.org nun Gewinne aus dem Engagement Ehrenamtlicher ziehen. Und wer arbeitet noch ehrenamtlich, wenn man für jede Sekunde Geld verdienen kann? “So verkehrt die Sharing-Economy die ursprünglich altruistischen Motive des Teilens und Tauschens in ihr schieres Gegenteil.”

 

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