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Tom Alby

Changers Solar-Charger: Schöne, aber wirkungsarme Idee

2014-06-21


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[Update: Anscheinend verkauft die Firma diese Solarladegeräte nicht mehr]

Als ich das Changers Solarladegerät das erste Mal sah, war ich begeistert von der Idee, und da bin ich nicht allein. Nachdem ich schon einige kleine Solarmodule erfolglos ausprobiert hatte, schien dieses System tatsächlich zu funktionieren. Klimaneutrale Produktion ist ein weiterer Bonus-Punkt (für den man aber Credits benötigt, siehe weiter unten). Die angeschlosse Community brauche ich persönlich nicht, aber das Angeben mit den eigenen Stromsparleistungen ist sicherlich sinnvoller als jeder Cat Content. Auch eine Art Payback-Funktionalität mit Credits für Aufladungen brauche ich nicht, ist aber wahrscheinlich ein Anreiz für manche. Alles in allem also eine gute Idee. Oder?

Im Prinzip ja. Nur ist die Wirkung eher im Minusbereich. Das Solarmodul mit Akku kostet um die 150€. Eine Kilowattstunde kostet bei unserem “grünen” Stromanbieter Lichtblick hochgerundet 27 Cent. Gehen wir von 2 Ladevorgängen täglich aus (2 Handys im Haushalt, ich lade zwar mehr als einmal täglich, aber dann unterwegs), und wir gehen davon aus, dass die Handys jedes Mal komplett entladen sind (unrealistisch, aber einfacher zu rechnen und zum Vorteil für Changers). Der Akku des iPhones hat eine Akkukapazität, die einen Verbrauch von 0,0055KWh ermöglicht. Dann kommen wir bei 365 Tagen auf 2,0075 KWh, was hochgerundet 54,21 Cent entspricht. Mit 2 Handys sind wir hochgerundet bei 1,09€. Im Jahr. Nicht pro Tag.

Wir sind noch mal genauer: Ein Ladegerät verbraucht mehr Strom als es an den Akku weitergibt, man spricht von ca. 70% Effizienz. Der Einfachheit halber tun wir mal so als ob nur die Hälfte des Stroms im Akku ankäme, wieder zum Vorteil von Changers. Dann wären wir bei 2,18€ im Jahr. Wir können jetzt zum Spaß mal annehmen, dass mein Nexus 5 das Doppelte an Strom verbraucht (tut es nicht), zum Vorteil von changers. Wie viele Jahre müsste man das Solarmodul also jeden Tag für 2 Ladevorgänge nutzen, damit es sich zum Stromsparen rentiert, wenn es tatsächlich überhaupt 2 Ladevorgänge schaffte, auch im Winter? Ich bezweifle, dass das Modul und der Akku überhaupt so lange halten. Rein rechnerisch tun wir der Umwelt hier keinen Gefallen.

Ok, es geht hier nicht nur um die Stromersparnis. Sondern auch darum, dass man CO2 spart, der Allgemeinheit ein Bewusstsein zum Stromsparen einpflanzt usw. Dann sollte man aber auch nicht verschweigen, dass das Hochfunken der Ersparnis-Daten WIFI benötigt, was wiederum Strom verbraucht, und auch die Community auf den Servern von Changers.com verbraucht Strom. Ich habe den Eindruck, dass hier mehr mit dem Gutmensch-Gefühl gearbeitet wird als mit einer tatsächlichen Umweltentlastung.

Übrigens: Ein Kühlschrank verbraucht Hunderte Kilowattstunden pro Jahr. Der Kauf eines effizienteren Geräts kann den Stromverbrauch halbieren. Der Return of Investment ist in diesem Fall innerhalb weniger Jahre da, nicht Jahrzehnten oder einem halben Jahrhundert wie bei Changers. Das Auto stehen zu lassen hilft der Umwelt wahrscheinlich auch mehr als dieses Solarmodul in 10 Jahren. Ist allerdings nicht so bequem, und man kann damit auch nicht so gut angeben wie in der Changers.com-Community.

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