30-Tage-Herausforderung im Februar: Mindful Eating

(Meine 30-Tage-Herausforderung für Januar war sehr persönlich und dadurch nicht hier im Blog)

Mindful Eating habe ich im Seminar Search Inside Yourself schon kennen gelernt, und auch wenn es sich leicht anhört, es ist keine einfache Übung. Grundsätzlich geht es darum, auf jeden Bissen des Essens zu achten und nicht achtlos Essen in sich hinein zu stopfen. Im Seminar sollten wir bei jedem Bissen schmecken, wie sich das Essen auf der Zunge anfühlt, welche Geschmacksrichtungen vorhanden sind, aber auch daran denken, wer das Essen zubereitet hat, wie es auf den Teller gekommen ist usw. Ganz natürlich kaut man dann etwas länger, aber es ist unglaublich schwer, nicht an etwas anderes zu denken, zum Beispiel welche E-Mails man unbedingt schreiben muss nach dem Essen. Ist man mit den Gedanken nicht beim Essen, so läuft man eher Gefahr, mehr zu essen, als man eigentlich braucht. Gleichzeitig ist es wahrscheinlich, dass man das Essen auch genießt. Und angeblich funktioniert die Verdauung auch besser, wenn man länger kaut.

Bisher habe ich zwei verschiedene Ansätze gesehen:

  • Essen und schweigen (kein Problem, wenn man allein ist)
  • Essen und reden

Die Schweige-Variante hat den Vorteil, dass man sich wirklich auf das Essen fokussiert, aber es ist schon etwas asozial, wenn man nach einem langen Tag oder einer langen Woche als Familie zusammen am Tisch sitzt und sich anschweigt. Die Alternative ist hier, über das Essen zu reden.

Was ich mir vorgenommen habe:

  • Während des Essens nichts Anderes zu tun. Kein Lesen von Nachrichten. Wenn ich nicht alleine esse, dann konzentriere ich mich auf die Grundzüge des Mindful Eatings (dazu unten mehr) und auf meinen Gesprächspartner.
  • Es wird am Tisch gegessen. Nicht am Schreibtisch. Sondern an einem Esstisch. Nicht auf dem Sofa oder auf dem Sessel. Keine Snacks mehr nebenbei.
  • Nicht nur auf den Geschmack achten, sondern auch auf das Aussehen.
  • Jeden Bissen spüren. Den Geschmack, die Oberfläche, vielleicht auch den Klang des Essens, wenn ich es kaue.
  • Zwischen den Bissen wird das Besteck abgelegt und nicht gleich der nächste Bissen auf die “Schaufel” gelegt.

Keine Salzstangen mehr vor dem Fernseher. Kein Popcorn im Kino. Kein Frühstück oder Lunch am Schreibtisch. Kein Spiegel Online mehr beim Essen. Anfangen soll man übrigens mit einer Mahlzeit am Tag, es müssen nicht gleich alle sein.

Update: Als ich diesen Artikel über Räumungsverkäufe las, musste ich an Mindful Eating denken. In dem Artikel heisst es, dass Geschirr auch bei Ausverkäufen nicht mehr gut läuft, da die Esskultur nicht mehr am gut gedeckten Tisch, sondern aus dem Pizzakarton vor dem Fernseher stattfindet.

Immer mehr, mehr, mehr

Auf meinem Schreibtisch häufen sich die ausgeschnittenen Zeitungsartikel, über die ich bloggen will, doch zu dem gerade stattgefundenen Live Earth-Tag passt dieser Eintrag. Zunächst einmal ist da der Artikel aus der New York Times, der am 25. Juni 2007 als Beilage in der Süddeutschen Zeitung abgedruckt wurde, “Living in the Grip of Technology”. Darin berichtet Laurie J. Flynn von Käufern einer Zweitkamera, eines Zweit-iPods, eines Zwei-Computers und so weiter. So wird ein iPod allein fürs Joggen gekauft, da man Angst hat, das große Modell beim Laufen zu beschädigen. Oder es wird eine zweite Digitalkamera gekauft, die mehr kann als das mittlere Modell, mit dem man sich zunächst begnügen wollte. Oder es wird eine kleinere Kamera für unterwegs dazu gekauft. Die steigende Popularität von Laptops hat zudem dazu geführt, dass Haushalte immer öfter mehr als einen Computer besitzen. Der typische amerikanische Haushalt hat angeblich 25 elektronische Geräte und gibt im Durchschnitt $1.200 jährlich für neue Geräte aus. Man könnte dies als Gegenbewegung zu The Compact verstehen. Nicht weniger konsumieren, sondern immer mehr (dazu fällt mir gerade Herwig Mittereggers “Immer mehr” ein, aber er meinte etwas ganz anderes; schade, dass er anscheinend keine Musik mehr macht btw).

Zu meinen The Compact-Aktivitäten. Fast 4 Monate sind nun vorbei, und mein Konsum hat sich tatsächlich eingeschränkt. Die Ausnahme hier bilden Bücher, aber auch hier habe ich weniger gekauft als sonst und versuche erst einmal die zu lesen, die ich bereits habe. Es gab aber auch Käufe von Neuware:

  • Ein Paar Laufschuhe: Die kann man nicht gebraucht kaufen, bei bestem Willen nicht, aber das wird in der The Compact-Philosophie auch nicht verlangt.
  • Ein neuer Toaster. Ok, darüber kann man streiten. Irgendwie finde ich gebrauchte Toaster unhygienisch, und er war ein verlockendes Angebot, nachdem der alte Toaster immer mehr rumgezickt hatte.
  • Und jetzt kommts: Ein Klavier. Ich habe ein neues Klavier gekauft, kein klassisches, sondern ein Digital-Piano, und natürlich kann man das als absolute Sünde ansehen. Auf der anderen Seite hatte ich mir sehr, sehr lange ein Klavier gewünscht (ich besitze ansonsten nur alte Synthesizer, die immer erst verkabelt und in meinem Mini-Studio angeschlossen werden müssen, spontanes Geklimper ist unmöglich), und ich habe viele Monate nach einem gebrauchten Modell gesucht. Hinzu kam, dass der Musiklehrer unserer Tochter mir eine erstklassige Beratung gegeben hatte, und in seinem Angebot war die Anlieferung sowie ein kleiner Rabatt enthalten. Günstiger hatte ich kein gebrauchtes Modell gefunden (bei eBay waren Neuware stets teurer!), ganz abgesehen davon, dass ich bei eBay noch den Ärger mit dem Transport gehabt hätte. So aber wurde das Klavier geliefert, aufgebaut und einem Funktionstest unterzogen; die Verpackung wurde zudem wieder mitgenommen. Ein wenig versuche ich mein Gewissen auch damit zu beruhigen, dass The Compact den Konsum von Kultur erlaubt, wenn auch immateriell. Das Klavier ist äußerst materiell, aber es erlaubt die Erzeugung von Immateriellem. Wie auch immer, wegen des Klaviers habe ich kein schlechtes Gewissen. Das erste Stück, das ich gespielt habe, stammte aus dem Wohltemperierten Klavier :-)

Eine weitere Variante des Antikonsums sind die Freegans (kommt von Vegans, also Veganern), über die auch die New York Times-Beilage der Süddeutschen berichtete (Ausgabe vom 2. Juli). Im Gegensatz zu The Compact gibt es bereits seit Mitte der 90er Jahre Freeganism, der auf der dazu gehörigen Webseite Freegan.info ausführlich erklärt wird. In dem Artikel wird beschrieben, wie die Freegans am Abend nach der letzten Vorlesung an der NYU die Müllcontainer nach Verwertbarem durchstöbern. Viele reiche Studenten verlassen den Campus und werfen Güter auf den Müll, die zu Augenreiben bei den Freegans führen: Neben unbenutzten Briefmarken findet sich ein voll funktionsfähiger Sharp-Fernseher und schöne Bilder. Doch Freegans gehen sogar weiter und essen gerade Abgelaufenes oder verhandeln mit Supermärkten über Überschüsse, die nicht verkauft werden. Darüber hinaus veranstalten sie freemeets, Flohmärkte, bei denen kein Geld ausgetauscht wird. Das alles tun sie, um gegen den ausser Kontrolle geratenen Konsum zu protestieren und Unternehmen die Unterstützung zu nehmen.
In Hamburg sehe ich immer mehr Menschen, die die Mülltonnen durchwühlen, nicht weil sie gegen den Konsum sind, sondern weil sie sich nichts anderes leisten können. Natürlich sieht man das auch in Amerika, und ich frage mich, wie die, die nicht anders können, über die denken, die nicht anders wollen. Oder über die, die sich gerade den zweiten iPod kaufen.

The Compact: 4 Wochen Erfahrungen

ACHTUNG: The Compact hat NICHTS mit dem Magazin Compact zu tun!

Vor 4 Wochen hatte ich beschlossen, für 6 Monate dem Konsum zu entsagen und nichts Neues mehr zu kaufen, The Compact als Inspiration. Vorab: Es ist einfacher als man denkt, und es ist erleichternd. Es muss nicht mehr auf die letzte Minute irgendetwas gekauft werden, nur weil man irgendetwas kaufen will. Allerdings habe ich auch von Ausfällen zu berichten:

  • 1 Jeans (eine ist kaputt gegangen, und ich hatte zwischen zwei Dienstreisen nicht die Zeit, eine gebrauchte kaufen zu gehen)
  • 1 Speicherkarte für die Digitalkamera (während des Urlaubs hatte ich zu wählen, ob wir entweder weniger Fotos schießen oder den Speicher kaufen; an eBay war kurzfristig nicht zu denken)
  • 1 Software-Update (absolut sinnlos, die Software hatte es vorher gut getan)
  • 1 Buch für das Tochterherz

Alles in allem nicht die großen Ausgaben, aber bis auf das Buch ärgerlich (ich glaube, ich werde bei Büchern generell Ausnahmen zulassen, sofern die Bücher wirklich sofort gelesen werden; ich kann aus beruflichen Gründen auch nicht immer warten, bis ein Buch gebraucht erhältlich ist). Da Lebensmittel erlaubt sind, habe ich von den Dienstreisen Schokolade mitgebracht oder wir haben Geschenke, die wir “auf Vorrat” hatten, verwendet. Meine Freundin hat von der ganzen Geschichte insofern profitiert, da einige Anschaffungen für sie fällig waren; auch sind Ausgaben für Konzerte usw. erlaubt, und somit ist der Geldbeutel also nicht wirklich geschont worden.

Die Teilnehmer der Compact-Gruppe bei Yahoo! gehen noch viel weiter, einige machen sich Gedanken, wie sie bei Gas, Wasser und Strom sparen können, was zu Vorschlägen wie das mehrmalige Verwenden von Wasser führt (Waschwasser nehmen für die Toilette). Energie sparen ist eine gute Idee, und ich habe mir vorgenommen, meinen Rechner nicht mehr im Ruhezustand zu lassen, sondern wirklich runterzufahren, wenn ich ihn nicht brauche.

Noch radikaler ist ein Ehepaar an der Ostküste, das ihr Experiment No Impact nennt und über das sogar die New York Times geschrieben hat: Sie leben nur von organic food, das im 400 Kilometer-Radius von Manhattan angebaut wurde, produzieren keinen Abfall bis auf Kompost, verwenden kein Papier und benutzen keine carbon-fueled transportation. Kein Toilettenpapier. Ganz uneigennützig ist das Projekt nicht, denn der Ehemann ist Schriftsteller und verwendet das Erlebte für ein neues Buch.

Auch wenn ich nicht ganz so radikal vorgehe, so sind die ersten 4 Wochen ganz gut gelaufen. Das ist nun mein Plan für den nächsten Monat:

  • Alles bei ebay loswerden, was ich nicht wirklich brauche
  • Keine Getränke mehr in Plastikflaschen oder Pappbechern kaufen (sofern es sich vermeiden lässt, bei Flugreisen ist das etwas schwierig, schließlich kann man seine eigenen Getränke nicht mehr mitbringen)
  • Die Rechner abends immer runterfahren, ebenso den Fernseher/DVD-Player nicht mehr auf Standby lassen
  • Endlich mal die Bücher lesen, die noch ungelesen im Regal stehen :-)

Weitere Tipps für ein einfacheres Leben gibt es bei Rundgrechte.

The Compact: Leben abseits vom Konsum

In der New York Times-Beilage der gestrigen Süddeutschen Zeitung wird von einer Gruppe berichtet, die sich dazu entschlossen hat, für 6 Monate nichts neues zu kaufen. Die Ziele der Gruppe, die sich The Compact nennt, lesen sich wie folgt (eigene Übersetzung):

  • Über Recycling hinausgehen um den negativen globalen Umwelt- und sozialökonomischen Auswirkungen der Wegwerf- und Konsumgesellschaft entgegenzuwirken und lokale Firmen und Farmer zu unterstützen
  • Das Durcheinander und den Müll im eigenen Heim reduzieren
  • Das eigene Leben vereinfachen

Um diese Ziele zu erreichen gibt es zwei Prinzipien:

  1. Kaufe keine neuen Produkte irgendwelcher Art von Läden, Webseiten, etc
  2. Leihe, tausche oder kaufe gebraucht

Es gibt Ausnahmen, selbstverständlich darf man persönliche Dinge wie Wäsche, Zahnpasta und Zahnbürste neu kaufen, auch muss man selbstverständlich etwas zu essen kaufen. Auch ist es erlaubt, für Immaterielles wie Musik oder Sport Geld auszugeben. Es geht nicht darum, sich selbst zu kasteien, sondern um reflektierten Konsum.

Neben der finanziellen Ersparnis erhalten die Teilnehmer nach Eigenaussage mehr Zeit, die vorher durch Shoppen und seine Auswirkungen verloren gegangen war.

Aus der Aktion der Gruppe wurde eine globale Bewegung. Mehr Informationen gibt es in der Yahoo!-Gruppe, von der es mittlerweile auch ein europäisches Pendant gibt, sowie ein Blog.

Für mich als Gadget-süchtigen ist das Alptraum und Erlösung zugleich, und mir stellen sich gleich mehrere Fragen:

  • Darf ich meinen Liebsten zuhause Überraschungen von langen Reisen mitbringen?
  • Darf ich einen neuen Akku kaufen für meinen Rechner, wenn der alte platt ist?
  • Was ist mit Software?

Abgesehen von diesen Fragen fange ich heute damit an. Und werde davon berichten. 6 Monate.

Jimi: Das Portemonnaie für Leute, die keine Portemonnaies haben wollen

Portemonnaies, Brieftaschen oder Geldbörsen, egal wie man es nennt, ich hege seit Jahren eine tiefe Abneigung gegen sie. Ich kann sie nicht cool in der Gesäßtasche tragen, so kann ich nicht sitzen, was auch an meinem mangelndem Sitzfleisch liegen kann. Und wenn man abends mal weggehen will, dann weiß ich nie wohin damit: Hab ichs hinten, wirds mir geklaut, vorne siehts bescheuert aus, und abgesehen davon stört es mich. Genau für solche Leute wie mich gibts jetzt die Lösung, und sie nennt sich Jimi.

The Jimi Wallet ist kein normales Portemonnaie, sondern eine kleine nette Box aus Plastik, die ein Fach für Geldscheine hat und eines für ein bis zwei Karten, zum Beispiel EC-Karte und Führerschein. Drückt man auf die eine Seite der Box, dann geht sie auf, und ebenso kann man sie auch einfach wieder zusammen klappen. Angeblich hält der Verschluss 1 Million Mal Auf- und zu durch. Das wären (bei 20 Mal täglich Öffnen und Schließen) mehr als 100 Jahre. Kleingeld: Nein. Personalausweis: Nein. Kundenkarten: Nein. Passt gut in eine der Vordertaschen, wo es schwer ist, etwas zu entwenden, und außerdem stört die kleine Box da nicht. Für abends weggehen ideal, denn mehr braucht man nicht. Auch für nachmittags mal in die Stadt gehen. Oder… eigentlich kann man sich fast immer einschränken, denn muss man immer 10 verschiedene Treue- und Bonuskarten, Kreditkarten, Quittungen der letzten Einkäufe etc. dabei haben?

Nette Idee. Hätte ich gerne schon früher gehabt.