Neue versus wiederkehrende Benutzer: Ein nutzloser KPI

Ich habe den Sinn eines bestimmten Diagramms in Google Analytics nie verstanden, und zwar den des Tortendiagramms, das das Verhältnis der neuen Nutzer zu den wiederkehrenden Nutzern zeigt. Es war früher im Standard-Dashboard, das ein Nutzer nach dem Login sah, und ich hatte mich immer für dieses Diagramm entschuldigt, wenn ich während meiner Zeit bei Google eine Google Analytics-Demo gezeigt hatte.

Tortendiagramm: Nur für statische Zusammensetzungen

Was ist so schlimm an diesem Diagramm? Zunächst einmal wird ein Tortendiagramm für statische Zusammenstellungen verwendet. Wenn ich wissen möchte, wie die Geschlechteraufteilung meines Kurses ist, dann ergibt ein Tortendiagramm Sinn. Die Geschlechter werden sich größtenteils nicht ändern während des Kurses.

Die meisten Webseiten wollen aber die Anzahl ihrer Besucher erhöhen, sei es durch neue Nutzer, wiederkehrende Nutzer oder beides. Eine Entwicklung ist also das Ziel, und somit ist ein Tortendiagramm nicht sinnvoll, da es ja statische Konstellationen zeigt. Ein Liniendiagramm, das die Entwicklung über die Zeit zeigt, ist in den meisten Fällen sicherlich eine bessere Wahl.

Die beiden Metriken sind unabhängig voneinander

Ich gehe jetzt aber noch einen Schritt weiter und behaupte, dass diese beiden Metriken nichts miteinander zu tun haben und deswegen auch nie in einem Diagramm dargestellt werden sollten. Neue Benutzer können wiederkehrende Nutzer werden, müssen es aber nicht. Und wiederkehrende Nutzer können in dem gleichen Zeitraum auch neue Nutzer gewesen sein, sie werden dann zwei Mal gezählt. Wenn ein Nutzer also in beiden Teilen des Tortendiagramms auftauchen kann, was sagt das Verhältnis der beiden Teile zueinander dann aus?

Neue Nutzer entstehen durch Marketing. Idealerweise kommen wiederkehrende Nutzer dadurch zustande, dass die Inhalte so toll sind, dass die Nutzer nicht mehr ohne sie leben wollen. Wenn ich keine neuen Nutzer bekomme, dann muss ich mein Marketing optimieren. Wenn meine Nutzer nicht wiederkehren, dann muss ich meine Inhalte optimieren. Da wir immer auf der Jagd nach sogenannten “Actionable Insights” sind, warum sollten wir dann zwei Metriken in einem Diagramm darstellen, wenn sie unterschiedliche korrigierende Maßnahmen erfordern?

Außerdem: Ich kann zwei Wochen lang viel Geld für Marketing ausgeben, so dass sich der Anteil neuer Nutzer massiv erhöht und der Anteil wiederkehrender Nutzer in der Ratio dadurch stark verringert. Selbst wenn die absolute Zahl wiederkehrender Nutzer gleich bleibt, würde die Ratio uns vermitteln, dass wir weniger wiederkehrende Nutzer hätten. Aus diesem Grund sollten diese beiden Metriken nie zusammen als Ratio, sondern stets getrennt angezeigt werden. Serviervorschlag: Ein Graph mit der Entwicklung der neuen Nutzer mit den Akquisekanälen, ein Graph mit den wiederkehrenden Nutzern und den Inhalten, die für die Wiederkehr verantwortlich sein könnten.

Was ist eigentlich mit den nicht-wiederkehrenden Nutzern?

Diese Frage stellte heute eine Kursteilnehmerin, und diese Frage finde ich aus mehreren Gründen gut. Wir wissen nicht, ob neue Nutzer wiederkehrende Nutzer sein werden (abgesehen von denjenigen neuen Nutzern, die in unserem Zeitraum neu als auch wiederkehrend sind, weil sie 2 Mal kamen, aber sie könnten sich natürlich in der Zukunft gegen einen weiteren Besuch entscheiden). Insofern könnte jeder Nutzer, der einmal dagewesen ist, irgendwann einmal in der Zukunft wiederkommen. Technisch gesehen kann kein Nutzer, der seine Cookies gelöscht hat, als wiederkehrender Nutzer bei uns wieder auftauchen, von User ID-Gebrauch einmal abgesehen. Aber dennoch finde ich die Frage spannend, da ich mich in einem anderen Kontext mit ihr beschäftigt habe: Ab wann muss ich einen Kunden bei einem Produkt, das regelmäßig gekauft wird, als verloren ansehen?

Die Grafik soll meine Gedanken dazu verdeutlichen. Wir haben einen Punkt “Heute” und drei Nutzer, blau, rot und grün. Nutzer blau kommt in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen vorbei. Bei dem Zeitpunkt “Heute” würde ich davon ausgehen, dass er auch in Zukunft wiederkommt, zumindest scheint die Wahrscheinlichkeit hoch zu sein. Nutzer grün war erst vor kurzem da. Er hatte vielleicht keine Chance, wiederzukommen. Nutzer rot war vor langer Zeit da, und verglichen mit den Zeitabständen, die Nutzer blau zwischen seinen Käufen hat, scheint die Wahrscheinlichkeit einer Wiederkehr gering zu sein. Er kann wiederkommen, aber ihn würde ich eher mit einem Incentive anlocken als Nutzer grün, der eventuell eh wiederkommen wird (pull-forward cannibalization).

Wir können also nichts Genaues über nicht-wiederkehrende Nutzer sagen, denn wir kennen die Zukunft nicht. Aber wir können mit Wahrscheinlichkeiten rechnen. Bei reinen Nutzern eventuell nicht so spannend. Aber bei Shop-Kunden schon spannender.

Wie man ganz viel Zeit mit einer NAS verschwenden kann

Von Synology, QNAP, owncloud und nextcloud

Vor Jahren hatte mir Dropbox mal ein Buchprojekt gerettet. Mein damaliges MacBook machte plötzlich KlackKlackKlack, die Festplatte war hin. MacBook zugeklappt, iMac eingeschaltet, eine Minute gewartet, und schon war mein Text bis auf einen Satz auf den iMac synchronisiert. Ich konnte einfach weiterschreiben, weil die lokalen Daten ständig mit der Cloud synchronisiert wurden.

Warum um alles in der Welt sollte man sich zuhause einen Server hinstellen?

Die Datenmengen waren 2006 andere. Heute habe ich mehrere Terabytes an Daten, und nicht alle passen auf die SSD meines Rechners. Gleichzeitig ist keine Cloud der großen Anbieter vertrauenswürdig. Mit dem Dropbox-Hack war mein Vertrauen komplett vorbei. Eine eigene Cloud ist die Lösung, auch wenn das mehr Komplexität bedeutet. Aber die eigenen Daten sind in den eigenen vier Wänden und nicht irgendwo auf der Welt. Man tauscht Sicherheit gegen Bequemlichkeit, und solange die Technik nicht supereinfach ist, wird die Lösung nichts für die breite Masse sein.

Natürlich ist es mit der eigenen Cloud zuhause nicht getan. Es könnte jemand einbrechen und die Hardware klauen. Ganz abgesehen davon, dass die Daten dann weg sind, könnten die Daten auch in falsche Hände geraten, wenn die Festplatte nicht verschlüsselt ist.

Noch wahrscheinlicher: Die Festplatte geht kaputt. Das tun Festplatten nun mal, egal wie teuer sie sind. Ein RAID kann helfen. Aber wenn es mal brennt oder ein Wasserschaden die Hardware zerstört, dann sind die Daten auch futsch. So ganz ohne externe Cloud geht es also auch nicht, wenn man wirklich Datensicherheit haben will. Nur möchte man diese Daten extern auf jeden Fall verschlüsselt speichern. Und dann haben wir wieder das Problem mit den riesigen Datenmengen…

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Weder schwarz noch weiß – Oder was die Zauberflöte heute noch zu sagen vermag

Vorab: Ich war ein großer Verehrer der Achim Freyer-Inszenierung der Zauberflöte an der Hamburgischen Staatsoper, die bei ihrer Premiere 1982 neben Applaus auch Buhrufe bekam. Diese Inszenierung war aufgrund ihrer Verspieltheit nach über 30 Jahren gefühlt immer noch modern, und ich habe sie bestimmt ein Dutzend Mal gesehen. Die Interpretation, dass Tamino alles geträumt haben könnte und sich deswegen zum Schluß selbst beobachten kann, fand ich zwar stets eigenwillig, aber die Bilder Freyers waren einfach wunderschön.

Die Zauberflöte hat für die Hamburgische Staatsoper vielleicht eine besondere Bedeutung, schließlich war sie das erste Stück, das 1955 nach dem Wiederaufbau des Opernhauses gegeben wurde. Zudem existiert eine DVD mit einer von Peter Ustinov in den 60er Jahren in Hamburg inszenierten Aufführung, die wahrscheinlich die Brücke zwischen der Wiedereröffnung und der Freyer-Inszenierung bildete.

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Monika Lewinsky

Als dieser “Skandal” passierte, studierte ich noch. Es war alles irgendwie weit entfernt. Und man dachte sich, was für einen Job kann diese Frau noch irgendwann bekommen?

Search Inside Yourself

Ich hatte Anfang des Monats die Möglichkeit, das Seminar Search Inside Yourself zu besuchen. Initiiert wurde es von Meng, einem Softare-Entwickler bei Google, und mittlerweile kann das Seminar auch außerhalb von Google besucht werden. Viele Seminarteilnehmer berichten, dass es ihr Leben verändert hätte, und manche haben nach dem Seminar ganz neue Wege eingeschlagen. Wenn ich so etwas lese, dann werde ich zunächst einmal skeptisch, denn das klingt für mich sehr esoterisch und alles andere als anziehend. Es gibt aber auch wissenschaftliche Indizien dafür, dass Meditation und Achtsamkeitsübungen einen positiven Einfluss auf das Gehirn haben, insbesondere auf die Konzentrationsfähigkeit. Ein Versuch ist es wert, dachte ich mir.

Anders als die Kollegen in Mountain View habe ich das Seminar mehrere Tage hintereinander gehabt und nicht einzelne Tage über mehrere Wochen. Es waren zweieinhalb sehr intensive Tage. Ich werde nicht alles aus dem Training erzählen, es gibt auch ein sehr gutes Buch dazu, welches in jeder Hinsicht besser ist als das, was ich hier schreiben kann (das bereits 2012 gekaufte Buch hatte mich übrigens dazu bewegt, das Seminar zu belegen). Es gibt aber auch ein paar Unterschiede zum Buch, der wichtigste ist sicherlich der, dass man während des Seminars nicht anders kann als die Übungen durchzuführen.

Eine Meditations-Übung ist mir besonders in Erinnerung geblieben, die mit dem Konzept “Kindness” (am ehesten mit Liebenswürdigkeit oder Nächstenliebe zu übersetzen) zu tun hat. Man sitzt einem anderen Teilnehmer gegenüber, in meinem Fall war es eine junge Kollegin, mit der ich vorher nie gesprochen hatte. Wir sollten uns das Gesicht des anderen einprägen und dann die Augen schließen. Und dann kamen Sätze wie:

  • Dein Gegenüber hat einen Körper und einen Geist/Seele (mind), so wie Du.
  • Dein Gegenüber hat Gefühle und Gedanken, so wie Du.
  • Dein Gegenüber hat in seinem Leben Traurigkeit gespürt, Enttäuschung, Verletzungen und Verwirrungen, so wie Du.
  • Dein Gegenüber wünscht sich frei von Angst, Schmerz und Leiden zu sein, so wie Du.
  • Dein Gegenüber wünscht sich gesund, geliebt und glücklich zu sein, so wie Du.
  • Nun wollen wir uns etwas wünschen für Dein Gegenüber:
  • Ich wünsche meinem Gegenüber die Kraft, die Ressourcen und den emotionalen Support, durch die Schwierigkeiten im Leben zu navigieren.
  • Ich wünsche meinem Gegenüber frei zu sein von Schmerz und Leiden.
  • Ich wünsche meinem Gegenüber glücklich zu sein.
  • Denn mein Gegenüber ist ein menschliches Wesen, so wie ich.

Dann öffneten wir unsere Augen. Ich kann das Gefühl kaum beschreiben, das ich in dem Moment hatte.

Hier ist Mengs Vortrag bei den Vereinten Nationen, man kann deutsche Untertitel dazu schalten:

Und hier ein paar weitere Links: