Andrea Mastroni


 

Die Serie der Berliner Philharmoniker über die Goldenen 20er begann mit einer Symphonie von Weill und Oedipus Rex von Strawinsky. Und hier war der Bass Andrea Mastroni zu sehen und zu hören. Tatsächlich hatte ich ihn schon mal in Hamburg live gesehen, und zwar in der von mir nicht wirklich gemochten neuen Inszenierung der Zauberflöte:

Der Bass hat eigentlich Klarinette gelernt und scheint ein Faible für Gothic-artige Ästhetik zu haben:

Sehr zu empfehlen ist sein Album Melancholia, aus dem auch das folgende Stück stammt:

 

Weder schwarz noch weiß – Oder was die Zauberflöte heute noch zu sagen vermag

Vorab: Ich war ein großer Verehrer der Achim Freyer-Inszenierung der Zauberflöte an der Hamburgischen Staatsoper, die bei ihrer Premiere 1982 neben Applaus auch Buhrufe bekam. Diese Inszenierung war aufgrund ihrer Verspieltheit nach über 30 Jahren gefühlt immer noch modern, und ich habe sie bestimmt ein Dutzend Mal gesehen. Die Interpretation, dass Tamino alles geträumt haben könnte und sich deswegen zum Schluß selbst beobachten kann, fand ich zwar stets eigenwillig, aber die Bilder Freyers waren einfach wunderschön.

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Deutsche Komposita


Tor-Flaute oder Torf-laute?

Andere Beispiele für Missverständnisse in der Dekonstruktion von Komposita:

  • Teesorte: Tees + orte
  • Druckabfall: druck + abfall (kann zu ganz anderen Zusammenhängen führen)

The Nomi Song


Habe heute Abend The Nomi Song gesehen, die Dokumentation über Klaus Nomi, der in Berlin geborene Countertenor, der Anfang der 70er Jahre sein Glück in New York versuchte und wenige Jahre Ruhm genießen konnte, bevor er 1983 als einer der ersten Berühmtheiten an AIDS verstarb. Ich habe Klaus Nomi das erste Mal Anfang der 80er Jahre gesehen, als er bei “Na Sowas” mit Thomas Gottschalk aufgetreten war, ich muss ungefähr 10 Jahre alt gewesen sein. Das Lied “Total Eclipse” kennen die meisten wahrscheinlich nur von Rosenstolz mit Marc Almond.

Die Dokumentation fand ich eher enttäuschend, da zum Beispiel der zeitliche Rahmen der einzelnen Karriereschritte Nomis unklar bleibt. Die Einflüsse der 20er Jahre (zum Teil erinnern mich die Kostüme an die Kostüme des Bauhaus-Theaters) bleiben fast unerwähnt. Trotzdem ist einiges interessantes Filmmaterial dabei, das zuvor nicht veröffentlich worden war, vor allem private Aufnahmen, die Nomi ungeschminkt zeigen. Traurig stimmen die Aussagen seiner ehemaligen Bandmitglieder, die ihn nicht mehr im Krankenhaus besuchten, als er im Sterben lag; er muss sehr allein gewesen sein, denn niemand wusste zu der Zeit, ob der “Schwulen-Krebs” ansteckend war oder nicht (erwähnt werden sollte dies auch, da seine ehemaligen Bandmitglieder nicht böswillig waren, er hatte sie zudem zuvor auch unfair behandelt).

Ein wunderschönes Video ist dann noch dieses hier, The Cold Song, wo Nomi schon etwas gezeichnet war:

 

Andre Rieu in San Francisco


Wer bisher dachte, dass wir in Europa fraglos alles übernehmen, was wir von den Amerikanern bekommen koennen und somit unsere Kultur untergraben: Es ist UMGEKEHRT! Andre Rieu ist, so der Verkäufer, sehr erfolgreich in den USA.

Massive Attack in den Docks in Hamburg


Der Massive Attack-Abend in den ausverkauften Docks begann mit einer quälenden Warterei: man merkt, dass man älter wird, wenn man sich fragt, ob es keine Sitzplätze bei einem Konzert gibt 🙂 20 Uhr stand auf der Karte, 20 vor 8 waren wir da, und als wir reinkamen und zwei Schlagzeuge sahen (ein akkustisches und ein elektronisches Set), dachten wir, ok, hoffentlich kommt die Vorband wenigstens pünktlich und spielt nicht so lange (übrigens ein fettes Kompliment an die Türsteher von den Docks: So freundlich bin ich noch nie an der Tür behandelt worden!).

Als bis 21 Uhr lediglich die Roadies auf der Bühne zu sehen waren und ich mich wunderte, warum die noch nicht fertig waren mit dem Aufbauen, wurde ich langsam nervös. 3/4-Stunde Vorband, 3/4-Stunde Umbau, dann vielleicht 1 1/2-Stunden Massive Attack, könnte eine längere Angelegenheit werden. Das Publikum war sehr gemischt, zum Teil hatte ich mit meinen 34 Jahren den Eindruck, dass ich den Altersdurchschnitt noch senken würde. Blue Lines, die erste Platte von Massive Attack, ist aber auch schon 1991 heraus gekommen.

Kurz nach 21 Uhr betraten ein paar Herren die Bühne, hinter jedes Schlagzeug setzte sich ein Schlagzeuger, und kurz darauf betrat auch Robert Del Naja die Bühne. Der Sound war fett, und es wurde zu einem der wenigen Konzerte, bei dem der Sound besser war als auf der CD. Beim zweiten Stück, Risingson, kam auch Grant Marshall auf die Bühne. Die Herren Del Naja und Marshall nahmen sich sehr zurück und überließen anderen Sängern wie Horace Andy oft die Bühne. Eine der Sängerinnen war glaube ich Elisabeth Fraser von den Cocteau Twins, den Namen der anderen Sängerin, die auch durch ihre weibliche Figur auffiel, habe ich leider nicht verstanden (siehe das Bild unten, wo sie mit Horace Andy singt).

Ihre Stimme wirkte bei Hymn of the Big Wheel erst dünn, bei Safe from Harm änderte sich der Eindruck aber gewaltig. Beeindruckend bei diesem Konzert war, dass anscheinend nichts von der Festplatte kam, auch die kleinsten Details wurden live gespielt (was auch erklärt, warum zwei Schlagzeuger notwendig waren). Genau das machte das Konzert zu einem Erlebnis.

Del Naja wies zwischendurch auf die Unterstützung der HOPING-Foundation, die palästinensischen Flüchtlingskindern hilft – allerdings in einem so flotten Bristol-Englisch, dass kaum etwas zu verstehen war.

Haben T-Shirts früher nicht mal 30 DM gekostet? Heute kosten sie 30 Euro. Unglaublich.

Die Set List:

  • False Flags
  • Risingson
  • Black Melt
  • Karma Koma
  • Butterfly Caught
  • Hymn of the Big Wheel
  • Mezzanine
  • Teardrop
  • Angel
  • Future Proof
  • Safe from Harm

Zugabe:

  • Inertia Creeps
  • Unfinished Sympathy
  • Group Four