Ein Jahr Erfahrung mit Scalable Capital

In diesem Monat feiert meine Anlage bei Scalable Capital ihren ersten Geburtstag; Zeit, sich die bisherige Leistung genauer anzuschauen. Über erste Erfahrungen mit Scalable Capital sowie die Situation rund um den Brexit hatte ich schon berichtet. Seitdem habe ich zwar ab und zu mal reingeschaut, aber keinen Anlass zu einer Aktion gesehen, auch wenn die Nachrichten sich seitdem fast überschlagen hatten und mit dem Schlimmsten gerechnet wurde. Aber es kam nicht so schlimm, ganz im Gegenteil, die Börsen feiern Kursgewinne ohne Ende.Der DAX 30 ist in diesem einen Jahr um 27,6% gestiegen, der Dow Jones 30 um 18,7%. Und Scalable Capital?

  • Zeitgewichtete Rendite: 4,40%
  • Einfache Rendite: 3,56%
Dashboard von Scalable Capital
Dashboard von Scalable Capital

Bei einem Aktienanteil von 33% ist das Ergebnis zumindest verwunderlich. Der Löwenanteil meines Investments wurde vom Scalable Capital-Algorithmus in Unternehmensanleihen geschubst (41%), mehr als 1/3 meines Geldes liegt in Unternehmensanleihen in Europa. Ein defensiv aber aktiv gemanagter Fonds wie Allianz Kapital Plus hatte in dem Jahr eine Rendite von 4,1%, wobei hier noch Gebühren abgezogen werden müssten. Ein anderes Produkt aus dem gleichen Hause, auch ein aktiv gemanagter Fonds, allerdings viel aggressiver, der Allianz Global Insights, schafft 21,5%. Das ist natürlich nicht vergleichbar.

Bei einer Anlagestrategie von 10% VaR war mir klar, dass hier keine aggressive Strategie gefahren wird. Aber etwas mehr hätte ich mir in dem gegenwärtigen Umfeld schon gewünscht, das hätte der Aktienanteil “gefühlt” hergeben müssen.

Ich war übrigens auch auf einer Veranstaltung von Scalable Capital hier in Hamburg, und bei manchen Folien des Profs hatte ich schon Fragezeichen (EDIT: Diese konnten bei einem weiteren Treffen aus der Welt geräumt werden). Auf der anderen Seite saß ein Rentner neben mir, der meinte, dass er das Grinsen gar nicht mehr aus dem Gesicht bekäme, wobei er in der aggressivsten Anlagestrategie investiert hatte.

Für mich bedeutet das, dass ich zwar bei Scalable Capital bleibe, aber wieder etwas Geld abziehen werde, denn etwas mehr Performance darf es schon sein.

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8 Comments

  1. Danke für einen der wenigen, die hier ehrliche, selbst gemachte Erfahungen posten. Bei allen zugänglichen Scalable-Meldungen dachte ich schon, ich wäre der Einzige, der immer mehr Zweifel am Konzept bekommt. Seit Jahresanfang fahre ich einen privaten Wettbewerb mit eigenem investiertem Geld und vergleiche folgende Strategien in Bezug auf Risiko und Rendite:
    * Scalable Capital, VaR 15%
    * Dach-ETF (d.h. ähnlich breit gestreutes und ETF-automatisiertes Konzept, aber mit nur einer Trivial-Anpassung: Rücksetzen auf Ausgangsaufteilung 1 x pro Jahr)
    * Eigenes Stockpicking mit Aktien und Bonuszertifikaten

    Derzeitiger Zwischenstand:
    Scalable: 1,7%
    DachETF: 3,57%
    Eigenpicking: 9%

    Auch wenn ich mir die Volatilität oder gegenseitige Abhängigkeiten (z.B. um wieviel fällt/steigt Scalable wenn MSCI oder EuroStoxx oder mein DachETF um x% fällt) ansehe, liegt Scalable derzeit weit zurück.
    Ich maße mir nicht an, als Laie das beste Anlegerwissen zu haben und mir wegen des Zwischenstandes stolz auf die Schulter zu klopfen. Auch sind 5 Monate noch keine allzulange Zeit, mein Vergleich endet am Jahresende. Aber langsam darf Scalable “in die Gänge kommen”, denn überzeugend ist der Zwischenstand jedenfalls nicht.

  2. Hallo Herr Alby,

    vielen Dank für Ihren Erfahrungsbericht und das uns seit nun mehr als einem Jahr entgegengebrachte Vertrauen.

    Um die Performance Ihrer Anlage vergleichen zu können, sollten Sie diese immer ins Verhältnis zum eingegangenen Risiko setzen. Grundsätzlich gilt: Risiko ist Ihr “Preis” für langfristige Rendite.
    Risikoadjustiert wurde deshalb ein gutes Ergebnis erzielt.

    Die von Ihnen gewählte Risikokategorie 10% Value-at-Risk (VaR) entsprach in der Vergangenheit einem Portfolio, das im Durchschnitt 69% Anleihen, 23% Aktien, 3% Immobilien, 3% Rohstoffe und 2% Tagesgeld enthielt und zählt damit zu unseren risikoärmeren Anlagestrategien.
    Zum Vergleich: Deutsche Staatsanleihen hatten zwischen 1997 und 2016 einen mittleren VaR von 5% und der DAX lag bei einem mittleren VaR von 39% (siehe https://de.scalable.capital/anlagestrategien/sicherer-als-der-dax/).

    Natürlich hätten Sie auch in einen DAX-ETF investieren und sich “schlafen legen” können, wie Sie es in einem Ihrer Blog-Einträge beschrieben haben. Dies ist in der Realität aber oft nicht so leicht. Gerade wenn man bedenkt, dass der DAX von März 2000 bis März 2003 um 73% und von Juli 2007 bis März 2009 um 55% abstürzte. Anfang 2016 genügten dem DAX sogar nur wenige Wochen, um knapp 20% an Wert zu verlieren.
    Hand aufs Herz: Hätten Sie bei so heftigen Kurseinbrüchen weiterschlafen können?

    Gerade in solchen Marktphasen macht sich aktives Risikomanagement bezahlt, da Ihr Portfolio laufend überwacht und dynamisch an das Marktumfeld angepasst wird, um Ihre Risikovorgabe einzuhalten.
    Der von Ihnen genannte Aktienanteil ist deshalb kein Durchschnitt, sondern Ihr bisheriger Höchstwert. In den Tagen vor dem EU-Referendum in Großbritannien lag Ihr Aktienanteil bei gerade einmal 9%, Anfang Januar bei 19% und zurzeit, wie von Ihnen beschrieben, bei 33%. Deshalb ist ein Vergleich mit einem Fonds wie dem Allianz Kapital Plus auch immer schwierig, da dieser einen höheren durchschnittlichen Aktienanteil aufweist (ca. 30%) und zudem nicht nach Ihrer Risikovorgabe gesteuert wird und somit mit dem Marktrisiko schwankt.

    Anleger die aktienähnliche Renditen (7 bis 8% p.a.) anstreben, müssen schlicht und einfach höhere Risiken eingehen und somit gleichzeitig höhere Schwankungen und zwischenzeitliche Verlustphasen aushalten können. Unsere 25% VaR Kategorie entspricht z.B. dem langfristigen Verlustrisiko eines breitgestreuten Aktienportfolios, wie dem MSCI World.
    Ihre Risikokategorie können Sie selbstverständlich jederzeit anpassen und dadurch Ihr Risikoprofil ändern. Wir würden uns über ein Gespräch mit Ihnen freuen.

    Abschließend tut es uns natürlich leid, wenn unser Mitgründer Prof. Mittnik bei Ihnen keinen positiven Eindruck hinterlassen hat. Wir können Ihnen aber versichern, dass er ein sehr offener und herzlicher Mensch ist. Ein wenig akademische Sozialinkompetenz darf man bei Professoren nicht mit Arroganz verwechseln.

    Viele Grüße
    Ihr Scalable Capital-Team

  3. Liebes Scalable Capital-Team,

    vielen Dank für Ihre Antwort. Das meiste wusste ich bereits und hatte es auch erwähnt in diesem oder den anderen Artikeln zu meinen Erfahrungen. Risiko und Chance sind nicht ohne einander zu haben, vollkommen klar, ich bin kein kompletter Anfänger, und so eine Marketing-Antwort hilft mir nicht wirklich weiter. Ich hatte “gefühlt” etwas im höheren einstelligen Bereich an Performance erwartet. Dass ein zweistelliger Wert nicht realistisch ist, das ist auch mir klar. Die Frage, die sich mir stellt, ist, wie die durchschnittliche Vorhersage der Wertentwicklung jemals zu erreichen sein soll, wenn die Höhen an den Märkten nicht zumindest etwas mitgenommen werden? Denn wenn ich das so nachrechne, dann ist selbst der durchschnittliche Wert extrem optimistisch.

    Akademische Sozialinkompetenz, das ist ja wohl ein Klischee… Vielleicht erinnert sich ja Herr Prof. Mittnik noch an meine Frau und mich, als der Vortrag in Hamburg im Riverside stattfand, wir hatten ihm nämlich ein Bier besorgt nach seinem Vortrag, aber allen anderen Teilnehmern den Vortritt gelassen bei den Fragen. Und dann wurde ich etwas abgebügelt, als ich meine Frage zu dem statistischen Verfahren insbesondere den niedrigen Korrelationskoeffizienten stellte (irgendwas unter 0.3 wenn ich mich recht erinnere, ich bin natürlich kein Statistik-Professor, arbeite zwar mit statistischen Verfahren, und da war die Aussage, “ja, das passt schon bei der Fragestellung” etwas unbefriedigend für mich). Aber ich wollte mich nicht vor den anderen Teilnehmern inhaltlich akademisch streiten, ich wollte nur verstehen. Es ist ja auch egal, welchen Eindruck jemand hinterlässt, für mich zählen nur Ergebnisse. Und die kann ich besser interpretieren, wenn ich mehr verstehe.

    Von der Idee bin ich übrigens immer noch überzeugt. Ich hatte in der App auch nach der Möglichkeit gesucht die Anlagestrategie zu wechseln, diese aber nicht gefunden. Oder ist die Erwartung, dass ich ein zweites Portfolio eröffne und dort ein höheres Risiko wähle? Wie auch immer, das Vertrauen hat gelitten nach einem Jahr. Mein Finanzberater ist gegen Scalable Capital angetreten, gleiches Briefing, Risiko minimieren, wollte auch nur 1%, mal sehen was er für Ergebnisse präsentiert. Mensch gegen Maschine.

    Beste Grüße

    TA

  4. Sehr interessante Diskussion zwischen Herrn Alby und Scalable, die ich als jemand mit ebenfalls einem Jahr Erfahrung gut nachvollziehen kann! Mein erstes Portfolio seit April 2016 ist ein defensives mit einem VaR Faktor von 10, also überwiegend Anleihen. Die Performance hier mit zeitgewichtet 4,4% ist akzeptabel. Anfang des Jahres habe ich dann aber entschieden, die Risikoschraube auf das Maximum von 25% anzuziehen und habe am 10.1.17 20 TEUR hier angelegt. Dazu gehört ein Aktienanteil von 80%, man sollte also meinen, dass in Anbetracht der trotz Trump & Co (oder wegen?) eine solche Anlage ordentlich performen sollte. Der MSCI Global machte seit Jahresanfang 6%, der UniGlobal, ein weltweit investierender Aktienfonds 6,4%. Und mein Scalable VaR 25% Portfolio? Zeitgewichtete und einfache Rendite: 2,7%, in Euro 490,00. Klar, Scalable wird nun argumentieren, was man alles nicht miteinander vergleichen kann. Und 4 Monate sind natürlich auch zu kurz für die Beurteilung einer Anlagestrategie. Allerdings ist für mich die Kompetenz des Roboadvisors speziell in Aktien-dominierten Portfolios nunmehr unter verschärfter Beobachtung. Übrigens fand zeitgleich zur Präsentation von Scalable in Hamburg die eines Wettbewerbers statt: Liqid, dort wurden die Teilnehmer sehr freundlich behandelt …

  5. Bitte nicht falsch verstehen, insgesamt waren die Kollegen von Scalable sympathisch rübergekommen, es ging nur um die Situation bei der inhaltlichen Nachfrage, wo ich enttäuscht war.

    Wir konnten Sie denn die Risikoschraube hochdrehen? Manuell oder durch Supportkontakt?

  6. Eröffnung eines 2.Portfolios !

  7. Hallo,

    Sie können die Risikokategorie Ihres bestehenden Portfolios jederzeit ändern, eine E-Mail an unser Service-Team genügt. Die Eröffnung eines zweiten Portfolios ist dafür nicht nötig.

    Viele Grüße und eine schöne Woche
    Ihr Scalable Capital-Team


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