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Nächste Seite: Literatur Aufwärts: Zusammenfassung und Ausblick Vorherige Seite: Fazit Inhalt Wohin wird die Reise gehen?Die Zukunft der digitalen Medien ist von verschiedenen Faktoren abhängig:
Die Entwicklung wird sich - wie auch teilweise von den Verlagen vermutet - zunehmend auf das Internet konzentrieren. Die DVD, vor wenigen Monaten noch als Nachfolger der CD-ROM gepriesen, hat sich bis heute nicht durchsetzen können und wird es, wenn die bisherige Entwicklung andauert, auch nicht tun. Stattdessen wird momentan an vielen Stellen gleichzeitig daran gearbeitet, Inhalte über das Internet zu verkaufen. Gleichzeitig wird versucht, immer mehr Kunden für das Internet zu gewinnen, zum Beispiel durch im Preis reduzierte Computer, die der Kunde für eine langfristige Mitgliedschaft bei einem Provider erwerben kann. Auch der Kauf von Netscape durch AOL und SUN Microsystems scheint in die Richtung zu gehen, Computer gegen eine langfristige Bindung an einen Content-Provider verbilligt abzugeben (siehe auch http://www.heise.de/newsticker/data/jo-09.12.98-000/default.shtml; zuletzt gesehen am 22.3.1999) Eine andere für die Entwicklung digitalisierter Klassiker interessante Richtung schlagen die elektronischen Bücher ein, die vor wenigen Monaten auf den Markt gekommen sind.25 Diese Mini-Computer mit flachen Displays werden über das Internet oder andere Netzwerke mit neuem Lesestoff und mehr versorgt:
Bei diesem Verfahren fallen keine Frachtkosten an, keine Rücksendungen, keine Auslieferungsverzögerungen. Ganze Bibliotheken von Gerichtsfällen passen in eine Handtasche, der ganze Lesestoff eines Semesters in ein einziges Buch. Dank ihrer Vereinbarungen mit Bücherclubs, großen Verlagshäusern und Online-Buchläden (Bertelsmann und Barnes und Noble haben je zwei Millionen Dollar in die Entwicklung des RocketBook investiert) sind alle drei Firmen in ein Netzwerk von Produkten und Serviceleistungen eingebettet. (Silbermann 120, siehe auch c't 6/99, 192-193) Keine Ladenschlußzeiten, keine Berge von Papier, keine Druck- und keine Papierkosten... Doch die Vorteile elektronischer Bücher liegen nicht nur im Vertrieb und in der Produktion: das Softbook und das RocketBook werden mit einem Stift ausgeliefert, mit dem Anmerkungen an den Textrand geschrieben werden können:
Sachs und Pomeroy können sich sogar vorstellen, daß Studenten ein Aufgeld bezahlen für Kopien von Büchern, die bereits mit Kommentaren versehen sind; es wird ,,Director's Cut``-Ausgaben von Büchern geben, die Fußnoten der Autoren enthalten. (Silbermann 121) Auch die Verwandschaft zum Ahnen Buch wird betont: das Softbook von der Firma SoftBook Press wird sogar in einem Ledereinband vertrieben, das Everybook von Everybook, Inc. verfügt über ein Zwei-Seiten-Display. Doch im Unterschied zum herkömmlichen Buchmarkt können Ebooks das Verhältnis von Autor und Verlag bzw. Von Autor und Leser ändern:
Der Autor kann auf seiner Website seine Werke direkt anbieten, ohne auf einen ihm wohlgesonnenen Verlag angewiesen zu sein. Erst digitale Bücher es möglich, den direkten Draht vom Autor zum Leser herzustellen. (c't 6/99 193) Dem gegenüber stehen die Nachteile elektronischer Bücher: Am geringsten fällt hier noch ins Gewicht, daß die Geräte bis auf das RocketBook zwischen 1300 und 1800 Gramm wiegen - mehr, als dem Leser bei der Bettlektüre zugemutet werden kann. Dazu kommt ein ernst zu nehmendes technisches Problem: Die Formate sind weitgehend proprietär und können jeweils nur auf dem Gerät einer bestimmten Firma, oder, im Extremfall, auf einem einzigen Gerät gelesen werden. Damit sind elektronische Texte enger an die ,,Hardware`` gebunden als das herkömmliche Buch, das man immerhin verleihen oder kopieren konnte (193 - 195). Mit diesem Problem eng verknüpft ist natürlich die Frage des Copyrights. Hier ist noch keine Lösung in Sicht. Weder Abschaffung noch Lösungen, die den elektronischen Text an einen durch ID-†bertragung festgelegten Leser binden, führen weiter (194). Rinks Fazit ist daher bezeichnend für den momentanen Stand der EBooks:
Noch gibt es kein EBook, das den Namen verdient, sondern nur portable Computer mit eingeschränktem Funktionsumfang - das Papier gewinnt. Bevor das digitale Papier Wirklichkeit wird, warten wir zunächst auf ein Ebook als solarbetriebens, wasserdichtes Gerät mit üppig Speicher, einem Farb-Display mit 300 dpi und einem Akku, der mindestens zehn Stunden durchhält - erst dann können sie mit Büchern konkurrieren. (...) Solange EBooks außerdem die gängigen Formate nicht lesen können, sondern deren Hersteller auf proprietäre Lösungen bestehen, sollte man die Finger von den Klötzchen lassen. (c't 6/99 202) Wie die Zukunft elektronischer Bücher und digitalisierter Klassiker aussehen wird, kann kaum vorhergesagt werden. Wir befinden uns in einer Phase des Umbruchs, die in jedem Fall Textformen, die Rezeption, den Umgang mit Literatur und die Arbeitsweisen verändert wird. Was zunächst im Raum stehen bleiben muß, ist die Aussage Janet Murrays, daß der Umbruchsprozeß auch ein Gewöhnungsprozeß ist (28). Woran wir uns gewöhnen werden, ob an die CD-ROM-unterstützte Textarbeit am Computer oder vielleicht sogar an die elektronischen Bücher, wird die Zukunft zeigen.
Nächste Seite: Literatur Aufwärts: Zusammenfassung und Ausblick Vorherige Seite: Fazit Inhalt Dorothea Kraus und Tom Alby, 24. März 1999 |