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Nächste Seite: Wohin wird die Reise Aufwärts: Zusammenfassung und Ausblick Vorherige Seite: Zusammenfassung und Ausblick Inhalt FazitDie Ergebnisse unserer Untersuchung über den gegenwärtigen Stand digitalisierter Klassiker lassen sich gleichsam rezeptartig zusammenfassen: Zur Erleichterung der Textarbeit und zur Vermittlung literaturgeschichtlicher Information nehme man einen oder mehrere Texte der klassischen Literatur, füge eine Suchfunktion hinzu, und packe dies mit anderen Bild-, Ton- und Textmaterialien auf eine CD; das Endprodukt verkaufe man für mehr oder weniger viel Geld als interaktive Multimedia-CD-ROM. Produziert werden digitalisierte Klassiker vor allem als Arbeitshilfsmittel und Informationsmedium. Der pragmatische Umgang mit dem Text in Schule und Universität wird als Hauptzweck gesehen. Doch behauptet sich digitalisierte klassische Literatur noch in einem Nischenmarkt und ist der anvisierten Zielgruppe kaum bekannt. Gerade in der Literaturwissenschaft haben traditionelle Arbeitsmethoden einen starken Stand. Der Zusatznutzen einer Literatur-CD ist in diesem Bereich wenig ersichtlich, sieht man einmal davon ab, daß auf CD-ROMs riesige Datenmengen zur Verfügung gestellt werden können. Die sich hierbei eröffnende Diskrepanz zwischen CD-ROMs als Informationsträgern und CD-ROMs als Grundlage zur praktischen Textbearbeitung scheint paradigmatisch für das Feld digitalisierter Klassiker zu sein: Als Informationsquelle werden die Möglichkeiten Neuer Medien weitgehend akzeptiert und geschätzt. Auf den Prozeß wissenschaftlichen Arbeitens und Lernens haben sie kaum Auswirkungen. Die digitalisierten Klassiker wollen insgesamt nicht mehr leisten, als sie es tun. Es geht den Verlagen genau um die Form digitalisierter Textvermittlung, die im Inhalt der CD-ROMs deutlich wird. Auch das Preis/Leistungverhältnis befindet bei den von uns untersuchten CD-ROMs im Einklang, was angesichts der Zielgruppe von Studierenden und Schülern ein wichtiges Kriterium ist. Doch obgleich Anspruch und Wirklichkeit nicht auseinanderfallen, ist die Umsetzung noch weitgehend unbefriedigend und der Mehrwert fraglich, schon allein wegen der unzureichenden Benutzeroberflächengestaltung. Literatur-CD-ROMs bieten zuviel, als daß man sie nur als ein kurzfristiges Phänomen ansehen könnte, und sie bieten zu wenig, um den Literaturmarkt entscheidend zu verändern und zu prägen. Vielleicht wird die Zukunft hier Ausdifferenzierungen bringen, die den Nutzen von Literatur-CD-ROMs deutlicher in den Vordergrund treten lassen: Möglichkeiten des Textvergleichs und des literaturgeschichtlichen Gesamtüberblicks wie auf der CD-ROM Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka könnten dann neben CD-ROMs mit literaturwissenschaftlichen Informationsquellen, Interpretationsansätzen und Sekundärliteratur oder neben CD-ROMs mit gut und funktional zu bedienender Textbearbeitung stehen. Digitalisierte Klassiker sind ein Tribut an das Medienzeitalter, in dem vorschnell alles als interaktiv und multimedial verkauft wird. Geht man etwas in die Tiefe, bleiben sie in Inhalt und Funktionalität weit hinter den Möglichkeiten zurück, wirken wie unausgereifte Prototypen eines veränderten Umgangs mit Literatur und einer neuen €sthetik. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt ändert sich nur der Informationsträger, nicht aber die Struktur des Textes selber. Insofern haben digitalisierte Klassiker ohnehin einen schweren Stand: Sie bauen nicht auf die Hypertextform und andere Umsetzungsmöglichkeiten von Literatur, aber sie versuchen, an der technischen Entwicklung und Veränderung zu partizipieren. Einen Gegenvorschlag zur Umsetzung bereits in Buchform existierender Literatur auf CD-ROM bietet Prof. Switalla an. In bezug auf Fontane äußerte er uns gegenüber:
Was man bei Irrungen Wirrungen präsentieren müßte, wäre der Text, die Wirkungen, die der Text bei den Zeitgenossen ausgelöst hat, Fontanes eigene Theorie des Schreibens literarischer Texte, die ganze Debatte darüber, was für eigentümliche Dialogstrukturen Fontane da ans Laufen bringt (...). Ich würde Links legen zu Dialogformen, die in bestimmten bildungsbürgerlichen Schichten ,,in`` waren zu der Zeit oder die er konterkariert hat. Fünftens würde ich auch die Fontanerezeption, die ganze Interpretationsgeschichte mit vergegenwärtigen, und (...) die Produktionsbedingungen: Unter welchen Bedingungen hat Fontane für wen geschrieben? (Interview am 01. Februar 1999). Doch steht einer solchen Textumsetzung der Aufwand entgegen, der den Preis der CD-ROMs erhöhen würde.
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