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Ergebnisse

Der Benutzertest bestätigte teils unsere persönliche Beurteilung, teils erweiterte er sie. In zwei von vier Tests konnten die Fragen in der angegebenen Zeit beantwortet werden, davon einmal mit der RECLAM-, einmal mit der X-LIBRIS-CD-ROM. In den anderen beiden Tests waren die Benutzer kurz vor der Lösung. Auffällig dabei war, daß die Lösungen umso schneller gefunden wurden, je zufälliger und stichprobenartiger durch die Menüs geklickt wurde. Eine systematische Suche weckte rasch Zweifel am eingeschlagenen Lösungsweg (z.B. an der Brauchbarkeit bzw. dem richtigen Einsatz der Suchfunktion), so daß die Benutzer teilweise zum Lesen am Bildschirm zurückkehrten.

Als ein beiden CDs gemeinsames Problem stellte sich heraus, daß für die Benutzer nicht klar war, wo sie mit einem einfachen und wo mit einem Doppelklick weiterkommen konnten. Meist wurde beides versucht, beziehungsweise wurde so lange geklickt, bis überhaupt irgendetwas passierte. Die neue Software-Generation der RECLAM-CD-ROM wird dieses Problem noch verschärfen, da hier zwar für Fußnoten und Anmerkungen mit aus dem WWW bekannten Hyperlinks in Form unterstrichener Textteile anstelle des Büroklammer-Icons gearbeitet wird, diese jedoch nur mit Doppelklick aktiviert werden können - ein im WWW unübliches Verfahren.

Für beide CDs gilt auch, daß einige Buttons nicht eindeutig genug beschriftet sind. Teilweise ziellos wurde die Antwort auf unsere Fragen unter verschiedensten Menüpunkten gesucht. Bei der XLIBRIS-CD wurde häufiger die Funktion Textverarbeitung aufgerufen, da offenbar ein direkter Zusammenhang mit dem Primärtext vermutet wurde. Wie auch schon in unserer persönlichen Bewertung angedeutet, hatten die Benutzer bei dieser CD außerdem Schwierigkeiten, die Anwendung zu beenden, da der Ende-Button (das Bild von Fontane links unten, siehe Abbildung 2) nicht beschriftet ist und das Icon keine Aussage über seine Funktion beinhaltet.

Ein ähnliches Problem ergab sich mit dem RECLAM-Titel, bei dem, häufiger als von uns erwartet, von den Benutzern die Frage ,,Wo geht's hier raus¿` gestellt wurde. Vor allem der Inhalt-Button führte zu Navigationsproblemen. Die Benutzer erwarteten hier zum einen den Buchinhalt, nicht das Hauptmenü, und zeigten sich zum anderen von der wechselnden Position des Buttons irritiert. Dieses Problem ist in der neuen Version aber behoben.

Bei der XLIBRIS-CD kam noch hinzu, daß Schaltflächen nicht immer als solche erkannt wurden, zum Beispiel die Schaltfläche Irrungen Wirrungen im Text selber, mit der der Benutzer zu einem anderen Buch navigieren kann (Abbildung 3 und 4). Wurde hier dennoch einmal mehr zufällig geklickt (beispielsweise auf der Suche nach einem Zurück-Button), tat sich zudem eine weitere Schwierigkeit auf: War das Pull-Down-Menü erst einmal geöffnet, so konnte nur noch auf diesen Button und nirgendwo anders geklickt werden, was bei den Benutzern für reichlich Verwirrung sorgte.

Die Suchfunktion stellte auf beiden CD-ROMs eine große Hürde für die Benutzer dar: Wenn sie bei der XLIBRIS-CD beispielsweise auf Suchen und Zählen klickten, in dem erscheinenden Fenster einen Suchbegriff eingaben und anschließend die Enter-Taste drückten, so verschwand das Fenster, ohne ein Suchergebnis anzuzeigen. Der Grund dafür ist, daß mit der Enter-Taste das Dialogfeld einfach geschlossen wird, für das Suchen aber die Maus bemüht werden muß, um auf den Button Suchen zu klicken. Dies entspricht nicht der üblichen Vorgehensweise, da die Benutzer, die das anschließende Drücken der Enter-Taste aus dem WWW gewohnt sind, so in ihrer Arbeit aufgehalten werden (die Finger müssen von der Tastatur genommen werden). Bei der RECLAM-CD wurde zwar auf in der Dialogbox selbst erläutert, daß die jeweils nächste Fundstelle durch das Drücken der Enter-Taste gefunden werden kann, doch ist dieser Erläuterungstext zum einen nicht deutlich genug herausgehoben (die Benutzer wünschten sich zumindest eine farbige Heraushebung), zum andern wurde deutlich, daß der Inhalt von Dialogfenstern häufig schlichtweg nicht gelesen wird (,,Es gibt so viele Dialogfenster, die sich irgendwo auftun.``). Bei der neuen Version der RECLAM-Software ist das Problem allerdings elegant gelöst worden: Nach dem ersten gefundenen Suchbegriff wird der Benutzer via Dialogfenster gefragt, ob weitergesucht werden soll.

Für einige Klippen sorgte auch das Betriebssystem WINDOWS selbst: Lieferte die Suchfunktion des XLIBRIS-Titels kein Ergebnis, so erschien ein Dialogfeld Suchen beendet, welches nur mit einem Klick auf den Button Ok weggeklickt werden konnte. Leider besaß das Dialogfeld aber auch einen inaktiven x-Button (Fenster schließen), so daß die Benutzer zunächst darauf klickten. Dieses Problem ist aber, wie gesagt, auf die Windows-Programmierschnittstelle zurückzuführen.

Bei XLIBRIS fiel zudem auf, daß die Anwendung doch Dateien auf der Festplatte ablegt: Die letzte Seite, die sich der Benutzer angesehen hat, wird automatisch beim nächsten Aufrufen des Textes geöffnet. Leider wird diese Hilfestellung aber nicht, wie bei RECLAM, explizit angezeigt, so daß auch dies bei unseren Test-Benutzern für Verwirrung sorgte.

Als sehr nützlich und gut aufbereitet empfanden die Benutzer der RECLAM-CD die Hilfefunktion, wohingegen Goethes Anwesenheit in der XLIBRIS-Hilfe als Werbung für ein anderes Produkt des Hauses und die Goethe-Zitate als der pragmatischen Hilfefunktion unangemessen empfunden wurden. Die inhaltliche Orientierung an der Goethe-CD-ROM stieß genauso auf Unverständnis, da die Benutzer ihr eigentliches Problem mit der Fontane-CD nicht wiederfanden. Auch gab es hier selbst in der Hilfe Navigations-Probleme. Doch weist die XLIBRIS-CD zumindest auf einen wichtigen Punkt hin, der immer wieder zu Schwierigkeiten mit der Suchfunktion führte: Daß die Eingabe eines einzigen Suchbegriffs selten ausreicht, um bestimmte Stellen zu finden.

Zusammenfassend läßt sich sagen, daß beide CDs in ihrer Benutzerfreundlichkeit nicht optimal abgestimmt sind, die Benutzer nach einer kurzen Orientierungsphase aber ohne größere Probleme damit zurechtkamen. Auffallend war dennoch die Tendenz der Benutzer, Fehler bei sich selber zu suchen anstatt bei den jeweiligen Programmen. Somit entsprechen beide CDs dem leider üblichen heutigen Standard.

Insgesamt lehnten die Benutzer die Literatur-CD-ROMs aber nicht ab, sondern bekundeten ein Interesse unter Vorbehalten: Sie konnten sich vorstellen, bei größeren Projekten auf derartige Arbeitshilfsmittel zurückzugreifen, allerdings nur in Kombination mit dem Buch. Das größte Bedenken gegen die Anschaffung einer CD beruhte auf der Einschätzung, daß sie nur einmalig für eine bestimmte Fragestellung herangezogen werden, aber nicht zur Freizeitbeschäftigung dienen kann.


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Dorothea Kraus und Tom Alby, 24. März 1999