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Theodor Fontane: Irrungen, Wirrungen von RECLAM

Zunächst muß darauf hingewiesen werden, daß dieses Werk Fontanes nicht in der neuen Software von RECLAM verfügbar ist. In der neuen Software sind zahlreiche Veränderungen vorgenommen worden, die, sofern sie unsere Kritikpunkte bei der alten Version betreffen, explizit erwähnt werden.21

Das Backcover dieser Version ist im Vergleich zu dem Xlibris-Titel zurückhaltender im Anpreisen der CD-Funktionen; die einzelnen Punkte Vortrag der Texte durch professionelle Sprecher und Schauspieler (...), Interaktivität, Volltextsuche, Textexport zur Weiterverarbeitung, Hyperlinks, Elektronische Lesezeichen und Notizen und Hilfesystem wirken weniger reißerisch, sorgen zum Teil aber für die gleichen Kritikpunkte wie unter 2.1. Wenigstens erklären die Autoren, was sie unter Interaktivität verstehen: im Buch wird geblättert, gesucht, kopiert und notiert, zuviel wird hier also nicht versprochen. Die neue Version der Reclam-Software wird mit einer ausführlichen Installationsanleitung sowie einem Mini-Handbuch im Booklet geliefert.

Abbildung 6: Screenshot von der RECLAM-CD: Im Hauptmenü werden die Funktionen klar voneinander getrennt.
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\centerline{\epsfbox{reclam_main.epsf}}\end{figure}

Im Gegensatz zu der XLIBRIS-Applikation will das Programm aus dem Hause RECLAM Dateien auf der Festplatte installieren. Die Installation erfolgt problemlos, danach befinden sich 6,65 MB mehr auf der Festplatte.22 Die Anwendung wird von der Festplatte gestartet und speichert auf der Festplatte zusätzlich die Position des Benutzers bei der vorgehenden Session mit dem Programm, so daß bei einem Neustart gleich zu dieser Position navigiert werden kann (siehe Abbildug 6). Die Behauptung, daß das Programm sogar auf einem 386er PC mit 33 MHz liefe, wollten wir nicht nachprüfen, denn schon auf einem 486er zeigten sich erhebliche Probleme mit der Geschwindigkeit der Applikation.

Das Hauptmenü der RECLAM-CD (Abbildung 6) ist in einem funktionalen Design gehalten.23 Es wirkt im Gegensatz zu der XLIBRIS-CD sehr aufgeräumt und einheitlich. Der Text ist räumlich klar von den anderen Inhalten der CD getrennt, ebenso die globale Steuerung (Beenden, Seite, Suche, Notizen). Die Einheitlichkeit kommt zum Teil durch eine durchdachte Rastereinteilung zustande, in der die Elemente wie Schaltflächen und Texte in jeder Ebene durchgehend positioniert werden. Etwas irritierend wirkt aber, daß einzelne Funktionen je nach Ebene hinzukommen oder wegfallen. Ein Beispiel: Die Schaltfläche ,,Inhalt`` befindet sich in Abbildung 7 an oberster Stelle, in Abbildung 8 in der Mitte. Zwar bleibt die Schaltfläche in der Rastereinteilung an der gleichen Position, dennoch verliert sie sich in der Unübersichtlichkeit der vielen Schaltflächen. In der neuen Version verläßt die Schaltfläche, die dort mit Menue beschriftet ist, in den jeweiligen Ebenen ihre Rasterposition, dafür ist sie aber immer die unterste Schaltfläche.

Sehr schön fanden wir in der alten Version solche durchdachten Kleinigkeiten wie zum Beispiel die unterschiedliche Größe der Pfeile, mit denen durch den Text navigiert werden kann: ein großer Pfeil für das Vorblättern, ein kleiner Pfeil für das Zurückblättern; in Anbetracht der Leserichtung eine gute Idee. Leider wurde diese Idee in der neuen Version nicht weiter verfolgt.

Die Hintergrundfarbe des Textes ist ein angenehmes Beige, was die Lektüre am Bildschirm um einiges angenehmer macht als das Weiß der XLIBRIS-CD. Allerdings ist der Hintergrund in der neuen Software heller, wenn auch immer noch nicht weiß.

Im Text selbst befinden sich durch Büroklammern markierte Erläuterungen zu einzelnen Wörtern; klickt man auf die Büroklammer, so erscheint ein kleines Fenster (siehe Abbildung 7). Die durch die Büroklammer markierte Erläuterung zeigt allerdings nicht auf ein bestimmtes Wort, so daß dem Benutzer vor dem Klicken nicht klar ist, welches Wort eigentlich erklärt wird. Dies ist in der neuen Version geändert: Erklärungsbedürftige Wörter werden durch eine Unterstreichung (wie ein Hyperlink, leider nicht in blau) markiert.

Erstellte Notizen werden durch ein Eselsohr auf der betroffenen Seite dargestellt, die gewählte Benutzeroberflächen-Metapher beschränkt sich also nicht nur auf die Seiteneinteilung und das Rascheln beim Umblättern. In der neuen Version wurde wieder von dieser Metapher abgerückt: Notizen werden durch einen kleinen Notizblock auf der betreffenden Seite dargestellt. Für das Erstellen einer Notiz ist keine Schaltfläche mehr vorhanden, da zusätzliche Funktionen mit der rechten Maustaste aktiviert werden können. Dadurch wird zwar die visuelle Komplexität des RECLAM-Titels verringert, allerdings ist die Anwendung dafür nicht mehr so intuitiv zu bedienen.

Abbildung: Screenshot von der RECLAM-CD: Erläuterungsfenster zu einem markierten Wort
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\centerline{\epsfbox{reclam_anmerkung.epsf}}\end{figure}

Alle Schaltflächen sind mit einem einfachen Klick zu bedienen, überdies hinaus verändert sich der Cursor bei einem Rollover. Hierzu ist anzumerken, daß der Cursor in der alten Version die Form einer kleinen Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger annimmt (wie im World Wide Web), in der neuen Version ein Ausrufezeichen neben dem Cursor-Pfeil erscheint.

Alles in allem mag man die kleinen Mängel aufgrund des sehr günstigen Preises (zwischen 14,90 und 16,90 DM) verzeihen, sind die RECLAM-CDs doch bezüglich der Benutzerführung sogar eher in den oberen Rängen anzusiedeln. Umso erstaunlicher ist die Aussage des Verlages, daß der Aufwand einer CD-Produktion vergleichbar mit dem eines Buches sei. Vergleicht man den Preis der CD mit der gedruckten RECLAM-Ausgabe (3,00 DM), so erhält der Käufer im Falle der Fontane-CD für 11,90 DM zusätzlich eine Vorlesung des Textes, eine Suchfunktion und Zusatzmaterialien wie zum Beispiel ein Bild der Erstausgabe.

Abbildung 8: Screenshot von der RECLAM-CD: Die Notizzettelfunktion
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\centerline{\epsfbox{reclam_notizzettelfunktion.epsf}}\end{figure}


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Dorothea Kraus und Tom Alby, 24. März 1999