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Antworten

Einzelne Fragen - besonders nach Zielgruppen und Intention - wurden von allen Verlagen sehr ähnlich beantwortet. Bei anderen zeigt sich in den Antworten eine überraschende Diskrepanz, die deutlich macht, wie unterschiedlich beispielsweise Aspekte der Zukunft von Digitalmedien und des Produktionsaufwandes bewertet werden und wie unsicher der Stellenwert von CD-ROMs momentan auf dem Markt noch ist.

Frage 1: Die Antworten auf die Frage nach besseren Verkaufszahlen für CD-ROMs in der Zukunft waren zum Teil sehr vorsichtig und zurückhaltend formuliert. Selbst optimistische Zukunftsprognosen verbinden sich mit der Erkenntnis, daß Literatur-CD-ROMs ein ,,Nischenmarkt``, ein ,,Prestige-Produkt`` sind. Gleichzeitig gehen mit den niedrigen Verkaufszahlen Überlegungen zur Verbesserung des Nutzwertes solcher Produkte einher, die als Voraussetzung für Marktchancen betrachtet werden.

Frage 2: Der Anspruch hinter der Produktion von Literatur-CDs ist vor allem die Schaffung eines Werkzeuges bzw. eines Arbeitshilfsmittels. Der erkennbare Mehrwert des Produktes im Vergleich zu anderen steht hier als Kriterium im Vordergrund. Explizit didaktische Zielsetzungen verbinden sich kaum mit derartigen CDs, wohl aber die sinnvolle Aufbereitung des Materials. Die Möglichkeit ãspielerischerÒ Auseinandersetzung mit klassischer Literatur scheint nur am Rande eine Rolle zu spielen.

Frage 3: Studierende, Lehrerinnen und Lehrer, Schüler und Schülerinnen sowie Literatur- und Computerinteressierte im weitesten Sinne gehören der Zielgruppe der Verlage an. Auf schnelle Suche, raschen Überblick, Erstellung von Hausarbeiten, Unterrichtsvorlagen und teilweise automatische Generierung von Quellenangaben sind die CDs von ihren Funktionen und Features her abgestimmt. Daß gerade die Frage nach den Features erschwert wird durch zu wenig Wissen über die Käufer von CD-ROMs, wurde nur teilweise von den Verlagen erwähnt.

Frage 4: Bei der Frage nach der Gewinnung neuen Publikums für klassische Literatur fiel das Antwortenspektrum sehr weit aus. Ja, nein und jein könnte man die Antworten zusammenfassen. Teilweise herrscht die Hoffnung vor, daß die Arbeit mit der CD zu Interesse am gedruckten Werk führt, aber auch, daß die Wünsche computererfahrener Geisteswissenschaftler durch das neue Medium überhaupt erst befriedigt werden können. Andere Einschätzungen halten gerade den Effekt des Mediums für flüchtig und setzen auf den Zusatznutzen der CD-ROM oder des Internets, um Interesse an Literatur zu wecken. Aber nicht zuletzt muß das Interesse an Autor und/oder Werk schon vorher da sein, damit überhaupt zum Buch oder eben auch zu der CD gegriffen wird.

Frage 5: Auch der Aufwand bei Produktion und Vermarktung von CD-ROMs wird von den Verlagen sehr unterschiedlich eingeschätzt. Der Produktionsaufwand wird mit einer Ausnahme wesentlich höher eingeschätzt als beim Buch, vor allem durch Konzeption, Screendesign, Programmierung und Rechte. Bei der Vermarktung reichen die Antworten von ,,mit dem Buch vergleichbar`` über teilweise ,,schwieriger durch die Vorbehalte der Buchhändler`` bis hin zu ,,einfacher``, da die CD-ROM in den Buchmarkt mittlerweile fest integriert sei.

Frage 6: Die Zukunft der Digitalmedien ist in den Augen der Verlage, um es vorsichtig auszudrücken, kontingent. Zum Teil wird der CD als einem dauerhaften Medium eine lange Überlebensdauer prophezeit, wobei aber die Rolle des Internets in bestimmten Bereichen der Literaturpräsentation für immer bedeutender gehalten wird. Was auf welchem Medium produziert wird, könnte dann von der Menge des Bild- und Tonmaterials und damit verbunden von den Möglichkeiten des Downloads abhängen. Literatur-CD-ROMs stehen auch weiterhin auf den Plänen der Verlage, obwohl teilweise eine Konzentration auf Informations- und Nachschlagewerke besteht.

Aus den Antworten lassen sich entscheidende Kriterien für die Produktion von Literatur-CD-ROMs ablesen: Im Vordergrund steht der Nutz- und Gebrauchswert der CD, die Verwertbarkeit als Arbeitshilfsmittel. Die erbauliche Lektüre am Nachmittag oder das Schmökern in alten Klassikern soll und kann durch die CD-ROMs nicht geleistet werden. Dementsprechend sind auch die Funktionen der CD aufgemacht: Präsentation des Primärtextes, u.U. unter Einbeziehung von Sekundärtexten und Zusatzmaterial, auf jeden Fall aber die Ausstattung mit Software-Werkzeugen zur Textbearbeitung. Der Multimedia-Effekt wird genausowenig gesucht (obwohl das oft umfangreiche Bild- und Tonmaterial diesen Eindruck erwecken könnte) wie eine neue Form des Umgangs mit Texten. Das Medium ändert sich, Textstrukturierung und Arbeitsweisen am Text bleiben mit der Buchform identisch. Daraus ergibt sich für die Verlage zwangsläufig die Frage nach dem ,,Mehrwert`` einer solchen CD, welcher der Zielgruppe den Kauf schmackhaft machen soll. Die Notwendigkeit der Optimierung von CD-ROMs wird von allen Verlagen gesehen und auch vorangetrieben.


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Dorothea Kraus und Tom Alby, 24. März 1999